Unternehmensführung -

Ich habe gehört, Sie sollen der Beste sein Arbeitgebersiegel im Handwerk: Was sie bringen, was sie kosten

Viele Jobsuchende wollen sich ein genaues Bild von ihrem künftigen Arbeitgeber machen. Arbeitgebersiegel boomen deshalb. Doch welches ist das Richtige für einen Handwerksbetrieb?

Deutschlands bester Arbeitgeber – ist das nun Adidas, Miele, der Berliner Autoersatzteil-Händler Fastlane Automotive oder das Handwerksunternehmen Kögel Bau aus Bad Oeynhausen? Es existieren zahlreiche Ranglisten und Auszeichnungen, um den vermeintlich besten Arbeitgeber Deutschlands zu bestimmen. Und sie kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen:

Das Great Place to Work Institut verlieh dem Haushaltsgerätehersteller Miele die Auszeichnung als "Bester Arbeitgeber Deutschland 2018", während das Nachrichtenmagazin "Focus" den Sportartikelhersteller Adidas zu "Deutschlands bestem Arbeitgeber 2018" kürte. Die Focus-Tochter "Focus Business" hingegen zeichnete in Kooperation mit dem Arbeitgeber-Bewertungsportal Kununu das Unternehmen Fastlane Automotive als "Top Arbeitgeber Mittelstand 2018" aus. Das Zentrum für Arbeitgeberattraktivität wiederum sieht beim Arbeitgeberwettbewerb "Top Job" die Firma Kögel Bau als "Top Arbeitgeber 2018".

Unternehmensrankings boomen – und das ist der Tatsache geschuldet, dass viele Jobsuchende sich vor einer Bewerbung ein genaues Bild von ihrem potenziellen Arbeitgeber machen wollen und auf eine objektive Einschätzung hoffen. Auch die Unternehmen erhoffen sich durch ein solches Gütesiegel einen Vorteil im Kampf um die begehrten Fachkräfte. Denn viele Betriebe suchen händeringend neue Mitarbeiter. Gerade im Handwerk sind sehr viele Stellen unbesetzt.

Warum sind Arbeitgebersiegel wichtig?

"Der Mittelstand gilt als Jobmotor und Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Die dort Beschäftigten reagieren sehr flexibel auf die veränderten Voraussetzungen durch die Digitalisierung – und auch die Arbeitgeber beweisen Mut, indem sie beispielsweise alte Hierarchien einreißen und neue Strukturen schaffen", erklärt Volker Bernhardt von Focus Business. Die Focus-Business Studie verdeutliche, welche Mittelständler aus Sicht der Arbeitnehmer dabei besonders empfehlenswert seien. Viele mittelständische Unternehmen seien außerhalb ihrer Branchen kaum bekannt, ergänzt Sarah Müller, Director Marketing & Content von Kununu. "Für KMU ist es daher umso wichtiger, ihre Stärken als Arbeitgeber am Bewerbermarkt aktiv zu kommunizieren."

Welche Arbeitgebersiegel sind für das Handwerk geeignet?

Bei manchen Siegeln – gerade jenen, die bundesweit vergeben werden – haben KMU keine Chance. Andere wie beispielsweise TOP JOB haben sich darauf spezialisiert, Arbeitgeber aus dem Mittelstand zu bewerten. Mitunter, etwa beim Siegel "Top-Arbeitgeber" von Focus Business, Kununu und Fastlane, gibt es eine eigene Mittelstands-Unterkategorie.

Was die Siegel eint: Sie werden meist jährlich vergeben, auf Basis eines einmaligen Auswahl- bzw. Prüfverfahrens. Wer im Folgejahr erneut ausgezeichnet werden möchte, muss sich auch erneut bewerben. Und die Auszeichnung kostet Geld, wobei die Gebühren nach Unternehmensgröße gestaffelt sind. Bei TOP JOB etwa sind es für Firmen mit 9 bis 49 Mitarbeitern 8.900 Euro, bei 50 bis 100 Mitarbeitern 9.300 Euro. Das Preisniveau ist bei den verschiedenen Anbietern ähnlich.

