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Flexibles Arbeitszeitgesetz Arbeitgeber fordern: Klassischen 8-Stunden-Arbeitstag abschaffen

Geht es nach deutschen Arbeitgebern, sollte die feste Stundenzahl pro Tag durch eine Wochenarbeitszeit ersetzt werden. Arbeitszeiten könnten so flexibler eingeteilt werden. Das kommt grundsätzlich auch bei Arbeitnehmern gut an. Dennoch warnt der Deutsche Gewerkschaftsbund.

Vor 100 Jahren wurde der Achtstundentag in Deutschland erstmals gesetzlich verankert. Das Arbeitszeitgesetz in seiner heutigen Fassung stammt aus dem Jahr 1994. Seither hat sich die Arbeitswelt stark verändert, etwa durch die Digitalisierung oder gewandelte Familienmodelle. Dennoch wurde das Gesetz seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr angepasst. Das zu ändern, forderte nun Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer. Der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte er, das Arbeitszeitgesetz müsse den Realitäten im 21. Jahrhundert angepasst werden: "Wir müssen den Rahmen neu justieren, in dem sich die Unternehmen bewegen können."

So ist das Arbeitszeitgesetz aktuell geregelt

Das Arbeitszeitgesetz in seiner jetzigen Fassung setzt die tägliche Arbeitszeit auf acht Stunden fest, gewährt der Arbeitgeber einen Ausgleich, dürfen es auch zehn sein. Für alles, was darüber hinausgeht, muss eine behördliche Genehmigung vorliegen. Theoretisch sind in Ausnahmefällen also auch Zwölfstundentage möglich. Grundsätzlich gilt: Zwischen zwei Arbeitseinsätzen müssen elf Stunden Ruhezeit liegen.

Handwerk spricht sich für Wochenarbeitszeit aus

Vor allem an Letzterem stört sich Kramer. In einer digital und international vernetzen Welt der Wirtschaft lasse sich das nicht jeden Tag einhalten. "Das heißt, es wird in der Praxis längst anders gehandelt – und das wird von den Arbeitnehmern mit Familie und Home Office auch gewünscht", sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Probleme treten in der Praxis etwa dann auf, wenn Arbeitnehmer abends noch berufliche E-Mails checken oder wenn sich ein Mitarbeiter im Home Office die Arbeitszeit häppchenweise über den Tag verteilt. Selbst wenn die Regelung einvernehmlich mit dem Arbeitnehmer getroffen wurde, haftet in der Regel der Arbeitgeber, wenn es zu einem Rechtsstreit kommt.

Aus dem Handwerk erhält Kramer Zuspruch. "Gerade angesichts der Digitalisierung der Arbeitswelt sind wir dafür, im Arbeitszeitgesetz von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit umzustellen", sagte Handwerker-Präsident Hans Peter Wollseifer gegenüber Bild am Sonntag.

DGB befürchtet Mehrarbeit

Gegenwind kommt vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Dort befürchtet man, dass es den Arbeitgebern bei ihren Bemühungen um ein flexibleres Arbeitszeitgesetz vor allem darum geht, den Arbeitnehmern längere Arbeitszeiten aufzubürden. Ein Argument, das Kramer nicht gelten lässt. "Es geht nicht um Mehrarbeit, es geht um flexiblere Lösungen durch Wochenarbeitszeit, also einen Tag länger, einen Tag kürzer arbeiten", sagte er.

Eine solche Lösung würde Arbeitgebern die Möglichkeit geben, die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter individuell an das aktuelle Arbeitsaufkommen anzupassen. Arbeitnehmer hätten die rechtliche Möglichkeit, ihre Arbeitszeit individuell nach eigenen Wünschen zu gestalten, sofern es Arbeitgeber und Art der Tätigkeit zulassen. Eine Befragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ergab, dass sich genau das viele Berufstätige wünschen: Mehr Einfluss auf Urlaub, spontan ein paar Stunden freinehmen, den Arbeitsbeginn und das Arbeitsende individuell gestalten. Was die Studie jedoch auch zeigte: In der Realität klaffen Wünsche und Realität weit auseinander. Meist scheitert eine flexible Arbeitszeitgestaltung an der Zustimmung des Arbeitgebers.

Bundesregierung prüft Maßnahmen

Im Koalitionsvertrag hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Konkret heißt es in dem Papier, man wolle "über eine Tariföffnungsklausel im Arbeitszeitgesetz Experimentierräume für tarifgebundene Unternehmen schaffen, um eine Öffnung für mehr selbstbestimmte Arbeitszeit der Arbeitnehmer und mehr betriebliche Flexibilität in der zunehmen digitalen Arbeitswelt zu erproben". fre

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