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Arbeitsrecht Arbeiten nach Feierabend: Was bei Zweitjobs gilt

Fast jeder zehnte Arbeitnehmer hierzulande hat einen Nebenjob. Dagegen kann der Hauptarbeitgeber erstmal nichts machen. Allerdings gilt es, einige Regeln zu beachten

Wenn sich die meisten Deutschen in den Feierabend verabschieden, beginnt für rund 8,5 Prozent der Arbeitnehmer die "zweite Schicht": Sie verdienen sich mit einem Zweitjob den einen oder anderen Euro hinzu. Ob auf dem Bau oder als Kassierer an der Tankstelle: Längst sind es nicht mehr nur Schüler oder Studenten, die einer Nebentätigkeit nachgehen.

"Grundsätzlich gilt, dass jeder neben seinem Hauptberuf auch noch einer Nebentätigkeit nachgehen darf", sagt Matthias Jacobs, Professor für Arbeitsrecht an der Bucerius Law School (BLS) in Hamburg. Das ist schon durch das Grundgesetz garantiert: In Artikel 12 ist die Berufsfreiheit festgeschrieben – und diese Freiheit gilt auch für die Annahme eines Nebenjobs.

Der Arbeitnehmer sei nicht dazu verpflichtet, seine gesamte Arbeitskraft nur einem Arbeitgeber zur Verfügung zu stellen, erläutert Jacobs. Gegenüber seinem Hauptarbeitgeber sei er nur zur Verrichtung der im Arbeitsvertrag festgelegten Arbeitszeit verpflichtet. Außerhalb dieser Arbeitszeit sind Arbeitnehmer prinzipiell frei, ihre Arbeitskraft auch anderweitig anzubieten – solange sie sich an bestimmte Regeln halten. Denn gesetzliche wie auch betriebliche Vorgaben schränken die Möglichkeiten eines Zusatzerwerbs ein.

Wochenarbeitszeit und Ruhezeiten

Das Arbeitszeitgesetz erlaubt Arbeitnehmern eine Tagesarbeitszeit von maximal acht Stunden. Unter Berücksichtigung des Samstags ergibt sich daraus eine wöchentliche Arbeitszeit von bis zu 48 Stunden. Vorübergehend ist sogar ein Zehn-Stunden-Tag und damit eine 60-Stunden-Woche erlaubt, sofern diese Verlängerung innerhalb eines Ausgleichszeitraums von 6 Monaten oder 24 Wochen auf durchschnittlich 8 Stunden ausgeglichen wird. Dabei werden die Arbeitszeiten bei mehreren Arbeitgebern zusammengerechnet. "Den Arbeitgeber trifft die Pflicht die Einhaltung der Höchstarbeitszeit zu überwachen", sagt Arbeitsrechts-Professor Jacobs. "Daher hat er das Recht, solche Nebentätigkeiten zu verbieten, die zu einer Überschreitung der Höchstarbeitszeit führen."

Nach Beendigung ihres Arbeitstages müssen Arbeitnehmer eine gesetzliche Ruhezeit von elf Stunden einhalten, bevor sie wieder arbeiten dürfen. Dabei zählt nicht der Feierabend des Hauptarbeitsverhältnisses, sondern das Ende sämtlicher beruflicher Tätigkeiten. Wer seinen also seinen Arbeitstag morgens um 8.00 Uhr beginnt, muss spätestens um 21.00 Uhr auch seine nach Dienstschluss ausgeübte Nebentätigkeit beenden, um die gesetzliche Ruhezeit einzuhalten.

Urlaub und Krankheit

Auch hinsichtlich ihres Urlaubs müssen Arbeitnehmer, die einem Nebenerwerb nachgehen, aufpassen. Denn der Urlaub ist zur Erholung gedacht – und nicht, um sich endlich intensiv dem Zweitjob widmen zu können. Das schreibt das Bundesurlaubsgesetz vor.

Grundsätzlich sind Tätigkeiten, die ein Arbeitnehmer während des Arbeitsverhältnisses z.B. in einer Nebenbeschäftigung ausübt, während des Urlaubs nicht nach § 8 Bundesurlausgesetz verboten. Jedoch widerspricht eine Erwerbstätigkeit dem Urlaubszweck, wenn sie die für die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses notwendige Auffrischung der Arbeitskräfte des Arbeitnehmers verhindert. Dies ist nach den Umständen des Einzelfalls zu beurteilen.

Wer z. B. nebenberuflich auf einer Baustelle jobbt, wird schwer argumentieren können, dass das den Zweck des Urlaubs erfüllt. Eine laufende Feierabend- oder Wochenendbeschäftigung muss jedoch während der Urlaubszeit nicht unterbrochen werden. Denn der Arbeitnehmer ist nicht dazu verpflichtet, auch für seine Nebentätigkeit Urlaub zu nehmen. Bedingung: er hat diese zuvor bereits über eine längere Zeitspanne ausgeübt.

Eine Krankschreibung gilt für den Haupt- wie für den Nebenjob gleichermaßen: Wer krankgeschrieben dem Hauptjob fernbleibt, zugleich aber nebenberuflich arbeitet, bewegt sich auf dünnem Eis und riskiert im Extremfall die Kündigung. "Aber nicht jede Nebentätigkeit ist während einer Krankheit untersagt", schränkt BLS-Professor Jacobs ein.

Es ist eine Frage des Einzelfalls – und es kommt darauf an, welche Art der Erkrankung vorliegt und welche Art der Nebentätigkeit ausgeübt wird. "Untersagt sind nur solche Beschäftigungen, die der Genesung des Arbeitnehmers abträglich sind, indem sie dessen Heilungsprozess verzögern", erklärt Jacobs. Das sei vor allem bei Nebentätigkeiten anzunehmen, die in der körperlichen Belastung mit der Haupttätigkeit vergleichbar sind.

Wettbewerbsverbot und Arbeitsvertrag

Wenn berechtigte Interessen des Arbeitgebers bedroht sind, ist die Ausübung eines Nebenjobs unzulässig. Wer nach Feierabend für die Konkurrenz arbeitet, verletzt das Wettbewerbsverbot – und riskiert Abmahnung, Kündigung und womöglich Schadensersatzansprüche. Auch darf die Leistungsfähigkeit des Arbeitnehmers im Hauptberuf nicht durch den Nebenjob beeinträchtigt werden.

Zwar müssen Nebentätigkeiten dem Arbeitgeber grundsätzlich nur dann angezeigt werden, wenn Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder eine entsprechende Betriebsvereinbarung eine entsprechende Klausel enthalten.

Doch um sicher zu gehen, dass der Zweitverdienst den eigentlichen Broterwerb nicht gefährdet, sollte man seinen Arbeitgeber immer über Nebenbeschäftigungen informieren. "Die Regelungen sind oft Auslegungssache und von Fall zu Fall unterschiedlich zu bewerten", heißt es bei der D.A.S.-Rechtsschutzversicherung. Aber wenn der Arbeitnehmer alle gesetzlichen und vertraglichen Vorgaben befolgt und keine Beeinträchtigung seiner Hauptbeschäftigung vorliegt, steht einem Zweitjob nichts entgegen.

Auch Minijobs sind vollwertige Arbeitsverhältnisse

Eine in der Arbeitswelt weit verbreitete Annahme ist, dass sogenannte Minijobs keine vollwertigen Arbeitsverhältnisse seien. Doch das ist ein Irrtum: Minijobs sind geringfügige Beschäftigungsverhältnisse, bei denen die monatliche Verdienstgrenze von 450 Euro nicht überschritten wird. "Sie sind aber vollwertige Arbeitsverhältnisse mit allen arbeitsrechtlichen Rechten und Pflichten", betont Arbeitsrechts-Professor Matthias Jacobs. Die Besonderheiten liegen alleine im sozialversicherungsrechtlichen Bereich. czy

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