Meinung -

Leitartikel "Arbeiten 4.0"

Wie wird die Digitalisierung das Arbeiten im Handwerk beeinflussen?

Bundesarbeitsministerin Nahles hat das Weißbuch "Arbeiten 4.0" vorgelegt. Es ist eine gute Zusammenstellung des aktuellen Stands der Digitalisierung und der Herausforderungen, die diese mit sich bringt. Das Weißbuch ist ein weiterer Baustein der digitalen Agenda der Bundesregierung. Es ist zu begrüßen, dass neben "Industrie 4.0“ – die übrigens besser "Wirtschaft 4.0“ heißen sollte – auch das Thema "Arbeiten 4.0“ in den Fokus rückt. Denn man darf sich nichts vormachen: Die Digitalisierung wirbelt vieles durcheinander. Pessimisten unterstellen, dass zunehmend weniger Arbeit für Menschen bleibt, weil diese durch Computer und Roboter erledigt werden kann. Vertreter dieser Position fordern dann ein Grundeinkommen für alle. Optimisten sagen, dass der technische Fortschritt auch künftig genügend Raum für den Menschen lässt. Auch im Handwerk?

Unternehmer und Arbeitgeber müssen rechtzeitig fit gemacht werden

In dem Weißbuch heißt es zwar: "In der handwerklichen Praxis wird trotz Digitalisierung die Präsenz der Arbeitnehmer beim Kunden beziehungsweise am Ort der Werkserbringung weiterhin elementarer Bestandteil der Leistungserbringung sein.“ Das mag schon sein. Aber auch in dieser Hinsicht wird sich einiges ändern. Installierte Geräte produzieren schon heute – und in Zukunft noch deutlich mehr – Daten. Ob nun beispielsweise bei einer Heizung die Hersteller oder die Installateure den Zugriff auf diese Daten haben, wird über die Geschäftsmodelle der Zukunft entscheiden. Das wird auch die Arbeitsbedingungen beeinflussen.

Verhängnisvoll wäre es, die Vorbereitung auf den Wandel der Wirtschaft aufzuschieben.

Für den wirtschaftlichen Erfolg des Handwerks in einer digitalisierten Wirtschaft wird entscheidend sein, dass sowohl Unternehmer wie auch Arbeitgeber fit dafür sind beziehungsweise rechtzeitig fit dafür gemacht werden. Verhängnisvoll wäre es, die Vorbereitung auf den Wandel der Wirtschaft aufzuschieben, weil es den Betrieben derzeit wirtschaftlich so gut geht. Das könnte sich sehr schnell rächen.

Betriebe brauchen berufliche Aus- und Fortbildungen

Die Betriebe brauchen dafür jedoch auch die entsprechenden Angebote. Die berufliche Aus- sowie Fort- und Weiterbildung müssen rasch auf die neuen Anforderungen eingehen. Allerdings wird noch intensiv zu diskutieren sein, ob dafür ein pauschales Recht auf Weiterbildung die richtige Antwort ist. Zur Berufsausbildung in Zeiten der Digitalisierung ist zu bemerken, dass auch hier unser duales System seine Stärken beweisen wird und kann. Berufe und Tätigkeiten dürften sich allerdings rascher und umfassender als bisher ändern. Ändern wird sich ferner die Art und Weise der Leistungserbringung. Die Menschen werden deutlich öfter zwischen dem Status Arbeitnehmer und Selbstständiger wechseln. Teilweise werden die Grenzen fließend sein. So ist es richtig, dass die Rentenversicherungspflicht künftig für alle Selbstständigen gelten soll. Zu hinterfragen ist ferner, ob das jetzige Arbeitszeitgesetz für "Arbeiten 4.0“ die richtigen Antworten bietet.

Staat und Handwerksorganisationen sind gefordert

Es geht nicht um eine Ausdehnung der Arbeitszeit, sondern um deren Flexibilisierung, um den zeitlichen und räumlichen Anforderungen Rechnung tragen zu können. Handwerksbetriebe haben sich darauf vorzubereiten, dass neue Geschäftsmodelle entstehen. Digitale Plattformen werden dabei eine wichtige Rolle spielen. Damit die Betriebe diesen Sprung schaffen, sind auch Staat und Handwerksorganisationen gefordert: Der Staat durch geeignete Rahmenbedingungen, die Handwerksorganisationen durch intensive Beratung. Mit Schaffung des Kompetenzzentrums Digitales Handwerk wurde dazu bereits ein wichtiger Schritt getan.

lothar.semper@holzmann-medien.de

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