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Internationale Handwerksmesse 2019 Altmaier: Ausweitung der Meisterpflicht noch in diesem Jahr

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat die Internationale Handwerksmesse 2019 eröffnet. Dabei sagte er dem Handwerk schnelle Entschlüsse bei der Ausweitung der Meisterpflicht zu. Die wichtigsten Aussagen zur Messeeröffnung im Überblick.

Bis Mitte dieses Jahres will Peter Altmaier gemeinsam mit dem Handwerk Ergebnisse zur Ausweitung der Meisterpflicht auf zulassungsfreie Gewerke vorstellen, die zeitnah in einem gesetzlichen Beschluss münden sollen. Das erklärte der Bundeswirtschaftsminister im Rahmen seiner Eröffnungsrede auf der Internationalen Handwerksmesse 2019 in München.

Korrektur bei Meisterpflicht erforderlich

Auch Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer bekräftigte, dass bei der Meisterpflicht "eine Korrektur erforderlich ist" und bei der Novelle der Handwerksordnung von 2004 Fehler gemacht worden seien.

Altmaier betonte, wie wichtig die Meisterausbildung und das im Handwerk dadurch vorhandene Wissen für die gesamtdeutsche Wirtschaft sei. Bei aller Bedeutung von Digitalisierung und technologischem Fortschritt blieben das Fachwissen des Handwerkers und seine enge Kundenbindung auch in Zukunft erfolgsentscheidend.

Förderung des Handwerks

Altmaier kündigte an, dass die Bundesregierung das Handwerk weiter mit Fördermaßnahmen bei seiner Wettbewerbsfähigkeit unterstützen will. Als wichtigen Punkt nannte er die Energiekosten der Betriebe. So soll etwa die "Mittelstandsinitiative Energie und Klimaschutz" verlängert und verbessert werden. Gleichzeitig müsse Strom billiger werden und trotzdem sicher verfügbar bleiben. Diese Maßnahmen "gehen Hand in Hand", so Altmaier.  Gefördert werden sollen auch weiterhin die Kompetenzzentren digitales Handwerk (KDH). Wollseifer forderte darüber hinaus, dass nun endlich die steuerliche Förderung von Energieeffizienzmaßnahmen bei der Gebäudesanierung auf den Weg gebracht werden müsse.

Weniger Bürokratie geplant

Auch beim Thema Bürokratie versprach Altmaier Verbesserungen für die Unternehmen, die das neue "Bürokratieentlastungsgesetz III" bringen sollen. Dabei sei es wichtig, dass nicht ständig neue Ideen entwickelt würden, die wieder zu zusätzlichen Belastungen führten. So könnte etwa der Austausch von Unternehmen und Bürgern mit Behörden deutlich vereinfacht werden. Als Vorzeigebeispiel nannte er die Umsetzung im kleinen Estland.

Handwerkpräsident Wollseifer betonte mit Blick auf die wirtschaftlichen Belastungen der Handwerksunternehmen, dass der Sozialstaat in Deutschland ausgeprägt genug sei. Er wünsche sich mehr "Respekt" für die Leute im Handwerk, die sich tagtäglich abrackern. Deren Belastung, etwa im Steuerbereich, sei deutlich zu hoch.

Im Bereich des Fachkräftemangels sollen die Kooperationen und Schnittstellen zwischen Betrieben und nationalen sowie internationalen Organisationen verbessert und ausgebaut werden, damit Handwerker leichter auf gut ausgebildete Fachkräfte aus dem Ausland zugreifen können, erklärte Altmaier. Der Bedarf an ausländischem Personal dürfte im Zuge des demographischen Wandels bis 2030 massiv zunehmen.

Karrieren im Handwerk besser bewerben

Handwerkspräsident Wollseifer sagte zum Fachkräftebedarf, dass den jungen Leuten vielmehr als bisher vermittelt werden müsse, welche Chancen das Handwerk für die eigene Karriere bietet. Das betreffe etwa auch die Verdienstmöglichkeiten. "Das kommt bisher viel zu wenig bei den jungen Leuten an", so Wollseifer. Dafür müsse das Handwerk auch die sich verändernden Lebensweisen in der Gesellschaft berücksichtigen. Die Vereinbarkeit von Beruf un Familie sei etwa ein wichtiger Punkt, bei dem Betriebe punkten könnten.

Zudem sollen mit einer Gründeroffensive die Weichen dafür gestellt werden, dass sich wieder mehr junge Menschen für den Weg in die Selbstständigkeit entscheiden, so Altmaier. Wollseifer sagte zu dem Thema, dass bei einer Unternehmensgründung derzeit ein Katalog mit rund 600 Fragen zu beantworten sei. Dies sei wenig gründerfreundlich.

Industrie und Handwerk in einem Boot

Auch auf das Verhältnis von Industrie und Handwerk ging Altmaier ein. "Wir sitzen alle in einem Boot", sagte der Wirtschaftsminister. So seien die Zeiten vorbei in denen der eine auf den anderen mit dem Finger zeige. Vielmehr profitierten beide Wirtschaftsbereiche gegenseitig voneinander. So würde ein großer Industriestandort in der Region auch viele neue Arbeitsplätze für das Handwerk bringen – etwa im Zuliefergeschäft. Auch bei einstigen Industriethemen wie Robotik und Automation sei das Handwerk inzwischen wichtiger Partner und Anwender. Das Handwerk rücke immer näher an die Industrie 4.0 heran, so Altmaier.

Gesamtwirtschaftlich betrachtet befinde sich Deutschland immer noch in einer Phase des Aufschwungs. Es sei das längste Konjunkturhoch seit dem deutschen Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg.

Mutwillige Angriffe auf Wirtschaftsleistung

Verärgert zeigte sich Altmaier über mutwillige Angriffe und Gefährdungen der weltwirtschaftlichen Lage. Als Beispiel nannte er die jüngst erneut gescheiterte Abstimmung über ein Brexit-Abkommen. Er wünsche sich, dass ein "No-Deal-Ausstieg" noch verhindert werden könnte.

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