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WHO empfiehlt bewussteren Umgang mit Medikamenten Antibiotikaresistenz: Ein selbst gemachtes Problem

Husten, Schnupfen, Halsweh: Die Erkältungswelle rollt an. Viele Menschen glauben, sie könnten die Erreger mit Antibiotika in Schach halten. Doch tun sie ihrer Gesundheit damit nichts Gutes. Im Gegenteil. Die übertriebene oder falsche Einnahme von Antibiotika lässt weltweit immer mehr resistente Erreger entstehen, warnt die Weltgesundheitsorganisation. Wie jeder Einzelne dieser Gefahr etwas entgegensetzen kann.

Immer mehr Bakterien sind antibiotikaresistent. Das bedeutet: Erkrankt ein Mensch an einem solchen Bakterium, wirkt kein Antibiotikum mehr gegen die Krankheit. Die Ärzte haben keine Medikamente mehr zur Verfügung, um den Erreger abzutöten. Im schlimmsten Fall sterben die Patienten an Krankheiten, die bisher gut behandelbar waren.

Jedes Jahr sterben allein in den Ländern der Europäischen Union 25.000 Menschen, weil sie sich im Krankenhaus oder einer anderen Gesundheitseinrichtung mit resistenten Bakterien infiziert haben, rechnet die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Vom 16. bis 22. November hat die WHO deswegen zur "Weltantibiotikawoche" unter dem Motto "Vorsicht beim Umgang mit Antibiotika" aufgerufen.

Antibiotikaresistenzen selbst gemacht

Die Resistenzen sind vom Menschen selbst gemacht. Seit ihrer Entdeckung vor über 70 Jahren sind Antibiotika die wichtigste Waffe bei der Behandlung bakterieller Infektionen.

Doch viel zu häufig verschreiben Ärzte sie im Übermaß. Zudem nehmen Patienten die Medikamente oft nicht korrekt ein. Menge und Dauer der Einnahme müssen ganz genau eingehalten werden. Wer das Medikament vorzeitig absetzt, weil er sich bereits besser fühlt, provoziert Resistenzen.

Auch der Einsatz in der Viehzucht vergrößert das Problem. Konventionelle Viehzüchter geben ihren Tieren nicht nur reichlich Antibiotika gegen Krankheiten. Die Medikamente sollen regelmäßig auch das Wachstum der Tiere fördern.

Selbst in der Umwelt, beispielsweise in der Wasserversorgung, wurden schon Antibiotika gefunden, informiert die WHO.

Je mehr Antibiotika ohne Not gegeben werden, um so größer ist das Risiko, dass sich die Bakterien anpassen und der Wirkstoff ihnen nichts mehr anhaben kann.

Resistenzen sind übertragbar. Sie können von Mensch zu Mensch, von Mensch zu Tier, von Tier zu Mensch und über die Umwelt übergehen, warnt die WHO.

Kaum neue Antibiotika in Sicht

Eine aktuelle Umfrage der WHO unter 10.000 Menschen in zwölf verschiedenen Ländern zeigt, dass zwar zwei Drittel um die Problematik der Antibiotikaresistenzen wissen. Dennoch bestehen noch viele gravierende Irrtümer. So glauben drei Viertel der Befragten, Antibiotikaresistenz bedeute, der Körper werde resistent gegen die Antibiotika. Tatsächlich sind es die Bakterien, die gegen Antibiotika resistent werden. Damit handelt es sich nicht mehr um das Problem des einzelnen Körpers, sondern um das von allen.

64 Prozent der Befragten denken fälschlicherweise, sie könnten Antibiotika gegen Erkältungen und Grippe einsetzen. Doch wirken Antibiotika ausschließlich bei bakteriellen Infektionen. Bei viralen Infektionen und damit bei fast allen Erkältungskrankheiten, sind Antibiotika wirkungslos.

Fast ein Drittel der Umfrageteilnehmer war der Meinung, es sei richtig, die Antibiotika abzusetzen, sobald sie sich besser fühlten. Tatsächlich ist es wichtig, Antibiotika über die volle Dauer einer Behandlung einzunehmen, um alle Bakterien abzutöten und ein Überleben gerade der widerstandsfähigsten Keime zu verhindern.

Neue Antibiotika zu entwickeln, ist aufwändig. "Die Erforschung neuer Antibiotika geht nur langsam voran, und es ist entscheidend, dass wir uns die Fähigkeit zur Behandlung von Infektionskrankheiten erhalten", erklärt Danilo Lo Fo Wong, Leiter des Programms für Antibiotikaresistenz beim WHO-Regionalbüro für Europa." Deswegen sei es so wichtig, dass jeder Einzelne darauf achte, die Medikamente sinnvoll einzusetzen.

Die WHO-Kampagne

  • Kaufen Sie nie Antibiotika ohne ärztliche Verschreibung.
  • Verlangen Sie vom Arzt nicht bei jeder Infektion ein Antibiotikum. Viele Atemwegsinfektionen wie Erkältungen und Grippe werden von Viren verursacht. Antibiotika können nur bakterielle Infektionen heilen. Wenn sie also nicht zur Heilung Ihrer Krankheit beitragen, brauchen Sie sie nicht; möglicherweise werden Sie sogar anfälliger für künftige Infektionen.
  • Wenn Ihnen Antibiotika verschrieben werden, halten Sie sich genau an die Anweisungen des Arztes oder Apothekers. Führen Sie die verschriebene Behandlung auch dann bis zum Ende durch, wenn Sie sich bereits besser fühlen. Anderenfalls kann die Infektion erneut auftreten.
  • Nehmen Sie kein Medikament ein, das einer anderen Person oder aufgrund einer anderen Diagnose verschrieben wurde.
  • Schützen Sie sich vor Infektionen. Waschen Sie Ihre Hände regelmäßig und fordern Sie auch Ihre Familie und Ihre Kollegen dazu auf.
  • Eine andere wichtige Maßnahme ist die Vorbeugung gegen bestimmte bakterielle Infektionen durch Impfung. Landwirte sollten ihren Tieren nur bei Verschreibung Antibiotika verabreichen, nicht aber zur Wachstumsförderung, da sich dadurch bakterielle Resistenzen bilden können.
Die WHO hat ein Video zum sinnvollen Umgang mit Antibiotika erstellt.

Weitere Informationen stellt das Robert-Koch-Institut zur Verfügung.

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