Branche -

Grundrente fürs Friseurhandwerk Arbeitgeber korrigieren Rentenberechnung des Bundesarbeitsministers

Erneut wird Kritik an der Grundrente laut. Arbeitgeberverbände werfen dem Bundesarbeitsministerium vor, irreführenden Rentenberechnungen zu nutzen, um die Höhe von Geringverdiener-Renten als möglichst dramatisch darzustellen. Im Fokus dabei: das Friseurhandwerk.

Wer arbeitet, soll später eine höhere Rente haben als diejenigen, die nicht gearbeitet haben und Grundsicherung bekommen. Mit dieser grundsätzlichen Aussage begründet Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) seine Vorschläge für die Grundrente, die derzeit stark diskutiert wird. Bis zu 447 Euro im Monat soll die Rente derjenigen steigen, die über ihr Arbeitsleben hinweg nur Mindestlohn bekommen haben. Als Voraussetzung nannte Heil in seinem kürzlich vorgestellten Konzept: 35 Beitragsjahre in die gesetzliche Rentenversicherung. Zwar denkt er nun bereits darüber nach, diese Einzahlgrenze fließend zu gestalten, doch die letzten Details zur Grundrente sind noch nicht geklärt.

Starke Kritik an der neuen Rente für Geringverdiener kommt aus der Wirtschaft. So empfindet es der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) als "respektlos, Arbeitgebern und Beschäftigten, die sich jeden Tag abrackern, die Kosten aufzubürden und das Geld mit vollen Händen aus den Sozialkassen zu nehmen, um parteipolitische Versprechungen einzulösen.“ Geplant ist, die Grundrente über Steuern zu finanzieren.

Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) stellt zudem das Beispiel in Frage, das Heil nutzt, um für die Grundrente zu werben: die Rente einer Friseurin nach 40 Jahren Vollzeitarbeit zum gesetzlichen Mindestlohn. "Das Bundesarbeitsministerium arbeitet mit irreführenden Zahlen und dramatisiert damit die Höhe von Geringverdiener-Renten unnötig", heißt es in einer Stellungnahme der BDA zur Grundrente mit dem Titel "Heils Grundrente ist ungerecht und teuer". Das Problem bei der Berechnung seien falsch Annahmen sowohl zur Arbeitszeit als auch zum Mindestlohn, den eine Friseurin in Deutschland erhalte.

Unrealistische Rentenberechnung: Tatsächliche Arbeitszeit und Tarifverträge missachtet

Laut BDA rechnet das Ministerium statt mit einer 38-Stunden-Woche, wie sie in der Branche üblich sei, nur mit 32,6 Wochenstunden. Zudem nimmt es für die Berechnung als Basis den gesetzlichen Mindestlohn. "Dies gilt schon deshalb, weil für Friseure oftmals allgemeinverbindliche Tarifverträge gelten", so der Arbeitgeberverband.

Er rechnet vor, dass sich beispielsweise aus dem Tarifvertrag für Friseure in Heils Heimatbundesland Niedersachsen bei einer Wochenarbeitszeit von 38 Stunden und dem dort geregelten Stundenecklohn (aktuell 11,70 Euro) für eine vollzeitbeschäftigte Friseurin eine jährlich um die Hälfte höherer Rentenanspruch ergeben würde als vom Bundesarbeitsministerium genannt. So würde der tatsächliche Rentenanspruch 764 Euro statt 512 Euro betragen. dhz

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten