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Westerwelle besucht mit mexikanischer Kollegin den Bundesstaat Chiapas Amerikareise mit Atempause

Am Ort, an dem nach Meinung der Azteken "die Menschen zu Göttern wurden", läuft Bundesaußenminister Guido Westerwelle zu sportlicher Höchstform auf. "Gehen wir jetzt zum Bus, oder müssen wir noch eine Pyramide hoch?" fragt ein erschöpfter Fotograf.

Teotihuacan/Mexiko (dapd). Am Ort, an dem nach Meinung der Azteken "die Menschen zu Göttern wurden", läuft Bundesaußenminister Guido Westerwelle zu sportlicher Höchstform auf. "Gehen wir jetzt zum Bus, oder müssen wir noch eine Pyramide hoch?" fragt ein erschöpfter Fotograf.

Der FDP-Politiker war am Samstag die mexikanische Kulturstätte Teotihuacan in rasantem Tempo abgeschritten, kletterte auf zwei Pyramiden - erst auf die kleinere des Mondes und dann auf die größere der Sonne. Er sei "gut trainiert", der Auf- und Abstieg der 264 steilen Stufen der drittgrößten Pyramide der Welt "kein Problem", sagt Westerwelle gut gelaunt.

Kultur und Natur stehen am Tag zwei seines Mexiko-Besuchs im Mittelpunkt. Die siebentägige Reise des deutschen Chefdiplomaten im Eiltempo durch Amerika neigt sich dem Ende zu. Begonnen hatte die Tour in New York, wo Westerwelle am Dienstag und Mittwoch die Sitzungen des Weltsicherheitsrates leitete und mit Schlägen seines Hämmerchens Beschlüsse zur Ächtung von Angriffen auf Schulen und Krankenhäuser in Krisenregionen sowie zum Beitritt des Südsudans in die Vereinten Nationen besiegelte. Deutschland ist seit Jahresbeginn nichtständiges Mitglied in dem mächtigen Gremium und hat im Juli den Vorsitz inne.

Dann reiste er als Außenwirtschaftsminister nach Kolumbien und Mexiko, um deutschen Unternehmern - die hochrangig in seiner Delegation vertreten waren - die Tür zu neuen Märkten zu öffnen. Am Sonntag sollte es schließlich nach Haiti gehen, wo eineinhalb Jahre nach der Erdbebenkatastrophe noch immer Hunderttausende Menschen ohne Obdach sind und von Epidemien heimgesucht werden.

Seit zwei Monaten ist Westerwelle nicht mehr FDP-Chef, nicht mehr Vizekanzler. Er konzentriert sich seit seinem erzwungenen Rückzug ganz auf die Außenpolitik und reist - von der Öffentlichkeit eher wenig beachtet - um die Welt. Diesmal aber legt er in seinem politischen Gesprächsmarathon einen Tag Pause für einen informellen Ausflug ein - ein Novum für den Minister. Die Zeit, auch mal ländliche Regionen kennenzulernen, habe er sich nicht nehmen können, als er "immer mit mindestens dem halben Kopf in Berlin bleiben" musste, sagt er. Deshalb sei dies eine "sehr schöne und sehr intensive Reise".

Mit seiner mexikanischen Kollegin Patricia Espinosa - sie begleitet von Ehemann und Sohn - besucht er den südlichsten und gleichzeitig ärmsten Staat Chiapas, "wo sehr viel für den Umweltschutz getan wird", wie Westerwelle betont. In Augenschein nimmt er dieses Engagement bei einer Bootsfahrt durch eines der bekanntesten Naturdenkmäler des Landes, die Sumidero-Schlucht, die in einem Öko-Tourismus-Park endet. Dort berichten regionale Politiker über die Fortschritte der Region bei der Entwicklung von Biokraftstoffen und zeigen Interesse an deutschen Investitionen in diesem Bereich.

Espinosa, die seit ihrem Verhandlungserfolg beim Klimagipfel von Cancún als Klimaretterin gilt, äußert während des Aufenthalts des deutschen Politikers in Mexiko ebenfalls Interesse, auch in dieser Region neue Felder für künftige Investitionen zu suchen. Chiapas machte 1994 wegen des zapatistischen Aufstands von Indigenen weltweit Schlagzeilen. Der Bundesstaat ist kaum entwickelt, 70 Prozent der Haushalte sind ohne Stromanschluss. Von 20.000 Kommunen haben 15.000 weniger als 100 Einwohner. Die Regierung des Staats hofft, mit ihren Projekten zu Erneuerbaren Energien Geldgeber in die Region zu locken.

Das Engagement für den Umweltschutz hätten Mexiko und Deutschland gemein, sagt Westerwelle. Auch zwischen ihm und Espinosa gebe es da "sehr große Einigkeit". Und um die Verbundenheit bildlich auszudrücken, muss im Ökopark ein Python namens Satiwa herhalten. Der Außenminister nimmt die Zwei-Meter-Schlange nach kurzem Zögern und legt sie sich und seiner Kollegin über die Schulter.

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