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Wenige Anträge aus dem Handwerk Anerkennungsgesetz: Willkommenskultur mit Anlaufschwierigkeiten

Der Bund bewirbt die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse als Teil der neuen Willkommenskultur in Deutschland. Doch im Handwerk gibt es bisher nur relativ wenige Anträge und noch weniger Anerkennungen. Biographien wie die des syrischen Tischlers Fares Schammas sind die Ausnahme.

Das Anerkennungsgesetz zeigt Wirkung – allerdings nur in einigen Berufen. Im Jahr 2014 bearbeiteten die Behörden laut Statistischem Bundesamt 19.806 Anerkennungsverfahren – etwas mehr als noch 2013. 14.895 darunter stammten allerdings alleine aus der Gruppe der medizinischen Gesundheitsberufe.

Unter den 26.500 Anträgen, die seit 2102 gestellt worden sind, war auch der Antrag von Fares Schammas. Der Syrer hatte in seinem Heimatland den Beruf des Tischlers von seinem Vater gelernt. Die Familie hatte eigene Tischlerbetriebe.

Im Jahr 2001 floh Schammas aus Syrien nach Deutschland. In seinem Beruf als Tischler konnte er jedoch zunächst nicht arbeiten. Seine Dokumente wurden von deutschen Behörden nicht anerkannt. "Ich hatte keine Chance, in meinem Beruf als Tischler zu arbeiten“, sagt Fares Schammas rückblickend.

Anpassungsqualifizierung bringt Durchbruch

Mit Gelegenheitsjobs verdiente Schammas Geld, um seine Familie zu ernähren. Erst mit dem Anerkennungsgesetz kam für ihn im Jahr 2012 die Wende. Schammas stellte seinen Anerkennungsantrag. Weil seine Unterlagen aber nicht ausreichten, um eine zuverlässige Aussage über die Inhalte seiner Ausbildung zu treffen – die Ausbildungen in Syrien und Deutschland unterscheiden sich insbesondere im Hinblick auf Sicherheitsvorschiften – machte Schammas eine Anpassungsqualifizierung und belegte die sicherheitsrelevanten Maschinenkurse. Daraufhin wurde sein syrischer Berufsabschluss als vollwertig anerkannt. Heute arbeitet Schammas in einem Betrieb in Walldorf in der Nähe von Heidelberg und ist glücklich: "Ich liebe den Tischlerberuf und bin so froh, dass ich jetzt wieder in meinem Beruf arbeite. Ich habe ein geregeltes Arbeitsleben und mein Gehalt ist auch besser.“

Geschichten wie diese sind im Handwerk bisher eher die Ausnahme. Seit der Einführung des "Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz", wie es offiziell heißt, kam nur ein Bruchteil der bearbeiteten Anträge aus Berufsgruppen, die dem Handwerk angehören. Unter den 20 am häufigsten beantragten Anerkennungen fanden sich beispielsweise Elektroniker, Kraftfahrzeugmechatroniker und Friseure – allesamt mit deutlich weniger als 500 Anträgen.

Viele Anträge aus Asien

Konkrete Zahlen für das Handwerk alleine hat das Statistische Bundesamt jedoch nicht erhoben. Wie aber aus einer handwerksinternen Erhebung im Frühjahr hervorging, sind seit Inkrafttreten des Gesetzes bis Ende des vergangenen Jahres im Handwerk insgesamt 2.022 Bescheide erlassen worden. Das sind im Schnitt 674 Anerkennungen pro Jahr. Faktoren wie beispielsweise der Ausbildungsinhalt oder die bisherige Praxiserfahrung, entscheiden über Gewährleistung oder Ablehnung des Antrags.

Mehr als die Hälfte der Antragsteller kamen aus der Europäischen Union – oder haben zumindest dort ihren Abschluss gemacht. Deutschland scheint dabei aber auch in Asien beliebt zu sein: Von fast 4.500 Anträge aus dem außereuropäischen Ausland stammten rund 2.700 aus Asien.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr mehr als 13.200 Anträge positiv entschieden, 1.590 Anträge wurden hingegen abgelehnt.

Anerkennung auch ohne Dokumente

Nicht alle Flüchtlinge können ihre Papiere mit nach Deutschland retten. Damit auch sie die Chance haben, in ihrem erlernten Beruf eine Anstellung zu finden, können sie ihre Kompetenzen in einer Arbeitsprobe nachweisen und so den Abschluss auf praktische Weise anerkennen lassen. Dazu fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Projekt "Prototyping Transfer - Berufsanerkennung mit Qualifikationsanalysen“. dhz

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