Gesundheit -

Erhöhung ab 2016 Anstieg beim Zusatzbeitrag: Krankenkassen werden teurer

Ab 2016 steigen die Beiträge der Krankenkassen zum Teil deutlich. Die gestiegenen Kosten der Kassen werden auf die Versicherten umgelegt. Eine Sonderkündigung ist jedoch möglich.

Mann mit Gipsbein
2016 steigen die Beiträge der Krankenkassen. Am deutlichsten erhöhen die IKK Classic und die DAK die Beiträge. -

Inzwischen haben die zehn größten gesetzlichen Krankenkassen ihre Zusatzbeiträge für das kommende Jahr bekannt gegeben. Für Millionen Versicherte heißt das, dass die Krankenversicherung ab Januar 2016 teurer wird. Denn die Krankenkassenbeiträge steigen zum Teil deutlich. Spitzenreiter ist die DAK mit satten 16,1 Prozent. Ein Anstieg um 0,6 Prozentpunkte.

Doch auch ein großer Krankenversicherer im Handwerk, die IKK Classic, hat seinen Beitragssatz auf glatte 16 Prozent angehoben. Gegenüber 2015 ist dies - wie bei der DAK - eine Steigerung um 0,6 Prozent. Ein Grund für die Anhebung sei die anziehende Kostendynamik aufgrund der beschlossenen Leistungsgesetzte, sagte Pressesprecher Michael Förstermann. Die IKK-Classic ist mit 3,6 Millionen Versicherten die größte Innungskrankenkasse Deutschlands.

Preisunterschiede zwischen den Krankenkassen wachsen

Auch die anderen großen Krankenversicherer haben Beitragserhöhungen angekündigt. Die Argumentation der Krankenkassen: Die Gesundheitskosten steigen, und die Bürger müssen es bezahlen.

Die größte Versicherung, die Techniker Krankenkasse, erhöht ihren Beitrag um 0,2 Prozent auf 15,6 Prozent. Bei der Barmer GEK bezahlen die Kunden künftig eine Beitrag von 15,5 Prozent (+0,2 gegenüber 2015). Bei der AOK-Bayern beträgt der Satz im Jahr 2016 15,7 Prozent (+0,2). Die hkk (Handelskrankenkasse) ist nach eigenen Angaben 2016 erneut die günstigste Krankenkasse, die man bundesweit wählen kann. Ihr Beitrag liegt bei 15,2 Prozent.

Was kostet meine Krankenkasse 2016?

Die 5 größten Krankenkassen Zusatzbeitrag 2016 Beitragssatz 2016 Veränderung zu 2015
Techniker (TK) 1,0 Prozent 15,6 Prozent +0,2
Barmer GEK 1,1 15,7 +0,2
DAK 1,5 16,1 +0,6
AOK Bayern 1,1 15,7 +0,2
AOK Baden-Württemberg 1,0 15,6 +0,1

ausführliche Tabellen mit einer Auflistung aller Krankenkassen.

Kosten steigen rasant

Was sind die Gründe für die Beitragserhöhungen? Zunächst treiben bessere, aber auch teurere Medikamente und Medizingeräte sowie eine alternde Bevölkerung die Kosten für die Krankenkassen nach oben Aber auch die jüngsten Reformen der Bundesregierung - etwa zugunsten der Pflege in den Kliniken oder der Palliativversorgung – sind ein großer Kostenfaktor. "Seit der vergangenen Legislaturperiode hat es nur Gesetze gegeben, die mehr Geld kosten", sagt der Vorstandschef der Barmer GEK, Christoph Straub. Die gesetzliche Krankenversicherung werde 2016 mit 1,4 und 2017 mit drei Milliarden Euro zusätzlich belastet.

Bereits in diesem Jahr sind die Kosten für die Krankenkassen explodiert. In den ersten drei Quartalen 2015 wurde ein Defizit von 395 Millionen Euro eingefahren. Für die Ärzte gaben die Kassen vier Prozent je Versicherten mehr aus, für Arzneimittel 4,4 Prozent, für Klinikbehandlungen 3,1 und für das Krankengeld fünf Prozent mehr.

Versicherte müssen Reformen der Regierung über Zusatzbeitrag finanzieren

Die Grünen warfen Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zuletzt vor, seine Reformen müssten allein aus den Zusatzbeiträgen der Versicherten getragen werden. Bei der DAK steigt der Zusatzbeitrag von 0,9 auf 1,5 Prozent. Der Anteil des Beitragssatzes, den Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils zur Hälfte bezahlen, ist gesetzlich festgeschrieben und liegt bei 14,6 Prozent. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag für Versicherte steigt 2016 von 0,9 auf 1,1 Prozentpunkte. Insgesamt beträgt der durchschnittliche Krankenkassenbeitrag ab dem neuen Jahr dann 15,7 Prozent.

Bei der DAK schlägt der deutliche Anstieg des Zusatzbeitrages bei einem Verdienst von 2.500 Euro brutto mit rund 15 Euro pro Monat zu Buche, bei der Barmer GEK und der TK sind es fünf Euro. Der Zusatzbeitrag ist jedoch von der Steuer absetzbar.

Beiträge steigen bis 2020

Nach Schätzungen der Kassen werden die Beiträge bis 2020 um jährlich durchschnittlich 0,2 Prozentpunkte weiter ansteigen. Insgesamt wären es dann 16,6 Prozent - im Durchschnitt. Manche Versicherer dürften deutlich darüber liegen.

Gesundheitsminister Gröhe fror zuletzt den Arbeitgeberanteil bei 7,3 Prozent ein - in der Hoffnung, so Arbeitsplätze zu sichern. Kassen, Opposition und Gewerkschaften wollen jedoch auch die Arbeitgeber an den Kostensteigerungen beteiligen, indem sie den gesamten Beitrag wieder bis hin zur völligen Parität auf beide Seiten verteilen. Ausgeglichen werden soll zudem, dass manche Kassen mehr Patienten mit bestimmten oft teuren, chronischen Krankheiten haben.

Gesundheitsminister weist generelle Sparforderungen zurück

Gröhe wies jedoch auch generelle Sparforderungen zurück. "Wer jetzt anmahnt, das sei alles zu teuer, muss auch schlüssig darlegen, wo er oder sie kürzen will", sagte seine Sprecherin. Die Regierung verwies darauf, dass eine Beitragserhöhung ein Sonderkündigungsrecht der Versicherten auslöse. Sie sollten aber nicht nur auf den Preis achten, sondern auf die Qualität und die Leistungen der Krankenkassen.

Wer aufgrund der steigenden Beiträge nun seine Krankenversicherung wechseln möchte, der hat ein Sonderkündigungsrecht, dass bei einer Beitragserhöhung greift. Mitglieder müssen innerhalb des Monats kündigen, zu dem die Zusatzbeiträge erhöht werden sollen. Wird der Zusatzbeitragssatz also zum 1. Januar erhöht, haben Versicherte grundsätzlich bis zum 31. Januar Zeit zu kündigen - der Termin fällt 2016 jedoch auf einen Sonntag, somit verschiebt sich die Frist zur Sonderkündigung auf den 1. Februar 2016.

Der Wechsel zu einer neuen Versicherung dauert im Regelfall zwei Monate. Dann ist man bei der neuen Kasse Mitglied. Die Übergangsfrist beginnt zum Monatsende, in gekündigt wurde. Wer also im Januar seine Mitgliedschaft kündigt, ist ab 1. April offiziell Mitglied bei der neuen Kasse. Versicherte müssen bis dahin aber noch den erhöhten Zusatzbeitragssatz ihrer alten Krankenkasse zahlen. end (mit Inhalten von dpa)

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten