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Soka-Bau erklärt Vorteile fürs Baugewerbe Arbeitszeitkonto: Schutz vor Arbeitslosigkeit im Winter

Die Baubranche ist abhängig vom Wetter. Es bestimmt auch mit, ob Arbeitnehmer im Winter eine Beschäftigung haben. Um extreme Schwankungen bei den Beschäftigungszeiten finanziell auszugleichen, sollen Arbeitszeitkonten helfen. Diese Regelungen gelten für das Baugewerbe.

Arbeitnehmer wollen bei der Arbeitszeitgestaltung mitreden und freier sein. Das ergaben in jüngster Zeit immer wieder Studien. Im Baugewerbe, fern ab von Gleitzeit oder dem Arbeiten von zuhause aus, bedeuten Flexibilisierung und das Ansammeln von Überstunden etwas ganz anderes. Man kann auch sagen: Überstunden sind hier noch richtige Überstunden, die sich normalerweise direkt in barer Münze auszahlen. Wenn sie anfallen, werden sie zusätzlich vergütet – inklusive Zuschlägen. Die Beschäftigten erhalten einen Stundenlohn. Der Monatslohn orientiert sich an den geleisteten Stunden und kann mal höher und mal niedriger ausfallen. Arbeitnehmer müssen also selbst sehr flexibel kalkulieren und sind extrem abhängig von der Auftragslage der Arbeitgeber.

Die Arbeitgeber wiederum müssen manches Mal Zeiten mit einem hohen Arbeitsaufkommen mit denen von wenigen Aufträgen ausgleichen. So herrscht im Sommer im Baugewerbe meist Hochkonjunktur und im Winter ist das Arbeiten für einige Gewerke wetterbedingt schwierig. Immer wieder kommt es deshalb dazu, dass sich Beschäftigte des Baugewerbes über die Wintermonate arbeitslos melden müssen. Das sogenannte Schlechtwettergeld der Bundesagentur für Arbeit – offiziell Saison-Kurzarbeitergeld – kann nicht jeden Arbeitsausfall kompensieren.

Arbeitszeitkonto statt Arbeitslosigkeit

Auf eine Variante, um saisonbedingte Entlassungen zu vermeiden, weist nun die Sozialkasse des Baus, Soka-Bau hin: Arbeitszeitkonten, bei denen Arbeitnehmer einen verstetigten Lohn erhalten und Guthaben durch Mehrarbeit auf dem Arbeitszeitkonto ansammeln. Fallen im Sommer viele Überstunden an, so können die hieraus resultierenden Guthaben im Winter eingesetzt werden. Das genaue Erfassen und speichern der Arbeitszeiten anhand von Arbeitszeitkonten ermöglicht einen Ausgleich über einen längeren Zeitraum hinweg. Organisieren muss sich dabei jeder Betrieb selbst – über die reguläre Lohnbuchhaltung.

Arbeitszeitkonten einzuführen und damit von der tariflichen auf eine betriebliche Arbeitszeitverteilung umzusteigen, steht jedem Betrieb laut Tarifvertrag frei. Betrieb und Beschäftigte müssen hierüber einig sein. Die getroffenen Regelungen werden laut Martin Da Re von der Soka-Bau in einer Betriebsvereinbarung – sofern es einen Betriebsrat gibt – oder in Einzelvereinbarungen festgehalten. Diese Vereinbarung regelt dann die für alle Arbeitnehmer mögliche Aufteilung der Arbeitszeiten und wie sie erfasst, erbracht und ausgeglichen werden.

Für die Beschäftigten ergibt sich dabei einzig der Nachteil, dass sie durch den festen Monatslohn dann keine Überstundenzuschläge mehr bekommen – wiederum eine Ersparnis für die Baufirmen.

Arbeitszeitkonten: Das sieht der Tarifvertrag vor

Die geltenden tarifvertraglichen Festlegungen der Baubranche sehen die Möglichkeit der Einführung von Arbeitszeitkonten vor. Doch sie geben den Arbeitgebern auch Bedingungen mit auf den Weg: Den Beschäftigten ist ein verstetigter Monatslohn zu zahlen und das Arbeitszeitguthaben und der einbehaltene Lohn dürfen zu keinem Zeitpunkt 150 Stunden überschreiten.  Das Ausgleichskonto soll nach zwölf Kalendermonaten wieder ausgeglichen sein. Zudem müssen die Lohnsummen, die die Arbeitnehmer mit ihrer Leistung erarbeitet haben, insolvenzgesichert werden – schließlich sollen die Beschäftigten, die die Überstunden leisten, auch dann den bereits erarbeiteten Lohn bekommen, wenn der Arbeitgeber zahlungsunfähig ist.

Der Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe (BRTV) sieht deshalb verschiedene Varianten vor, wie diese Guthaben gesichert werden können: durch Bankbürgschaft, Sperrkonto mit treuhänderischen Pfandrechten oder Hinterlegung bei der Urlaubs- und Lohnausgleichskasse der Bauwirtschaft. Soka-Bau empfiehlt natürlich das eigene Produkt SIKO flex. "Die Guthaben werden bei Soka-Bau hinterlegt, verzinst und durch eine vom Betrieb und dem Beschäftigten zu unterzeichnende Verpfändungsvereinbarung gesichert", erklärt Martin Da Re.

Er weist zudem darauf hin, dass Bankbürgschaften vergleichsweise hohe Gebühren mit sich bringen. Doch dafür bleibe das Geld im Betrieb und stünde diesem für Investitionen zur Verfügung.

Arbeitszeitkonten: Mehr Investitionen und Mitarbeiterbindung

Investitionen bzw. die Bereitschaft dazu sind es zudem, die durch die Einführung von Arbeitszeitkonten generell gefördert werden – genauso wie die Produktivität der Betriebe und die Mitarbeiterbindung an den Betrieb. Das ergaben laut Soka-Bau neuere wissenschaftliche Studien wie eine Untersuchung des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA). Vor allem Betriebe in Branchen mit starken saisonalen Schwankungen wie etwa der Baubranche würden einen insgesamt positiven Effekt auf das Betriebsergebnis verzeichnen, wenn sie eine derartige Form der Flexibilisierung und Absicherung wählen.

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