Welche Kriterien geben den Ausschlag für die Bewertung?

Verbindliche Kriterien, was einen vermeintlich "guten" Arbeitgeber ausmacht, gibt es allerdings nicht. Faktoren wie Gehalt und Arbeitszeitmodelle, Aufstiegschancen und Mitarbeiterentwicklung stehen meistens im Mittelpunkt der Zertifikate und Ranglisten. Die einzelnen Arbeitgeberrankings unterscheiden sich zudem durch ihre Herangehensweise: Mal basieren die Auszeichnungen auf Einschätzungen von Arbeitnehmern aus allen Alters- und Hierarchiestufen, mal auf den Arbeitgeberbewertungen auf Bewertungsportalen wie Kununu. Die unterschiedliche Methodik erklärt natürlich auch die unterschiedlichen Ergebnisse der verschiedenen Rankings.

Kögel Bau etwa sei es außerordentlich gut gelungen, durch eine inspirierende Führungsarbeit und eine hohe Arbeitszufriedenheit ein fruchtbares Innovations- und Leistungsklima zu schaffen, hob "Top Job"-Jurymitglied Bert Rürup in seiner Laudatio auf das Handwerksunternehmen hervor. "Wir haben es hier mit einem außerordentlich modern denkenden Familienunternehmen zu tun, das mit einem ausgeprägt werteorientierten Management wahrlich Zeichen setzt." Den Bedürfnissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werde bei allen Planungen und Entscheidungen ein bemerkenswert hoher Stellenwert beigemessen.

Was sind die Vorteile eines Arbeitgebersiegels?

Die unterschiedlichen Siegel und Rankings helfen Bewerbern dabei, einen potenziellen Arbeitgeber einzuordnen – ähnlich wie Bewertungsportale beim Online-Shopping oder beim Buchen einer Reise. Hinzu kommt der Faktor PR: Ein professionell geführtes Unternehmen muss schließlich in der Öffentlichkeit präsent sein – und dabei kann die Verbreitung eines Arbeitgeberrankings hilfreich sein.

"Der Bewerbermarkt hat eine gewisse Eigendynamik", betont Sophia von Rundstedt, CEO der Personalberatung von Rundstedt. "Gerade für junge Menschen sind der Ruf des Unternehmens und dessen Bewertungen wichtig, um eine Entscheidung für oder gegen einen potenziellen Arbeitgeber zu treffen." Hier gelte es anzupacken und gute Rahmenbedingungen für positive Bewertungen, so die Expertin. Und das gilt für große Konzerne und kleine Betriebe gleichermaßen.

Studie: Arbeitgeberbewertungen immer wichtiger

Ob Kollegenzusammenhalt, Sozialleistungen oder Gleichberechtigung: Die Online-Bewertung eines Arbeitgebers spielt vor allem bei der Mitarbeitergewinnung eine wichtige Rolle, zeigt die Studie "Talents & Trends" der Personalberatung von Rundstedt. 41 Prozent der Befragten gaben demnach an, Arbeitgeber-Bewertungsportale wie kununu oder meinChef.de zu Rate ziehen, bevor sie sich auf eine ausgeschriebene Stelle bewerben.

Vor allem junge Menschen (52 Prozent) sind hier Vorreiter. Vor einer Initiativ-Bewerbung informieren sich immerhin 29 Prozent über Bewertungsportale, um positiv bewertete Unternehmen herauszufiltern. Bei den 18- bis 29-Jährigen wird schon bei über 40 Prozent vorselektiert.

Im Vorstellungsgespräch können die Firmen jedoch noch punkten: Nur 22 Prozent gaben an, die Informationen aus Arbeitgeberportalen als relevanter einzustufen, als die, die ihr Gegenüber im Gespräch äußert. Doch auch hier sind junge Talente mit 33 Prozent deutlich kritischer. czy

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