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Kreislaufwirtschaftsgesetz und Altholzverordnung werden überarbeitet Altholz: Nur ein Viertel wird recycelt

Alte Holzpaletten, Holzreste und nicht lackiertes oder behandeltes Holz von Decken, Böden und Möbeln landen zerkleinert in Spanplatten. So bekommt Altholz ein zweites Leben. Bislang wird nur rund ein Viertel des Altholzes in Deutschland recycelt. Das soll sich ändern. Es gibt allerdings gar keinen Markt dafür.

Die geplante Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes sieht vor, dass mehr Altholz recycelt und wiederverwertet werden soll. Dazu muss auch die Altholzverordnung überarbeitet werden. Derzeit stehen sich die stoffliche Verwertung, also das Recycling von Altholz, und die energetische Verwertung, also das Verbrennen von Altholz, als gleichwertige Möglichkeiten gegenüber. Das möchte der Gesetzgeber ändern. Er setzt mit den Novellen die europäische Abfallrahmenrichtlinie um, die bereits einen Vorrang des Recyclings vor der energetischen Verwertung vorsieht. So soll zum Beispiel auch verleimtes oder gestrichenes Altholz, wieder aufbereitet werden, wenn definierte Grenzwerte nicht überschritten werden. Derzeit wird diskutiert wie dies am sinnvollsten geregelt werden kann.

Etwa acht Millionen Tonnen Altholz fallen jedes Jahr in Deutschland an. Rund 25 Prozent davon kommen ins Recycling. Konkret bedeutet das: Es wird fast ausschließlich zu Spanplatten verarbeitet. Die restlichen 75 Prozent Altholz werden energetisch genutzt und entweder in Altholzkraftwerken zur Wärmegewinnung eingesetzt oder zu einem kleineren Teil auch in holzverarbeitenden Betrieben selbst energetisch genutzt, indem sie es zum Heizen oder zur Stromerzeugung verbrennen. Im Jahr 2016 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) machte die energetische Nutzung 68,5 Prozent aus und die stoffliche Verwertung 25,7 Prozent. Der Rest des Altholzes wurde exportiert.

Recycelt werden kann in Deutschland nach Vorgaben der Altholzverordnung und den technischen Möglichkeiten alles Altholz bis Kategorie III (siehe Infokasten unten). "In der Praxis stammt der größte Teil aber aus der Kategorie AI, aus der AII kommt etwas dazu, nachdem das Altholz auf Schadstoffe untersucht wurde und aus der AIII wird nur ganz selten etwas weiter verwertet. Generell gilt, dass eine stoffliche Verwertung nur  nach einer Analyse des Materials erfolgen darf", sagt Andreas Habel vom Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE).

Altholz, das Schadstoffe enthält, wird verbrannt

Sind Schadstoffe vorhanden – meist durch Farben, Lacke, Beschichtungen oder weil das Holz mit Holzschutzmitteln behandelt wurde – sind diese nur schwer vom Holz lösbar und meistens wird dann alles verbrannt. Die Verbrennungsanlagen sind mit entsprechenden Filtern ausgestattet. Soll nun mehr Altholz recycelt werden, befürchtet der Fachverband Holzenergie allerdings, dass dies wegen neuer Vorgaben des Kreislaufwirtschaftsgesetzes dazu führen könnte, dass eine Aufbereitung stattfindet, obwohl diese mehr Energie verbrauchen kann, als wenn man frisches und unbelastetes Holz nutzt – also unter ökologischen, nicht gerade vorteilhaften Bedingungen.

Außerdem sollen die Analyseverfahren zur Ermittlung der Schadstoffe in Altholz künftig unter strengeren Vorzeichen ablaufen. "Statt Durchschnittswerten sollen statistisch ausgewertete Messreihen einen besseren und abgesicherten Überblick über Grenzwerte für die noch erlaubten Schadstoffe liefern", erläutert Andreas Habel, was für die Novelle der Altholzverordnung bereits diskutiert wird. Auch dann könnte das Recycling aufwendiger werden, weil mehr Schadstoffe entdeckt werden und dennoch eine Aufbereitung stattfinden soll.

