Berufsbildungsbericht 2013 Viele Lehrstellen, wenig Jugendliche

Der neue Berufsbildungsbericht zeigt, dass die Prognosen für die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern weit auseinandergehen. Die Arbeitgeber haben ihre selbst gesteckten Ziele erreicht. Die Arbeitnehmer sehen die künftige Lage hingegen mit großer Sorge.

Auch das Bauhandwerk sucht Fachkräftenachwuchs. - © Foto: Gina Sanders/Fotolia

Die Beauftragten der Arbeitgeber sehen die Lage auf dem Ausbildungsmarkt weiter positiv, wie aus einer Stellungnahme zum Entwurf des neuen Berufsbildungsberichts hervorgeht, der im April erscheinen wird. Zur guten Ausbildungssituation habe im Wesentlichen beigetragen, dass die Wirtschaft ihre im Rahmen des Ausbildungspaktes gemachten Zusagen, jährlich 60.000 neue Ausbildungsplätze und 30.000 neue Ausbildungsbetriebe zu gewinnen, erneut weit übertroffen habe.

Der Rückgang bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen sei zum einen eine Folge der demografischen Entwicklung und dem damit einhergehenden Rückgang der Schulabgängerzahlen (-1,6 Prozent). Zum anderen liege es am gezielten Abbau der außerbetrieblichen Ausbildung (-15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr), der von der Wirtschaft ausdrücklich begrüßt wird.

Zusätzlich nehmen die Schwierigkeiten zu, das Angebot der Betriebe und die Nachfrage der Jugendlichen zueinander zu bringen. Die gegenüber dem Vorjahr gestiegene Zahl an unbesetzten Berufsausbildungsstellen (+12,1 Prozent) zeigt diesen Gegensatz und die großen Herausforderungen für die Betriebe auf, ihren Fachkräftenachwuchs für die Zukunft zu sichern. Rein rechnerisch hätte auch in 2012 jede unbesetzte Ausbildungsstelle mehr als zweimal besetzt werden können.

Insgesamt müssen die Anstrengungen verstärkt werden, alle Potenziale für die Berufsausbildung zu erschließen und zum Beispiel auch leistungsstarke junge Menschen für eine duale Berufsausbildung zu gewinnen.

Ausbildungsverträge: Tiefstand seit 2005

Die Vertreter der Arbeitnehmer schätzen die Lage auf dem deutschen Ausbildungsmarkt hingegen schon jetzt als dramatisch ein. Das Ausbildungsengagement der Unternehmen habe einen historischen Tiefstand erreicht: Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge sei auf 551.271 Neuabschlüsse gefallen. Dies bedeute im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 3,2 Prozent. Einen niedrigeren Wert hätte es seit der Wiedervereinigung lediglich im Jahr 2005 gegeben.

Die Quote der ausbildenden Betriebe habe ebenfalls ein historisches Tief erreicht. Nur noch 21,7 Prozent der Betriebe bildeten im Jahr 2011 aus (2010: 22,5 Prozent, 2009: 23,5 Prozent, 2008: 24 Prozent, 1999: 23,6 Prozent).

Vor diesem Hintergrund sei es nicht nachvollziehbar, dass der Berufsbildungsbericht 2013 von einer guten Situation für "viele Jugendliche" spricht.

Die vollständige Veröffentlichung des Bundesinstituts für Berufsbildung können Sie hier herunterladen.