Gesundheit -

Vorsorgemaßnahmen Antworten auf Alltagsfragen zum Coronavirus

Neue Infektionen, geschlossene Kitas, eine steigende Nachfrage nach Atemmasken: Die Sorge vor dem Coronavirus Sars-CoV-2 ist im Alltag der Deutschen angekommen. Was können Einzelne nun tun und wie wirkt sich das Virus auf die Wirtschaft aus?

Die neuen Fälle von Ansteckungen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 sorgen für Verunsicherung - und für viele praktische Fragen zum Alltag in Deutschland. Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus beeinfluss aber auch viele Wirtschaftsbereiche und zwingt Unternehmen rund um den Globus zum Handeln. Teils wirkt sich die Epidemie bereits jetzt auf Geschäfte aus. Eine Übersicht mit wichtigen Fragen und Antworten

1. Welche Symptome werden durch das Coronavirus ausgelöst?

Anzeichen einer möglichen Infektion sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) Beschwerden wie Husten und Schnupfen, Halskratzen und Fieber, manchmal auch Durchfall. Damit ist es für Laien aber unmöglich, die durch den Virus ausgelöste Krankheit Covid-19 von der regulären Grippe oder grippalen Infekten zu unterscheiden, sagt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen.

2. Was sollte ich machen, wenn ich befürchte mich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben?

Wer Kontakt zu bereits Infizierten hatte, sollte sich unabhängig vom Auftreten von Symptomen bei seinem Gesundheitsamt melden. Gleiches gilt für Reisende aus Risikogebieten, bei denen Symptome auftreten. Alle anderen Menschen wenden sich bei möglichen Symptomen an das Amt oder den Hausarzt, der bei Verdacht auf Sars-CoV-2 eine Untersuchung im Labor veranlassen kann. Allerdings sollten Betroffene vor dem Gang in die Praxis unbedingt dort anrufen. Dieses Vorgehen empfiehlt Witzke, wenn möglich, auch bei einem Verdacht auf Grippe. Denn auch da ist die Gefahr groß, andere Patienten im Wartezimmer anzustecken.

Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte unnötige Kontakte meiden, nicht zur Arbeit gehen und zu Hause bleiben - auch das ist wie bei der Grippe. Wichtig sind eine gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife, ein bis zwei Meter Sicherheitsabstand zu kranken Menschen und richtiges Husten und Niesen. Das heißt: In die Armbeuge. Atemmasken sind für Gesunde unnötig. Auch ständiges Desinfizieren der Hände ist laut Witzke überflüssig.

2. Darf ich zu Hause bleiben, wenn die Kita oder Schule meiner Kinder geschlossen ist?

Wenn Kindergärten und Schulen als Vorsichtsmaßnahme geschlossen sind, wie es am Mittwoch in Teilen von Nordrhein-Westfalen der Fall war, können Arbeitnehmer im Notfall für die Kinderbetreuung zu Hause bleiben. Ob sie dann auch weiter ihr Gehalt bekommen, hängt aber davon ab, ob wirklich keine andere Betreuung möglich war, erklärt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht aus Köln . Denn Paragraf 616 im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) besagt, dass, wer ohne eigenes Verschulden und aus einem persönlichen Grund verhindert ist und nicht zur Arbeit kommen kann, trotzdem weiter Gehalt bekommt. 

Die erste Maßnahme sollte in einem solchen Fall aber immer sein, mit dem Arbeitgeber gemeinsam eine Lösung zu finden - etwa Überstunden abzubauen, im Homeoffice zu arbeiten oder Urlaub zu nehmen.

3. Was passiert, wenn ich auf Reisen unter Quarantäne gestellt bin?

Wer zum Beispiel in einem Hotel über den geplanten Zeitraum hinaus unter Quarantäne gestellt wird, wie das jetzt auf der Kanareninsel Teneriffa geschehen ist, kann nicht zur Arbeit kommen. In einem solchen Fall habe man als Arbeitnehmer Anspruch auf Entschädigung, sagt Oberthür: Der Arbeitgeber muss also weiterhin das Gehalt zahlen.

4. Was sollte ich nun auf dem Aktienmarkt beachten?

Die Sorge vor Auswirkungen auf die Weltwirtschaft belastet auch die Aktienmärkte. Geldanleger sollten nun aber nicht vorschnell handeln. Die Stimmung an den Börsen sei derzeit vor allem von Unsicherheit geprägt - "und die Börsen hassen Unsicherheit", sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). In einigen Branchen seien die Auswirkungen auch zu spüren, zum Beispiel im Tourismus oder in der Autoindustrie. Ob all das zu einer Rezession führen wird, sei unklar. Anleger müssten also nicht in Panik geraten, rät Kurz. "Das gilt vor allem, wenn Sie langfristig orientiert sind".

Auch jetzt Aktien nachzukaufen, ist aus Sicht des Experten mit Risiken verbunden: "Niemand kann sagen, wie weit die Kurse noch nachgeben. Market-Timing ist auch für Profis kaum möglich."