Novelle von Kreislaufwirtschaftsgesetz und Altholzverordnung: Der Zeitplan

Das Bundesumweltministerium (BMU) arbeitet an einer Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes zur Umsetzung der Europäischen Abfallrahmenrichtlinie. Ein erster Referentenentwurf ist bereits bekannt und wurde auch den beteiligten Fachverbänden zugeleitet. Diese üben teilweise Kritik daran – auch der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) wegen fehlender Vorgaben, die die Entsorgung von asbesthaltigen Baustoffen betrifft.

Ziel des BMU ist es aktuell, dem Bundeskabinett bis Februar 2020 unter Abstimmung mit den anderen Bundesministerien einen fortentwickelten Regierungsentwurf vorzulegen. Anschließend folgt das parlamentarische Verfahren. Das Gesetzgebungsverfahren soll bis Juli 2020 abgeschlossen sein. Dann muss Deutschland seine Version der Umsetzung der europäischen Abfallrichtlinie präsentieren.

So konkret sind die Pläne zur Überarbeitung der Altholzverordnung noch nicht. Das BMU teilt auf seiner Website lediglich mit, dass die "Verordnung über Anforderungen an die Verwertung und Beseitigung von Altholz (Altholzverordnung)" einer Novellierung bedarf. Ein Referentenentwurf ist noch nicht veröffentlicht.

Die derzeit geltende Altholzverordnung (AltholzV) stammt aus dem Jahr 2002 und definiert besondere Anforderungen an die stoffliche und energetische Verwertung sowie die Beseitigung von Altholz. Sie gibt sozusagen vor, wie mit Altholz umzugehen ist, damit die Entsorgung und mögliche Weiternutzung dem Kreislaufwirtschaftsgesetz entspricht.

Den befürchteten Mehraufwand sieht Habel auch, allerdings führe er auch zu mehr Rechtssicherheit für die Aufbereiter. Er kann sich außerdem nicht vorstellen, dass es zu einer starken Erhöhung der Recyclingquoten für Altholz kommt. "Nur dazu, dass die stoffliche Verwertung auf erster und die energetische später auf zweiter Stufe der Rangfolge um die Verwertung steht", erklärt der Referent im Fachverband Ersatzbrennstoffe, Altholz und Biogene Abfälle des BVSE. Bislang gäbe es in Deutschland noch keinen Markt, der mehr recyceltes Holz verwerten könne. "Nur wenige große Unternehmen, die Spanplatten herstellen, teilen sich den Markt und die könnten den Einsatz nur noch steigern, wenn sie den einzelnen Anteil des Altholzes in der Spanplatte erhöhen, was sie derzeit schon nicht tun." Die Kapazitätsgrenzen bewegen sich seit Jahren schon auf gleichem Niveau. Deshalb sieht auch der BVSE die energetische Verwertung als zweite Stufe und sinnvolle Ergänzung zur stofflichen Verwertung an, dort wo diese nicht möglich ist.

Altholz energetisch nutzen, spart CO2

Derzeit stehen sich die stoffliche und  energetische Verwertung von Altholz im Kreislaufwirtschaftsgesetz als gleichwertige Möglichkeiten gegenüber. Das sollte aus Sicht von Malte Trumpa auch so bleiben. Trumpa ist Fachreferent Holzenergie Beim Fachverband Holzenergie, der zum Bundesverband BioEnergie e.V. (BBE) gehört. Aus seiner Sicht kommen die Vorgaben im aktuellen Referentenentwurf der Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes aber einer deutlichen Benachteiligung der energetischen Nutzung von Altholz gleich.

Er erläutert, warum die Beibehaltung der Gleichstellung seiner Sicht auch der Umwelt zugute kommt: "Wenn wir Altholz energetisch nutzen, reduzieren wir damit den Einsatz fossiler Energieträger.´" So spart die energetische Nutzung von Altholz nach Angaben des Fachverbands Holzenergie derzeit fünf Millionen Tonnen CO2 pro Jahr ein.

