Branche -

TV-Kritik "Anne Will" über Fachkräftemangel und Zuwanderung Friseurmeisterin erläutert Tücken bei der Einstellung von Flüchtlingen

Braucht Deutschland mehr Zuwanderung, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen? Das wollte Anne Will von ihren Gästen wissen. Für eine resolute Friseurmeisterin aus Baden-Württemberg, die einen Flüchtling beschäftigt, lag die Antwort auf die Frage der Sendung auf der Hand.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Flüchtlinge ausbilden und beschäftigen

Jutta Brändle betreibt einen Friseursalon in Winnenden bei Stuttgart. Und sie hat dieselben Probleme wie viele andere Handwerker. "Ich finde kaum noch Fachkräfte, es kommen so gut wie keine Bewerbungen mehr", erzählte die Meisterin bei Anne Will. Sie zahle über Tarif, doch auch das helfe nicht. Früher seien es 50 bis 60 Bewerbungen pro Jahr gewesen, heute lange nicht mehr. Doch eines macht der Friseurin Mut. Seit in ihrem Team Menschen mit Migrationshintergrund arbeiten, sei das Wir-Gefühl im Salon besser geworden. Welche Probleme indes die Anstellung von Migranten oder Flüchtlingen mit sich bringt, das sollte die Sendung später noch zeigen.

Mit Brändles ersten Einlassungen war Praxisbezug hergestellt und der Grundton gesetzt. Ist Zuwanderung die Lösung des Fachkräfteproblems? Die anderen Gäste waren sich einig, dass sie zumindest ein wichtiger Baustein dafür ist, die riesige Zahl der unbesetzten Stellen – die Rede war von 1,6 Millionen, zuzüglich 30.000 Ausbildungsplätze – zu verkleinern. Volker Bouffier (CDU), Ministerpräsident von Hessen, dessen Amtskollegin aus Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), Johannes Vogel, Sprecher für Arbeitsmarktpolitik der FDP und Arndt Günter Kirchhoff, Vizepräsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), stritten aber um den Anteil, den Zuwanderung an der Behebung der Misere haben sollte – und um den Vorschlag, der derzeit unter dem Schlagwort "Spurwechsel" kursiert.

Dabei geht es um die Möglichkeit, dass abgelehnte Asylbewerber in Deutschland bleiben können, wenn sie integriert sind und einen Job haben. Während Schwesig und Vogel sich dafür aussprachen, waren Kirchhoff und Bouffier dagegen. Fachkräftezuwanderung und Asyl müssten getrennt werden, forderte Bouffier, sonst würden falsche Signale gesendet. Von seiner Meinung ließ er sich auch nicht durch Versuche von Schwesig, ihn in die AfD-Ecke zu stellen, abbringen. Allerdings stellte sich schon die Frage, ob Deutschland nicht einen Fehler begeht, wenn das Land die Menschen abschiebt, die sich gut integriert und sogar ihren Platz auf dem Arbeitsmarkt gefunden haben, anstatt ihnen einen "Spurwechsel" zu erlauben.

Immer noch große Hürden bei der Einstellung von Flüchtlingen

Da kam Anthony Olushola Oyewinle ins Spiel. Der Nigerianer kam als Flüchtling nach Deutschland, sein Asylantrag wurde abgelehnt, doch er fand eine Ausbildung bei Jutta Brändle. Dort, so sagt seine Chefin, sei er der "Publikumsliebling". Dennoch droht ihm die Abschiebung, spätestens, wenn bei ihm die 3+2-Regelung, wonach abgelehnte Asylbewerber nach einer dreijährigen Ausbildung noch zwei Jahre geduldet weiterarbeiten dürfen, ausläuft. "Ich hoffe, dass ich in Deutschland bleiben und hier meine Zukunft planen kann", sagte Oyewinle. Und Brändle beschrieb, welche Probleme es bei der Einstellung des Nigerianers gab: " Die Ausländerbehörde wusste nicht einmal, welches Formular sie für 3+2 anfordern musste. Es gab keine klaren Spielregeln." Die Hürden bei der Anstellung von Flüchtlingen bleiben hoch, Spurwechsel-Pläne hin oder her.

Immerhin hat die Koalition einen Entwurf für ein Einwanderungsgesetz vorgelegt. Vogel und Schwesig ging das nicht weit genug, Schwesig forderte, auch die Arbeitsbedingungen im Inland im Fokus zu behalten, etwa bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Und BDA-Vize Kirchhoff betonte, wie viel die deutsche Wirtschaft, auch das Handwerk, bereits für die Einstellung von Zuwanderern getan hätte. Auch hier: Streit allerorten. Am Ende der kurzweiligen Runde gab es dann doch noch Versöhnliches. Bouffier und Vogel machten Brändle und ihrem Azubi Mut. Nach Lage der Dinge stünden die Chancen doch sehr gut, dass "Tony" am Ende doch in Deutschland bleiben kann.

Die gesamte Sendung können Sie hier in der Mediathek der ARD anschauen.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten