Meinung -

Kommentar Anlass für Zweifel

Die Energiewende ist noch nicht geschafft - Hohe Kosten, unter anderem verursacht durch die EEG-Umlage, bedrücken das Handwerk.

Vor knapp sechs Jahren trat rund fünf Monate nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima das „13. Gesetz zur Änderung des Atomgesetzes“ in Kraft. Hinter diesem sperrigen Begriff verbirgt sich nicht weniger als der Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie und das Vorantreiben der Energiewende. Ende 2022 sollen die letzten Atommeiler vom Netz gehen. Mehr als Hälfte der Zeit für die Energiewende ist also schon vorüber – zumindest dann, wenn man den Begriff „Energiewende“ so versteht, dass auch ohne Kernenergie bei der Energieversorgung Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit gegeben sind.

Stromnetze stehen vor großer Herausforderung

Sicher muss man zugestehen, dass der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromversorgung relativ rasch auf ein hohes Niveau gebracht werden konnte, wo er allerdings aktuell nahezu stagniert. Beim Strom entfallen laut Zahlen des Umweltbundesamtes knapp 32 Prozent auf die Erneuerbaren Energien. In den Sektoren Wärme und Verkehr sind es nur 13,4 bzw. 5,1 Prozent. Und eine weitere, wohl etwas überraschende, Zahl: Unter den Erneuerbaren Energien insgesamt spielt die Biomasse die größte Rolle. Nur bei der Stromproduktion liegen Windkraft, Sonnenenergie und Wasserkraft vorne. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Energiewende sich nach wie vor überwiegend auf den Strombereich fokussiert.

Hier zeigt sich aber, dass Wind und Sonne ziemlichen Schwankungen unterliegen. Bei starker Sonneneinstrahlung und starkem Wind wird zu viel produziert und im umgekehrten Fall zu wenig. Wohin im einen Fall hin mit dem Überschuss und wie im anderen Fall den Ausfall ausgleichen – das ist jeweils die spannende Frage. Die Stromnetze stehen jedenfalls vor großen Herausforderungen. Und beides wird jeweils sehr teuer.

Hohe EEG-Umlage belastet Handwerk

So ist es nicht verwunderlich, dass beim Stromendpreis die reinen Produktionskosten den geringeren Anteil bilden. Mehr entfallen auf Abgaben und Umlagen wie die EEG-Umlage, die Netzentgelte oder die Haftungsumlage für Offshore-Windparks. Besonders ärgerlich für Handwerk, das im Unterschied zur Industrie keine Entlastungen bekommt, und Privatverbraucher ist die EEG-Umlage. Sie beträgt aktuell 6,88 Cent pro Kilowattstunde – eine Verfünffachung innerhalb kurzer Zeit. Höchste Zeit also, dass die EEG-Umlage wieder einmal sinkt!

Gebäudebereich bietet enormes Einsparpotential

Um den Strom aus Atomenergie auszugleichen, ist allerdings noch ein höherer Beitrag der Erneuerbaren Energien erforderlich. Da ist nun zu beachten, dass der Wind mehr im Norden auftritt und die Sonne etwas mehr im Süden scheint. Um die Windenergie in den Rest der Republik, insbesondere in den Süden zu bringen, braucht es groß dimensionierte Leitungen. Um den Widerstand der Bevölkerung gering zu halten, will man in Bayern diese Trassen unter die Erde verlegen – was allerdings sehr teuer ist. Nun stellt sich die Frage, wer dies bezahlen soll. Auf keinen Fall darf das am Ende bei unseren Betrieben landen, die dann im Wettbewerb mit anderen Bundesländern benachteiligt wären. Anlass für Zweifel am Erfolg der Energiewende gibt es also durchaus.

Doch die Energiewende darf sich nicht nur auf den Strombereich konzentrieren. Viel Einsparpotenzial besteht im Gebäudebereich. Dies lässt sich noch deutlich besser und schneller mit einer steuerlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung heben.

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