Während der Ausbildung -

Anrechnung der Berufsschulzeit als Arbeitszeit Gilt die Zeit in der Berufsschule als Arbeitszeit?

Fast jeder Azubi besucht während seiner Ausbildung auch die Berufsschule. Doch gilt die Zeit in der Schule als Arbeitszeit? Und muss ein Azubi nach dem Unterricht noch im Betrieb arbeiten? Wir klären, auf was zu achten ist.

Fast jeder Azubi besucht während seiner Ausbildung auch die Berufsschule. Doch gilt die Zeit in der Schule als Arbeitszeit? Und muss ein Azubi nach dem Unterricht noch im Betrieb arbeiten? Wir klären, auf was zu achten ist.

Fast jeder Azubi wird in Deutschland dual ausgebildet: Zum einen im Betrieb, zum anderen an der Berufsschule. Doch wie verhält es sich eigentlich mit der Zeit in der Berufsschule: Kann sich der Azubi diese Zeit als Arbeitszeit anrechnen lassen? Und muss der Azubi nach der Schule noch einmal in den Betrieb zurück? Wir klären, was für die Zeit in der Berufsschule gilt.

Ausbilder muss Azubi für Berufsschule freistellen 

Nach §15 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) gilt prinzipiell, dass der Ausbilder seinen Azubi für die Teilnahme am Berufsschulunterricht sowie an Prüfungen freistellen muss – sofern die Berufsschule während der Arbeitszeit stattfindet. Der Ausbilder muss dem Azubi also die für die Teilnahme am Berufsschulunterricht erforderliche Zeit gewähren und darf ihn während dieser Zeit auch nicht im Betrieb beschäftigen. Denn der Besuch der Berufsschule hat vor der Arbeit im Betrieb Vorrang.

Azubi bekommt auch während der Berufsschule Gehalt 

Diese Freistellungspflicht gilt laut der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg beispielsweise auch für die Teilnahme am Nachhilfeunterricht, an Vorbereitungslehrgängen für Abschlussprüfungen oder Schulveranstaltungen. Außerdem muss der Ausbilder nach §19 BBiG seinem Azubi, während der in der Schule paukt, die Vergütung fortzahlen.

Schulweg und Pausen gelten als Arbeitszeit

Das Bundesarbeitsgericht hat mit Beschluss vom 26. Januar 2001 ( AZ: 5 AZR 413/99) entschieden, dass jugendliche und volljährige Azubis nicht nur für die Zeiten im Unterricht, sondern auch die Pausen in der Berufsschule und den Schulweg von ihrer betrieblichen Ausbildungszeit freizustellen sind. Dabei ist Schulweg der Weg zwischen Berufsschule und Ausbildungsbetrieb.

Volljährige Azubis: Nicht mehr als betriebliche Ausbildungszeit 

Bei volljährigen Azubis ist die Anrechnung auf die Arbeitszeit jedoch beschränkt. Überschreitet die Unterrichtsdauer die für den Tag vorgesehene Arbeitszeit, kann die für den Schulbesuch zusätzlich aufgewendete Zeit nicht mehr angerechnet werden. Ein Beispiel: Wenn der Azubi inklusive Schulweg insgesamt neun Stunden in der Schule war, können ihm für den Tag trotzdem nicht mehr als die betriebliche Ausbildungszeit für diesen Tag von – beispielsweise –  acht Stunden angerechnet werden.

Volljährige Azubis: Nach der Schule im Betrieb arbeiten 

Volljährige Azubis fallen nicht unter das Jugendarbeitsschutzgesetz und können daher an jedem Tag nach der Berufsschule im Betrieb arbeiten. Dabei dürfen die Zeit in der Berufsschule (inklusive Pausen und Schulweg) und die anschließende Arbeitszeit die vereinbarte betriebliche Ausbildungszeit nicht überschreiten.

Beispiel für volljährige Azubis 

Ein Beispiel: Die Berufsschule geht von 8.00 Uhr bis 12.15 Uhr. Der Azubi verbringt also 4 Stunden und 15 Minuten im Unterricht. Außerdem braucht er für den Schulweg (hin und zurück) 30 Minuten. Er kann also insgesamt grundsätzlich 4 Stunden und 45 Minuten auf die Arbeitszeit anrechnen. Um die tägliche Arbeitszeit von beispielsweise acht Stunden zu füllen, muss er an diesem Tag noch 3 Stunden und 15 Minuten im Betrieb arbeiten.

Eine weitere Besonderheit besteht für alle berufsschulpflichtigen Auszubildenden darin, dass an vor 9:00 Uhr beginnenden Berufsschultagen die Auszubildenden bis Unterrichtsbeginn freizustellen sind. Sofern in dem Beispiel die betriebliche Ausbildungszeit von 7:00 Uhr bis 15:30 Uhr mit einer Pause von 30 Minuten dauert, ist dem Auszubildenden an Berufsschultagen auch die Zeit von 7:00 bis 7:45 als Arbeitszeit anzurechnen. Im dargestellten Beispiel wären daher 5 Stunden und 30 Minuten anzurechnen und bis zu 8 Stunden lediglich noch 2 Stunden und 30 Minuten im Betrieb zu arbeiten.

Volljährige Azubis: Obergrenze für Überstunden 

Es gibt jedoch eine Grenze für die Arbeitszeit im Betrieb. Laut Arbeitszeitgesetz darf ein volljähriger Azubi maximal 48 Stunden in der Woche arbeiten. Innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten oder innerhalb von 24 Wochen dürfen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.

Jugendliche Azubis: Nach der Schule im Betrieb arbeiten 

Bei noch nicht volljährigen Azubis gibt es einen kleinen Bonus: Sie können einen Berufsschultag in der Woche, der mehr als fünf Unterrichtsstunden á 45 Minuten enthält, einmal pro Woche vollständig auf die betriebliche Ausbildungszeit dieses Tages anrechnen, also beispielsweise mit acht Stunden, obwohl der Azubi eigentlich nur vier Stunden und 30 Minuten in der Schule war. An den anderen Berufsschultagen muss der Azubi aber wieder im Betrieb arbeiten, um seine acht Stunden aufzufüllen. Bei mehreren Schultagen pro Woche beschließt der Betrieb den Tag, an dem der Azubi nach der Schule freigestellt wird.

Jugendliche Azubis: Besondere Regelung bei Blockunterricht 

Da es im Betriebsablauf nicht immer sinnvoll ist, noch für wenige Stunden Arbeit in den Betrieb zu fahren, können auch Arbeitszeitkonten oder Arbeitszeitverschiebungen für die "Fehlstunden" eingerichtet werden. Eine Berufsschulwoche mit planmäßigem Blockunterricht von mindestens 25 Stunden an fünf Tagen kann der jugendliche Azubi mit 40 Zeitstunden anrechnen.

Jugendliche Azubis: Obergrenze für Überstunden 

Auch jugendliche Azubis dürfen nicht unbegrenzt Arbeitsstunden anhäufen, da sie unter das Jugendarbeitsschutzgesetz fallen. Die Höchstarbeitszeit bei minderjährigen Azubis beträgt acht Stunden täglich und 40 Stunden wöchentlich, die Betrachtung von Durchschnittswerten wie bei volljährigen Auszubildenden ist hier unzulässig. aro/ Alexander von Chrzanowski, Rechtsanwalt für Arbeitsrecht, Rödl & Partner

  • Während der Zeit in der Berufsschule muss der Ausbilder seinen Azubi freistellen und weiterhin Gehalt zahlen.
  • Es ist nicht erlaubt, die Zeit, die der Azubi in der Berufsschule verbringt, an anderen Tagen im Betrieb nachzuholen.
  • Jugendliche Azubis können die Zeit in der Berufsschule inklusive Pausen und Schulweg voll auf die Arbeitszeit anrechnen. Einmal pro Woche gibt es für jugendliche Azubis sogar einen Bonus: Enthält ein Berufsschultag mindestens mehr als fünf Unterrichtsstunden á 45 Minuten, kann der Azubi diesen Tag mit acht Stunden anrechnen. An den restlichen Tagen muss der jugendlich Azubi im Betrieb arbeiten, bis er die acht Stunden voll hat.
  • Eine Berufsschulwoche mit planmäßigem Blockunterricht von mindestens 25 Stunden  an fünf Tagen kann der jugendlich Azubi mit 40 Zeitstunden anrechnen.
  • Auch volljährige Azubis können die Zeit für den Berufsschulunterricht, für Pausen und den Schulweg voll auf die Arbeitszeit anrechnen, maximal jedoch acht Stunden täglich. Dauert die Berufsschule weniger als acht Stunden, muss die fehlende Zeit im Betrieb gearbeitet werden. Das gilt, anders als bei jugendlichen Azubis, für alle Werktage.

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