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Sicheres Arbeiten am Dach Arbeiten auf Flachdächern: Wie Stürze vermieden werden

Flachdächer sind praktisch: Auf der zusätzlichen Fläche finden oft Solar- und Photovoltaikanlagen einen Platz. Bei Inspektionen oder Wartungen kommt es immer wieder zu Unfällen. Wie Handwerker vorbeugen können.

Ob Fabrikgebäude, Lagerhalle oder Wohnbungalow – auf vielen Flachdächern werden Solar- und Photovoltaikanlagen oder Dachgärten installiert. Damit diese Anlagen reibungslos funktionieren, ist regelmäßiges Warten Pflicht. Immer wieder stürzen Personen ab oder brechen ein. Laut einer Statistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung war 2017 rund ein Drittel der tödlichen Absturzunfälle auf Dacharbeiten zurückzuführen. "Die Folge sind meist schwere, teilweise tödliche Verletzungen, mit einem langen Leidensweg für die Versicherten und deren Angehörige", sagt Stephan Mrosek, Experte für hochgelegene Arbeitsplätze bei der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM).

Auf Flachdächern kommt es vermehrt zu Unfällen

Flachdächer sind Dächer, mit einem Neigungswinkel von maximal 22,5 Grad. Durch die geringe Neigung fällt es leichter sich auf dem Dach zu bewegen, was dazu führt, dass dort im Vergleich zu anderen Dachformen häufiger Personen unterwegs sind. In Kombination mit nicht tragfähigen Bauteilen kommt es auf Flachdächern vermehrt zu Unfällen. Elemente wie Faserzement-Wellplatten oder Lichtkuppeln und -platten aus Kunststoff tragen das Gewicht von Personen nicht. Tritt ein Arbeiter darauf, bricht er durch. Aber auch Abstürze vom Rand des Daches kommen vor.

Die häufigsten Unfälle auf Flachdächern

  • Absturz von der Dachkante durch nicht benutzte Auffangsysteme
  • Absturz durch nicht gesicherte Dachöffnungen
  • Absturz durch Verwendung ungeeigneter Anschlagpunkte
  • Verletzungen durch Pendelbewegungen nach einem Sturz in das Auffangsystem
  • Verletzungen durch ein ungeeignetes/fehlerhaftes/beschädigtes Auffangsystem
  • Verletzungen durch einen falsch angelegten Auffanggurt
  • Verletzungen und/oder Gesundheitsschäden durch Hängen im Auffangsystem

Welche Sicherungsmöglichkeiten gibt es? 

Die Schutzmaßnahmen für das Arbeiten auf Flachdächern unterscheiden sich generell nicht von denen auf anderen Dächern. Wichtig sind laut Mrosek ein sicherer Zugang zum Dach, sichere Wege auf dem Dach und ein sicherer Arbeitsplatz.

"Die einfachste und effektivste Lösung um sich vor Abstürzen zu schützen, sind Geländer oder ausreichend hohe Brüstungen", erklärt Stephan Mrosek. Für Lichtkuppeln und Lichtbänder eignen sich vollflächige Überdeckungen, in Form von Gittern oder gelochten Blechen.

In Öffnungen schützen Unterspannungen. Dabei werden Metallgitter montiert, die das Durchstürzen verhindern.

Lassen sich technische oder bauliche Schutzmaßnahmen nicht umsetzen, sollten Betroffene laut Mrosek eine persönliche Schutzausrüstung verwenden. Diese schützt vor einem Absturz, ist allerdings mit einem erheblichen organisatorischen Mehraufwand verbunden.

Hier gibt es zwei verschiedene Varianten: Rückhalte- und Auffangsysteme. Bei Rückhaltesystemen hat der Arbeiter nur einen begrenzten Radius. Er wird mit einem Seil gesichert und kann nur bis zur Absturzkante herantreten. Die zweite Möglichkeit sind Auffangsysteme. Bei diesen wird beispielsweise ein Auffangnetz montiert. Dieses System erfordert zusätzlich ein funktionierendes Rettungskonzept. Für den Experten sind deshalb Rückhaltesysteme, die bessere Alternative. dhz

5 Schritte für sicheres Arbeiten auf dem Flachdach:

Die Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie empfiehlt vor Arbeiten auf Dächern, insbesondere Flachdächern, folgende fünf Schritte zu beachten.

1. Analyse

In einem ersten Schritt sollten mögliche Gefahrenquellen und Gefährdungen ermittelt werden. Mögliche Gefahrenbereiche, wie ungesicherte Dachkanten oder Dachkuppeln, werden dabei wertfrei aufgeschrieben.

2. Beurteilung

Als nächstes werden die Gefahrenquellen beurteilt. Zum Beispiel: Es besteht Absturzgefahr, da sich die Arbeiter im Bereich der ungesicherten Dachkante aufhalten müssen. Wegen der Dachhöhe ist bei einem Absturz mit schweren oder tödlichen Verletzungen zu rechnen.  

3. Schutzziele setzen

Sind mögliche Gefahrenquellen ausgemacht, sollten im nächsten Schritt Sicherheitsstandards definiert werden. Oberstes Ziel sollte sein, dass die Arbeiter nicht abstürzen. Sollte es dennoch zu einem Absturz kommen, sollen die Mitarbeiter sich nicht verletzen oder Gesundheitsschäden davontragen.

4. Entwicklung von Lösungsalternativen

Nachdem die Schutzziele festgelegt wurden, gilt es Lösungen für diese zu finden. Bei Flachdacharbeiten in Frage kommen technische Lösungen (T), organisatorische Lösungen (O) oder persönliches Absturzschutzsystem (P). Technische Lösungen sind organisatorischen Lösungen oder Absturzsystemen vorzuziehen. Zu den technischen Maßnahmen zählen z.B. die Einrüstung des Gebäudes oder das Montieren von Geländer vor der Dachkante. Passende Lösungen sollten schriftlich festgehalten werden.

5. Auswahl der Lösung

Im letzten Schritt müssen die möglichen Lösungen bewertet und eine Entscheidung getroffen werden. Sind die Arbeiten nur von kurzer Dauer, lohnt sich ein Gerüst oder die Beauftragung einer Fachfirma nicht. Dasselbe gilt auch für den Bau eines Geländers. In diesen Fällen wäre also der Einsatz eines Auffangsystems angemessen und geeignet.

Quelle: Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie

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