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Rentenversicherung nimmt neue Rentenmodelle unter die Lupe Altersvorsorge: Neue Rentenmodelle in der Diskussion

Drei neue Rentenformate sollen Defizite kapitalgedeckter Produkte ausgleichen. Die Deutsche Rentenversicherung Bund hat sie genauer unter die Lupe genommen.

Deutschlandrente, Extrarente, Vorsorgekonto – derzeit sind drei neue Rentenmodelle in der Diskussion. Ziel ist es, die kapitalgedeckte Altersvorsorge der zweiten und dritten Säule der Alterssicherung attraktiver zu machen. Bisherige Formate wie die Riester-Rente leiden unter niedrigen Renditen sowie hohen Verwaltungs- und Provisionskosten. Doch was taugen die neuen Formate? Die Deutsche Renten­versicherung Bund (DRV) hat die drei Vorschläge unter die Lupe genommen.

Produkte sind als Ergänzung gedacht

Für abhängig Beschäftigte ist die kapitalgedeckte Altersvorsorge als Ergänzung zur gesetztlichen Rentenversicherung (GRV) gedacht und soll im Zuge des abnehmenden Rentenniveaus den Lebensstandard im Alter sichern helfen. Selbstständige – abgesehen von Handwerkern in den Branchen der Anlage A – müssen sich bisher nicht pflichtversichern. Eine Pflicht zur Absicherung erscheint aber sinnvoll, denn laut Alterssicherungsbericht der Bundesregierung ist der Anteil der vormals Selbstständigen, die im Alter Grundsicherung beziehen, etwa doppelt so hoch als bei denjenigen, die vorher abhängig beschäftigt waren.

Kriterien Vorsorgeprodukt

Die drei vorgeschlagenen Modelle seien für Selbstständige ebenso wie für abhängig Beschäftigte als Ergänzung ihrer Vorsorge eine Überlegung wert, sagt Reinhold Thiede, Leiter des Geschäftsbereichs "Forschung und Entwicklung“ bei der DRV. Thiede misst die drei Modelle an drei grundlegenden Kriterien: Ansparphase, Leistungsphase und organisatorische Gestaltung. Näher betrachtet werden unter anderem die Anlageziele und -formen, Auszahlungspläne sowie die Rechtsform und der Träger des Produkts.

Eines wird schnell klar: Alle Vorschläge lassen viele Fragen offen. So wird zum Beispiel nicht beantwortet, wer für die Kosten des Aufbaus einer öffentlichen Trägerschaft verantwortlich ist. Bei der vom Bundesland Hessen vorgeschlagenen „Deutschlandrente“ ist ebenfalls unklar, wer das Risiko für die Sicherung der Garantien trägt oder wie die Leistungshöhe kalkuliert wird.

Gestaltungselemente sind ­voneinander abhängig

Wie komplex die Gestaltung eines Rentenmodells ist, wird auch an der Tatsache klar, dass alle grundlegenden Elemente nicht unabhängig voneinander zu betrachten sind. Wer etwa ein kapitalgedecktes Produkt herausgeben will, muss es unter die Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht stellen. Nicht zuletzt stellt sich die Frage, ob vom Staat angebotene Produkte Kapitalmarktrisiken unterworfen werden dürfen. Im Ernstfall muss der Steuerzahler für Schwankungen auf dem Kapitalmarkt aufkommen.

Die notwendige Absicherung unterschiedlicher Risiken macht den jeweiligen Produktentwurf nochmals komplizierter. Ein ganz entscheidender Nachteil ist laut Thiede etwa die Tatsache, dass "Deutschlandrente" und "Extrarente" keine Absicherung des Erwerbsminderungsrisikos vorsehen. Das sei jedoch immens wichtig, weil Erwerbsminderung das Hauptrisiko für Altersarmut ist.

Einzahlungsvolumen reicht nicht aus

Einzig beim Vorsorgekonto soll auch eine Erwerbsminderungsrente (EM) erwirtschaftet werden. Mit einem Beitragssatz von mindestens vier Prozent und einer Wartezeit von fünf Jahren könne der Versicherte die Abschläge bei der Erwerbsminderungsrente der DRV kompensieren. Doch die zugrundeliegende Kalkulation geht Reinhold Thiede zufolge nicht auf. Bei einem Bruttojahresentgelt von 38.900 Euro ergebe sich mit einem Mindestbeitrag von 1.556 Euro und fünf Jahren Wartezeit ein Einzahlungsvolumen von 390 Euro. Für eine durchschnittliche EM-Rente von 800 Euro im Monat reiche das nicht aus.

Ein besonderer Aspekt des Vorsorgekontos ist die Einbindung von Elementen der Kapitaldeckung und der Umlagefinanzierung, wovor Thiede jedoch deutlich warnt. So detailgenau das Vorsorgekonto also bisher auch ausgearbeitet ist, so wenig sinnvoll und umsetzbar erscheint es aber nach Thiedes Auffassung.

Die Modelle

Deutschlandrente
Initiator: Land Hessen
Beiträge durch direkten Lohnabzug, Arbeitnehmer kann widersprechen (Opt-out), Anlage in sichere Klasse (ähnliche Riester-Rente oder renditeorientierte Klasse (mit hohem Aktienanteil)

Extrarente
Initiator: Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv)
Arbeitgeber kassiert Beiträge durch direkten Lohnabzug, Arbeitnehmer kann widersprechen (Opt-out), Anlage am Kapitalmarkt über Investmentfonds

Vorsorgekonto
Initiator: Friedrich-Ebert-Stiftung
unterm Dach der gesetzlichen Rentenversicherung, Rechtspersönlichkeit von DRVs streng getrennt, Kapitalanlage durch externe Vermögsverwalter

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