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Finanztest hat getestet Altersvorsorge: Für wen sich die private Rentenversicherung lohnt

Die Altersvorsorge – für jeden ein wichtiges Thema. Zusätzlich zur gesetzlichen Rentenversicherung gibt es unzählige Möglichkeiten, sich fürs Alter abzusichern. Nicht für jeden ist das unbedingt lohnenswert. Wer sich jedoch dafür entscheidet, sollte den Vertrag noch 2014 abschließen.

Die Rente - spätestens mit dem Berufsstart muss sich jeder damit beschäftigen. Zusätzlich zur gesetzlichen Rentenversicherung brauche man unbedingt ein zweites Standbein, heißt es meist vom Bankberater. Und Selbstständige müssen ohnehin fürs Alter vorsorgen, ob mit Rürup, Riester oder einer privaten Rentenversicherung.

Wer sich für eine private Rentenversicherung entscheidet, sollte den Vertrag noch 2014 abschließen. Denn der Garantiezins für die Renten sinkt 2015 nochmals von 1,75 auf 1,25 Prozent. Die Zinshöhe ist dabei staatlich festgelegt. Verringert sich die Rendite aller Euro Staatsanleihen im Schnitt der vergangenen zehn Jahre, korrigiert das Bundesfinanzministerium auch den Garantiezins nach unten. Das trifft vor allem Riester- Renten.

Kaum Überschüsse durch niedriges Zinsniveau

Der größte Vorteil gegenüber der gesetzlichen Rentenversicherung ist bei der privaten Vorsorge: Es gibt eine lebenslange Rente mit garantierter Mindesthöhe. Doch nicht für jeden ist das unbedingt lohnenswert, wie die Zeitschrift Finanztest nun in ihrer Oktoberausgabe schreibt. Die Konditionen und Renditen wurden nur bei sechs von 39 getesteten Angeboten mit "gut" bewertet.

Die private Vorsorge basiert im Gegensatz zur Riester-Rente neben dem Garantiezins auch auf Überschüssen, die die Versicherer mit dem Geld der Kunden erwirtschaften. Die Rente bei den privaten Anbietern muss also nicht zwangsläufig wegen des geringerem Garantiezinses sinken, kann aber während der Bezugszeit variieren.  Derzeit erwirtschaften die Lebensversicherer aufgrund des allgemein niedrigen Zinsniveaus jedoch kaum Überschüsse.

Während bei Riester die Auszahlung nur als Rente möglich ist, gibt es bei der privaten Vorsorge auch die Möglichkeit, sich das Geld auf einmal – also als Kapitalleistung auszahlen zu lassen. Das spart Verwaltungskosten

Welches sind die wichtigsten Punkte, die es zu beachten gilt?

  • Garantierte Mindesthöhe: Auch die wenn monatliche Auszahlung nur wenig variiere – im Test um maximal 20 Euro – gehe das über die Dauer der Laufzeit in die Tausende. Daher sei das eines der wichtigsten Entscheidungskriterien.
  • Kosten der Versicherung: Auch wichtig sind die Kosten, die sich für Verwaltung und Vertragsabschluss summieren. Denn Versicherer mit hohen Kosten können keine hohen Renten garantieren. Am teuersten im Test waren Ergo und Generali. "Obwohl der garantierte Zins 1,75 Prozent beträgt, verzinst sich der Kundebeitrag bei beiden Unternehmen nur mit 0,8 Prozent", schreibt Finanztest. "Bei Generali und Ergo werden aus den 36.000 Euro Beiträgen, die der (Modell)-Kunde in den 30 Jahren bis zum Rentenbeginn eingezahlt hat, nur rund 40.700 Euro, wenn sich der Kunde für eine Kapitalleistung entscheidet." Bei einer kontinuierlich ausgezahlten Rente, verringere sich der monatlich ausgezahlte Betrag nochmals um die Verwaltungskosten.
  • Zu den Kosten zählen auch die Tarife, die der Kunde für den Vertrag bezahlen muss. Als Alternative schlägt Finanztest Honorartarife vor, die noch wenig bekannt seien. Damit komme der Versicherte preislich in etwa so weg, wie wenn er ohne Vermittler per Internet, Post oder Telefon einen Vertrag abschließe. Schwierig sei es jedoch die Höhe der Verwaltungskosten herauszufinden, da die Anbieter Angaben dazu häufig umgehen.
  • Flexibilität: Wichtig für selbstständige Handwerker ist auch, wie flexibel ein Vertrag handhabbar ist. Ausschlaggebend ist dabei, ob sich Verträge zu den ursprünglichen Bedingungen fortführen lassen, wenn man sich in einer Phase der Auftragsflaute die festgelegten Beiträge nicht in voller Höhe leisten kann. "Allianz, CosmosDirekt, DEVK, DEVK-Eisenbahn, Rheinland und SDK ermöglichen das laut ihren Bedingungen nicht", heißt es im Bericht.

Wie hoch sollte man die Beiträge veranschlagen?

Versicherte sollten daher darauf achten, die Beiträge bei Vertragsabschluss nicht zu hoch anzusetzen. Denn muss man Beiträge kürzen oder aussetzen, lohne sich die Versicherung nicht. Auch über die Vertragslaufzeit sollte man sich Gedanken machen, damit sich die Vorsorge lohnt, auch wenn man früher als geplant in Rente geht. "Der Vertrag sollte zeigen, wie viel Sparguthaben der Kunde zu welchem Zeitpunkt mindestens erreichen wird", raten die Autoren des Berichts dazu.

Finanztest rät außerdem, die Beiträge jährlich zu zahlen, damit sie jährlich verzinst werden. Außerdem sollten Neukunden eine Rentengarantiezeit von bis zu zehn Jahren vereinbaren. So ist es – bei den privaten Anbietern – möglich, sich doch noch für eine einmalige Kapitalleistung zu entscheiden. Denn, selbst wenn das schwierig vorherzusehen ist: Auch die Lebensdauer ist dafür ausschlaggebend, ob sich eine private Rentenversicherung lohnt.

Für wen eignet sich welche Form der Altersvorsorge?

Für Selbstständige könne es sich lohnen, freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen, schreibt Finanztest. Gerade für mittlere Verdiener sei das häufig eine bessere Option als eine private Rentenversicherung, so Finanztest. Der Mindestbeitrag liegt bei 85,05 Euro, der Höchstsatz bei 1.124,55 Euro.

Für Selbstständige, die gut verdienen, also mindestens 45.000 Euro jährliches Bruttoeinkommen, lohne sich hingegen eine staatlich geförderte Rürup-Rente.

Auch im Ruhestand könnten Selbstständige mit einem Einmalbeitrag in die gesetzliche Rentenversicherung ihre Rente nochmals aufbessern. Denn die Beiträge können Rentner beim Finanzamt abrechnen und so Steuern sparen.

Für Angestellte sei hingegen die betriebliche Altersvorsorge die erste Wahl. Gibt es diese Möglichkeit nicht, sollten sie die Riester-Rente nützen. sch

Dit Top Ten im Test:

Insgesamt testete Finanztest 39 Angebote für private Rentenversicherungen. Sechs schnitten gut ab, zwölf wurden mit „ausreichend“ bewertet.

  1. Europa (1,7)
  2. Interrisk (1,8)
  3. Huk24 (2,0)
  4. Bayerische (2,3)
  5. Huk-Coburg (2,4)
  6. HanseMerkur (2,5)
  7. Debeka (2,6)
  8. Continentale (2,7)
  9. Hannoversche (2,7)
  10. Stuttgarter (2,7)

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