5. Sollte ich noch nach Italien in Urlaub fahren?

Italiens Norden ist weiterhin so stark wie keine andere Region in Europa von Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus betroffen. Individualreisende dürften sich vor allem mit der Frage beschäftigen, was sie dort noch machen wollen. Viele Sehenswürdigkeiten zum Beispiel in Mailand und Venedig sind derzeit vorsorglich geschlossen. 

Für Reiseveranstalter spielt Italien eine geringere Rolle als andere Mittelmeerländer wie Spanien oder Griechenland. Zu Umbuchungen und Stornos von pauschal gebuchten Urlauben kommt es daher bislang nicht im großen Stil - und sie werden auch nur eingeschränkt angeboten.

Die DER Touristik etwa bietet ausschließlich Mailand-Gästen mit Anreisen bis zum 28. Februar aus Kulanz kostenlose Umbuchungen und Stornierungen an. Alle anderen Regionen Italiens seien problemlos zu bereisen, so eine DER-Sprecherin. Auch der Studienreisen-Spezialist Studiosus erklärt auf seiner Website, es bestehe "derzeit kein Recht auf kostenlose Umbuchung oder Stornierung unserer Italienreisen".

6. Welche Maßnahmen werden in der Tourismusbranche getroffen?

TUI: Der weltgrößte Reisekonzern hat seine Vorsorge verschärft. Alle Tui-Gesellschaften - einschließlich Kreuzfahrten, Flüge und Hotels - befolgten "etablierte Verfahren zur Verhinderung von Infektionen", hieß es. Außerdem seien Hygienemaßnahmen erhöht worden. Für das abgeriegelte Hotel auf Teneriffa habe Tui Deutschland für alle Anreisen bis 13. März einen Buchungsstopp verhängt. Auch für Reisen nach China gelte ein Buchungsstopp.

Lufthansa: Der Konzern hat ein Programm zur Kostensenkung gestartet. Geplante Neueinstellungen werden überprüft, ausgesetzt oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Darüber hinaus sollen die Mitarbeiter zu unbezahltem Urlaub und geringeren Arbeitsvolumen in Teilzeit bewegt werden. Die Lufthansa Group hat bis Ende März sämtliche Passagierflüge zum chinesischen Festland gestrichen. Auch für Verbindungen nach Hongkong kündigte der Konzern wegen der schwachen Nachfrage weitere Streichungen an.

KLM: Auch die niederländische Fluggesellschaft hat wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus Sparmaßnahmen angekündigt. Investitionen würden vorerst gestoppt, es werde ein vorläufiger Einstellungsstopp verhängt, berichteten niederländische Medien am Mittwoch. Mitarbeiter seien aufgefordert worden, wenn möglich jetzt ihre Urlaubstage zu nehmen. Ein KLM-Sprecher sprach von "Vorsorgemaßnahmen".

7. Welche Maßnahmen werden in der Medizinbranche getroffen?

Desinfektionsmittel: Hygiene- und Medizinartikelhersteller fahren Sonderschichten. Die Nachfrage nach Masken oder Produkten zum Desinfizieren sei gestiegen, hieß es beim Hersteller Paul Hartmann. Die Hartmann-Tochter Bode Chemie produziert das Desinfektionsmittel Sterillium, das in Krankenhäusern und Arztpraxen zur Desinfektion der Hände zum Einsatz kommt. Bei Bode werde nun auch am Wochenende gearbeitet. Beim Hersteller von Sagrotan, der RB Hygiene Home Deutschland, spricht man von exponentieller Nachfrage-Zunahme.

Fresenius Helios: Deutschlands größter privater Klinikbetreiber rüstet sich für Erkrankte mit dem Coronavirus. Das Krankenhauspersonal sei mit Schulungen und regelmäßigen Informationen "auf den Umgang mit an Covid-19 erkrankten Patienten vorbereitet", teilte das Unternehmen mit. Auch habe man ein internes Ablaufschema für die Versorgung von Verdachtsfällen entwickelt. Generell können alle Kliniken, die Patienten mit Influenza aufnehmen, auch Patienten mit einer Corona-Erkrankung behandeln.

Schutzmasken: Hersteller und Apotheken verzeichnen einen Ansturm auf Schutzmasken. Für die Menschen in Deutschland sei es aber nicht nötig, im Alltag Atemmasken zu tragen, hieß es beim Apothekerverband ABDA. Auch der Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels (PHAGRO) hatte berichtet, es gebe erhebliche und umfängliche Lieferengpässe. Beim Masken-Hersteller Dräger hieß es: "Unsere Produktionskapazitäten für leichten Atemschutz sind voll ausgelastet und können kurzfristig nicht weiter erhöht werden."

