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Günstiges Versandhaus-Smartphone Amazon Fire Phone: Preisbrecher im Test

Der Online-Versandhändler Amazon hat mit dem Fire Phone sein erstes eigenes Smartphone auf den Markt gebracht. Inzwischen ist es zum Schnäppchen-Preis zu haben. Ob sich der Kauf lohnt, zeigt der Test.

Amazon Fire Phone
Mit dem Amazon Fire Phone hat der Online-Händler sein erstes Smartphone herausgebracht. -

Kaum ein Smartphone hat in den vergangenen Monaten einer derartigen Preissturz erlebt wie das Fire Phone vom Versandhausriesen Amazon. Anstelle von ursprünglich 549 Euro, ist es inzwischen über das Internet schon ab etwa 130 Euro mit einem Telekom-Netlock zu haben, der sich per Code jedoch für andere Netze entsperren lässt.

Dabei kann sich die Ausstattung auf den ersten Blick durchaus sehen lassen: Eine Kamera mit 13 Megapixeln, Funkstandard LTE, ein Full-HD-Bildschirm und ein 2,2 GHz-Prozessor. Das ist zwar nicht das Beste vom Besten, aber durchaus ein gutes Paket für nur 130 Euro. Ist das Amazon Fire Phone also ein echtes Schnäppchen?

Stilsicheres Design

Das Amazon Fire Phone macht einen wertigen Eindruck. Die kantige Optik des Gehäuses wirkt modern, Vorder- und Rückseite werden durch Gorilla Glass geschützt. Trotz des Glaselemente liegt das Fire Phone sicher in der Hand, der gummierte Rahmen schmiegt sich gut an. Mit einem Gewicht von 160 Gramm, Maßen von 139,2 x 66,5 mm und einer Dicke von 8,5 mm, ist es etwas klobiger als zum Beispiel ein iPhone 6 oder Samsung Galaxy S6, aber für diese Preiskategorie nicht zu beanstanden.

Auf der Rückseite ist neben der Kameralinse mit LED-Blitz auch das Amazon-Logo platziert. Der Schriftzug wirkt allerdings schlicht und stört nicht. An der Geräteseite ist neben dem Ein-Aus-Schalter und der Lautstärkewippe erfreulicherweise auch eine echte Hardware-Kamerataste platziert, mit der sich durch einmaliges Tippen der Kamera-Modus starten lässt und durch einen erneuten Klick das Foto geknippst wird. Das ist praktisch, um schnell ein Foto zu machen, ohne erst durch die Menüs navigieren zu müssen und die Foto-App zu starten.

Eigenes Amazon-Betriebsystem

Der Bildeindruck nach dem Einschalten des Amazon Fire Phone kann überzeugen. Die Full-HD-Auflösung sorgt für ein scharfe Menüdarstellung, auch Videos sehen gut aus auf dem Fire Phone. Das Smartphone läuft mit dem eigenen Betriebssystem Fire OS, das stark an Googles Android-System erinnert.

Neulinge finden sich in den Menüs schnell zu Recht, über den eigenen App-Store stehen die meisten bekannten Anwendungen zur Verfügung, so dass hier kaum Abstriche gegenüber Smartphones mit Google- und Apple-Betriebssystem gemacht werden müssen. Auch wenn im Fire Phone kein Highend-Prozessor mit acht Rechenkernen verbaut ist, wie bei aktuellen Oberklasse-Modellen, reicht der integrierte Snapdragon 800 völlig aus, um Apps schnell zu starten und verzögerungsfrei durch die Menüs zu wischen.

Toller Produktscanner mit Aussetzern

Firefly
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Amazon bietet aber zudem interessante eigene Apps. Dabei ist vor allem die App Firefly zu nennen, die über die Kamera- und Audiofunktion als Produktscanner funktioniert. Läuft im Radio ein tolles Musikstück oder ein spannender Film im Fernsehen, erkennt Firefly in den meisten Fällen den Namen des Songs oder Films und bietet diesen dann automatisch im Amazon-Store zum kaufen an. Sogar einzelne Schauspieler in einer Filmsequenz können über Firefly identifiziert werden und nach weiteren Filmen des Darstellers im Shop gestöbert werden.

Auch andere Produkte, wie etwa aus dem Supermarkt-Regal, soll der Scanner erkennen können. In der Praxis funktioniert das aber nicht immer, obwohl Amazon mit einer Firefly-Datenbank von über 100 Millionen Artikel wirbt.

Weniger beeindruckend ist der beworbene 3D-Effekt des Amazon Fire Phone, bei dem es sich mehr um eine nette Spielerei handelt. So wechseln etwa täglich die 3D-Animationen des Sperrbildschirms auf dem Fire Phone, die durch Kippen des Handys räumliche Effekte zeigen. Auch mit der Karten-App und bei einzelnen Spielen kann der 3D-Effekt genutzt werden. Das ist zwar unterhaltsam, der wirkliche Mehrwert bleibt aber aus.

Mittelmäßige Kamera, solider Akku

Die Kamera des Fire Phone macht nur mittelmäßige Fotos - trotz der 13 Megapixel. Während Tageslicht-Aufnahmen noch recht ordentlich gelingen, sind die Aufnahmen in geschlossen Räumen deutlich abfallend. Hier gibt es in der Mittelklasse bessere Smartphone-Kameras, etwa bei den Microsoft-Handys.

Die Akkulaufzeit des Fire Phone überzeugt dagegen. Mit einer vollen Ladung kommen selbst Viel-Telefonier und -Surfer durch einen Arbeitstag. Wer sparsamer mit dem Handy arbeitet, schafft zwei ganze Tage. Allerdings wird das Handy bei starker Belastung merklich warm. Das geht besser.

Besonders interessant ist das Fire Phone für bestehende Amazon-Kunden, da auf dem Gerät andere Amazon-Dienste wie die Kindle-Lese-App oder der Amazon-Instant-Videoshop genutzt werden können. So lassen sich z.B. Filme für Prime-Kunden unterwegs auf dem Handy starten, die dann später zu Hause weitergeschaut werden können. Auch als Fernbedienung lässt sich das Fire Phone nutzen.

Fazit

Das Amazon Fire Phone ist ein echter Preisbrecher. Wer ein günstiges Smartphone mit solider Ausstattung ohne große Schwächen sucht, kann hier nicht viel falsch machen. Käufer müssen sich allerdings mit dem eigenen Amazon-Betriebssystem anfreunden.

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