Schadstoffverschleppung: Verlieren Spanplatten an Qualität?

Dass der Anteil am Recycling steigen soll, unterstützt grundsätzlich zwar auch der Fachverband Holzenergie. Dennoch weist Trumpa darauf hin, dass man dann auch die Qualität der Recyclingholzprodukte im Auge behalten muss. Konkret befürchtet er nicht zu 100 Prozent unbelastete Spanplatten, weil den hohen Aufwand der Schadstofftrennung nur wenige leisten können. "Wir befürchten eine Schadstoffverschleppung", sagt der Fachreferent.

Seine Bedenken gehen noch weiter: Wenn Altholz weniger energetisch genutzt werden darf, entstehe womöglich ein kritisches Ungleichgewicht in der Wirtschaft: Dann treffen große Mengen Gebrauchtholz auf einen Markt, der diesen Stoffstrom überhaupt nicht aufnehmen kann. "Denn für die stoffliche Nutzung von den zu erwartenden Altholzmengen gibt es aktuell keine ausreichenden Kapazitäten", sagt Trumpa. Die Folge könnte außerdem sein: Die Entsorger werden mit dem Altholz überschwemmt und der Preis dafür sinkt, weil eben derart viel vorhanden ist. "Die Erlöse für die Entsorger, wenn die Holzwerkstoffindustrie das Altholz abnimmt, werden dann voraussichtlich zu gering sein und die Altholzsammlung unattraktiver machen – das wäre kontraproduktiv für den Kreislaufwirtschaftsgedanken."

Andreas Habel hat noch einen anderen Ansatz, damit die Recyclingquoten steigen und nicht Altholz aus den Kategorien aufbereitet werden muss, das Schadstoffe in sich trägt: " Potenzial sehe ich im den privaten Sperrmüllsammlungen, denn diese wandern manches Mal unsortiert in der Verbrennung." Nicht jede Kommune würde hier das unbehandelte Altholz heraussortieren und so geht auch Holz der Kategorie AI der stofflichen Nutzung verloren.

Die Altholzkategorien

Die Altholzverordnung teilt das Altholz in verschiedene Kategorien von I bis IV ein – je nachdem, wie stark behandelt und entsprechend belastet es ist. Zudem gibt es eine Sonderkategorie:

  • Altholzkategorie AI: Naturbelassenes oder lediglich mechanisch bearbeitetes Altholz mit nur unerheblich wenigen holzfremden Stoffen. Beispiele: Abschnitte, Späne aus Vollholz, Paletten und Kabeltrommeln
  • Altholzkategorie AII: verleimtes, gestrichenes, beschichtetes und lackiertes Altholz ohne halogenorganische Verbindungen und ohne Holzschutzmittel. Beispiele: Abschnitte, Späne von Holzwerkstoffen, Dielen, Böden, Deckenpaneele, Türblätter und Zargen sowie ohne die genannten Stoffe
  • Altholzkategorie AIII: Altholz mit halogenorganischen Verbindungen in der Beschichtung ohne Holzschutzmittel. Beispiele: Altholz aus Sperrmüll (Mischsortiment), Möbel, mit halogenorganischen Verbindungen, Paletten, mit Verbundmaterialien.
  • Altholzkategorie AIV: mit Holzschutzmitteln behandeltes Altholz, wie Bahnschwellen, Leitungsmasten, Hopfenstangen oder Rebpfähle, sowie beispielsweise Kabeltrommeln aus Vollholz (Herstellung vor 1989); Holzfachwerk und Dachsparren; Fenster, Außentüren und imprägnierte Bauhölzer aus dem Außenbereich; Bau- und Abbruchholz mit schädlichen Verunreinigungen
  • PCB-Altholz: Altholz, das PCB (polychlorierte Biphenyle). Beispiele: Dämm- und Schallschutzplatten
 Quelle: www.recyclingzentrum.de
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