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DHZ-Konjunkturumfrage Am Bau läuft es noch rund

Branchenspiegel: Gute Lage im Baugewerbe – Zulieferer erholen sich – Lebensmittelhandwerk hoch im Kurs.

Bau
Die Handwerkskonjunktur erhält von privaten Bauherren weiter kräftige Impulse. Einzig Bauaktivitäten der öffentlichen Hand schwächeln. -

Dank Niedrigzinsen und hoher Zuwanderung wird in Deutschland viel gebaut. Auch im Lebensmittelhandwerk muss man sich um die Nachfrage keine Sorgen machen. Dagegen kommt das Kfz-Gewerbe trotz erfreulicher Zulassungszahlen nicht so recht vom Fleck.

Baugewerbe

92 Prozent der Betriebe des Bauhauptgewerbes haben ihre Lage im dritten Quartal für gut oder befriedigend befunden. In Deutschland wird so viel in neue Wohnungen und Gewerbebauten investiert wie lange nicht. Auch der Straßenbau hat mittlerweile kräftig angezogen. Generell zeigt die Bautätigkeit öffentlicher Auftraggeber jedoch noch keine nachhaltige Aufwärtstendenz; die genehmigten Baukosten sind in diesem Segment weiterhin klar rückläufig.

Mit Neubauten und Sanierungsmaßnahmen ist das Ausbaugewerbe gut ausgelastet. Deutschlands Wohnungen sind in die Jahre gekommen, die Energieverluste müssen eingedämmt werden. Seniorengerechte Modernisierungen insbesondere im Badezimmer kommen als Impulsgeber hinzu. Im Sommer 2014 blieb für 61 Prozent der Ausbaubetriebe die Nachfrage stabil, bei 21 Prozent belebte sich der Auftragseingang sogar.

Kfz-Gewerbe

Firmenaufträge hielten den Autohandel zuletzt auf Touren. Dagegen kamen private Käufer trotz hoher Rabatte nur zögerlich aus der Deckung. Zwei von drei Neufahrzeugen wurden zuletzt auf gewerbliche Halter zugelassen. Von Juli bis September wurden 743.400 Pkws neu registriert – ein Plus von rund vier Prozent gegenüber 2013. Dabei waren SUV und Oberklasse-Modelle deutlich begehrter als Kleinwagen. Die Auslastung der Werkstätten durch Instandhaltung und Reparaturen sank im Vorjahresvergleich um einen Punkt auf 72 Prozent.

Lebensmittelhandwerk

Dank der Fußball-WM ging der Bierabsatz zur Jahresmitte steil nach oben. Aber auch abgesehen davon stehen einheimische Lebensmittel bei den Verbrauchern hoch im Kurs. Bäcker, Konditoren und Metzger waren zuletzt mit der Nachfrage zufrieden. 87 Prozent gaben ihrer Gesamtsituation die Note gut oder befriedigend. Gemessen an den Sommerquartalen der vergangenen 15 Jahre ist das ein Spitzenwert.

Positiven Einfluss auf das Urteil dürfte die Preisentwicklung gehabt haben; der Auftrieb der Energiekos­ten ist zum Stillstand gekommen. Zudem wird Mehl infolge der guten Getreideernte wieder billiger.

Handwerk für gewerblichen Bedarf

Zulieferer und Unternehmensdienstleister – kurz: das Handwerk für gewerblichen Bedarf – setzten im Sommer ihren Erholungskurs fort, ohne aber breitere Fortschritte zu erzielen. Dabei machte sich die gedämpfte Investitionsbereitschaft im Inland bemerkbar.

Zwar verbesserte sich der Anteil positiver Einschätzungen zur Geschäftslage im Vergleich zum Vorjahr um drei Punkte auf 87 Prozent; zudem legte die Auslastung leicht zu. Hingegen zeigen die Daten rund um die Auftragslage, dass der Aufschwung keineswegs abgesichert ist.

Schlechte Nachrichten kamen zum Beispiel aus dem Maschinenbau, der den Einbruch im Handel mit Russland zu spüren bekam. Zum anderen schürten die von den Autoherstellern angekündigten Sparprogramme die Sorgen der Zulieferer vor verschärftem Kostendruck.

Handwerk für privaten Bedarf

Die Handwerke für den privaten Bedarf werden in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung von ähnlichen Faktoren bestimmt wie der Einzelhandel. Dazu zählt das freundliche Konsumklima, das von den positiven Einkommenserwartungen der Verbraucher getragen wird. Tatsächlich registrierten zuletzt 37 Prozent der Betriebe gute Geschäfte, 46 Prozent waren zumindest nicht unzufrieden.

Im Friseurhandwerk hat sich der Preisauftrieb beschleunigt. Wegen der Einführung eines Mindestlohnes kosteten Dienstleistungen 2014 im Schnitt knapp vier Prozent mehr als 2013. Dank der wachsenden Kaufkraft lassen sich die höheren Preise am Markt teilweise durchsetzen, die Umsätze stiegen im laufenden Jahr an. Zudem kamen die Kunden nach Angaben des Fachverbands wieder regelmäßiger in die Salons. we/los

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