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Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung Arbeitnehmer haben laut Studie nichts vom Aufschwung

Der wirtschaftliche Aufschwung der vergangenen drei Jahre ist bei den meisten Arbeitnehmern nicht angekommen.

Anders als im letzten Aufschwung um die Jahrtausendwende profitierten dieses Mal überwiegend die Bezieher von Gewinn- und Vermögenseinkommen, zeigt eine Studie, die das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung vorstellte. "Für die große Mehrheit der Bevölkerung hat der Begriff Konjunkturaufschwung eine neue Qualität bekommen: Wachstum ohne Einkommenszuwachs", sagte der wissenschaftliche Direktor des IMK, Gustav Horn. Das IMK erwartet für das Jahr 2009 keine Fortsetzung des Aufschwungs in Deutschland.

Hatte das Einkommen zwischen 1998 und 2001 dem Wirtschaftswachstum entsprechend um sieben Prozent zugelegt, sanken die realen Nettolöhne der Beschäftigten im aktuellen Aufschwung um 3,5 Prozent, obwohl das Bruttoinlandsprodukt wieder um sieben Prozent wuchs, berechnete das IMK. Auch staatliche Transferleistungen, die im letzten Aufschwungzyklus um rund vier Prozent zugenommen hätten, seien nun preisbereinigt um sechs Prozent zurückgegangen. Die Beschäftigung sei dabei mit zwei Prozent Zuwachs nicht wesentlich stärker als im vorigen Aufschwung gewachsen. "Der von vielen als Belohnung für Lohnzurückhaltung und Arbeitsmarktflexibilisierung versprochene erhebliche zusätzliche Beschäftigungsanstieg hat sich nicht eingestellt", sagte Horn.

Die niedrigen Löhne halfen laut Horn zwar dem Export, schaden hingegen dem privaten Verbrauch, der mit 55 Prozent die größte Komponente der wirtschaftlichen Entwicklung sei. "Eine stärkere Lohnentwicklung, die gesamtwirtschaftlich den Verteilungsspielraum von rund 3,5 Prozent ausschöpft, würde Konsum und Wirtschaftsentwicklung voranbringen", betonte Horn. Er erwarte allerdings lediglich eine Erhöhung um 2,5 Prozent.

Horn verwies auf die Ansicht vieler Konjunkturforscher, dass ein Schub beim Konsum die Konjunktur in diesem Land antreiben müsse, um einen Abschwung zu verhindern. Angesichts der einseitigen Einkommensentwicklung sieht das IMK hier nur eine geringe Chance. Horn forderte die Europäische Zentralbank (EZB) dazu auf, den Aufschwung mit einer Zinssenkung zu "verlängern".

ddp

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