Wucherpreise: Die hohe Nachfrage nach Mundschutz- oder OP-Masken führt vereinzelt zu extremen Preissprüngen. Ein Händler etwa bot bei Amazon eine Box mit 50 Gesichtsmasken für 95,90 Euro an. Versandapotheken hatten das gleiche Produkt vor kurzem noch für 3,95 Euro im Angebot gehabt - jetzt ist es ausverkauft. Dem US-Internetmagazin "Wired" zufolge hat Amazon einige überteuerte Angebote bereits von seinen Seiten entfernt.

8. Wie wirkt sich der Coronavirus auf die Lebensmittelbranche aus?

Lebensmittelhändler: Große Lebensmittelhändler registrieren bisher in Deutschland noch keine auffälligen Hamsterkäufe. Eine Rewe-Sprecherin sagte, weder bei Rewe noch bei der konzerneigenen Discounterkette Penny seien bisher "auffällige Nachfrageverstärkungen" festzustellen. Das gleiche berichtete Aldi Süd. Bei der SB-Warenhauskette Real hieß es: "Wir spüren absolut noch gar nichts." Lidl bemerkte "bei einigen Trockenartikeln und Konserven einen erhöhten Abverkauf".

Diageo: Der Spirituosenkonzern (Smirnoff Wodka, Zacapa Rum, Johnnie Walker Whisky) rechnet mit erheblichen Auswirkungen auf das laufende Geschäft. Der organische Nettoumsatz im Geschäftsjahr 2019/20 (bis Ende Juni) dürfte wegen des Virus zwischen 225 und 325 Millionen Pfund (268,68 bis 388,08 Mio Euro) geringer ausfallen. Viele Bars und Restaurants in China seien geschlossen, was zu einem erheblichen Einbruch im Geschäft führe. Andere Spirituosenhersteller wie Pernod Ricard und Remy Cointreau hatten ihre Prognosen bereits gekürzt.

Beck's-Brauer AB Inbev: Der weltgrößte Bierbrauer AB Inbev rechnet wegen des Coronavirus mit einem Gewinneinbruch im ersten Quartal. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in den ersten drei Monaten werde um rund zehn Prozent sinken, teilte der Brauer bekannter Marken wie Beck's, Budweiser, Corona und Stella Artois am Donnerstag in Leuven mit. Im ersten Quartal des Vorjahres hatte AB Inbev operativ etwas mehr als fünf Milliarden Dollar verdient. AB Inbev bezifferte auch die bisherige Belastung durch den Ausbruch des neuartigen Coronavirus. In den ersten beiden Monaten drückten die Folgen des Virus demnach das Ergebnis um 170 Millionen Dollar.

Danone: Der französische Lebensmittelkonzern stutzt seine Jahresziele für 2020. Bisher war das Management für das laufende Jahr von einem flächenbereinigten Umsatzwachstum von 4 bis 5 Prozent ausgegangen. Nun sollen es 2 bis 4 Prozent werden. In China hat die Ausbreitung des neuartigen Virus bereits auf die Umsätze im Wassergeschäft sowie im Geschäft mit Babynahrung gedrückt.

9. Welche Vorkehrungen werden bei Messeveranstaltern getroffen?

ITB: Die weltgrößte Tourismusmesse ITB (4. bis 8. März) verschärft auf Anweisung der Gesundheitsbehörden die Vorgaben. Aussteller, die innerhalb der vergangenen 14 Tage in den jeweiligen Risikogebieten in China, Iran, Italien oder Südkorea waren, Kontakt zu einer infizierten Person hatten oder Anzeichen typischer Symptome wie Fieber, Husten oder Atembeschwerden haben, erhalten keinen Zutritt zum Messegelände. Alle Aussteller müssten eine Erklärung ausfüllen als Voraussetzung für den Zugang. Wer zur Risikogruppe gehöre oder sich weigere, die Erklärung auszufüllen, erhalte keinen Zutritt.

Reifenmesse: Die Veranstalter der Reifenmesse Tire Technology Expo in Hannover haben strenge Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Besucher oder Mitarbeiter, die in die Halle wollten, müssten schriftlich bestätigen, in den 17 Tagen vor ihrer Ankunft nicht in China gewesen zu sein. Auch müssten sie bestätigen, keine Grippe oder Lungenentzündung zu haben und kein Träger des neuen Coronavirus zu sein. Beim Einlass werde bei jedem Besucher per elektronischem Screening zudem die Temperatur gemessen.

Weitere Messen: Die für Anfang März geplante Eisenwarenmesse in Köln soll nun im Februar 2021 stattfinden. Nach Angaben der Kölner Messe vom Dienstag hatten zuvor Aussteller abgesagt. Auch in Frankfurt entschied man sich, die zunächst vom 8. bis zum 13. März geplante Messe für Licht und Gebäudetechnik Light + Building zu verschieben. Die Veranstalter der Hannover Messe wollen sich mit der Entscheidung über eine mögliche Verschiebung der weltgrößten Industrieschau (20. bis 24. April) noch Zeit lassen. dpa

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