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Selbst vorsorgen, entspannt aussteigen Altersvorsorge für Unternehmer: Tipps für den richtigen Mix

Jeder weiß es, nicht jeder macht es: Frühzeitig an die Altersvorsorge denken ist gerade für Unternehmer und Freiberufler wichtig. Wie Selbstständige bereits in jungen Jahren richtig vorsorgen.

Wer den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, denkt in aller Regel nicht daran, seinen Altersausstieg zu planen. Laut dem Alterssicherungsbericht 2016 verfügt mehr als die Hälfte der ehemals Selbstständigen im Rentenalter nur über ein durchschnittliches monatliches Nettoeinkommen von unter 1.000 Euro. Ganz anders sieht das aus, wenn in eine berufsständische Versorgung einbezahlt wurde: Ärzte, Steuerberater und Co. kommen im Schnitt auf mehr als 3.350 Euro netto monatlich im Ruhestand. Ein ganzes Berufsleben konsequent zurückzulegen, rechnet sich offensichtlich.

Aber nicht jedem Freelancer oder mutigen Einzelunternehmer steht so eine Kammerversorgung offen. Was macht der freiberufliche Yogalehrer oder der mutige Betreiber eines Onlineshops? "Entscheidend ist es, sich rechtzeitig mit dem Thema Altersvorsorge auseinanderzusetzen, was viele Selbstständige versäumen", klärt Michael Gödert aus Wülfrath, Finanzexperte der FiNUM.Private Finance AG, auf. Wichtig ist es einerseits sich über die staatlich geförderten Möglichkeiten zu informieren und andererseits selbst flexibel vorzusorgen.

Mehrere Säulen bei der Altersvorsorge

"Grundsätzlich ist es auch für Selbstständige möglich, freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung zu werden, wenn man das denn möchte", sagt Vermögensverwalter Dr. Andreas Schyra, Vorstandsmitglied der PVV AG aus Essen. Unternehmer haben über die betriebliche Altersversorgung zudem erheblichen Gestaltungsspielraum, bei Freiberuflern bietet sich eine Absicherung über die steuerlich begünstigte Rürup-Basisrente an.

"Daneben spielt für beide der Aufbau eines flexibel einsetzbaren Vermögens eine ganz entscheidende Rolle zur Sicherung des Lebensstandards im Ruhestand", sagt Schyra. Eine langfristig geplante Altersvorsorge sollte auf möglichst viele Standbeine gestellt werden. Um im Alter den Lebensstandard zu halten, sollten 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens als Rente angestrebt und dabei nicht nur auf das Prinzip Hoffnung gesetzt werden.

Denn natürlich kann ein erfolgreicher Unternehmensverkauf ausreichende finanzielle Mittel für einen entspannten Lebensabend einbringen. Aber gerade mittelständische Selbstständige stehen nicht selten vor dem Problem, überhaupt einen Nachfolger zu finden. Selbst bei über Jahrzehnte erfolgreichen Unternehmen kann dann der Verkaufspreis deutlich unter die eigenen Erwartungen sinken, deswegen ist es sinnvoll darüber hinaus Vermögen zu bilden.

Vor- und Nachteile: Rürüp-Basisrente für Selbstständige

Pro Contra
Jeder kann eine Rürup-Basisrente abschließen, es gibt keine Mindesteinzahlungshöhe und die Beiträge können flexibel angepasst werden. Die Basisrente wird frühstens zum 63. Geburtstag monatlich lebenslang ausbezahlt, eine komplette Auszahlung bei Rentenbeginn ist nicht vorgesehen.
Das angesparte Kapital ist im Falle einer Insolvenz pfändungssicher und wird auch nicht beim Arbeitslosengeld II angerechnet Eine Basisrente kann nicht gekündigt, sondern nur die Zahlung der Beiträge eingestellt werden. An das eingezahlte Kapital kommen Selbstständige vor Rentenbeginn nicht mehr.
Die gezahlten Beiträge können in großem Umfang bei der Steuer abgesetzt werden, was die Rürup-Basisrente gerade für Gutverdiener attraktiv macht. Die ausgezahlte Rente muss größtenteils (bei Rentenbeginn ab 2040 komplett) versteuert werden.

Flexible Geldanlagen

Eine immer wichtiger werdende Säule der unternehmerischen Altersvorsorge sind flexible Geldanlagen wie Aktien, Anleihen, Edelmetalle oder Immobilien. Gerade die Aktie wird als Instrument der Altersvorsorge oft noch von vielen wegen ihrer Wertschwankungen abgelehnt. Untersuchungen des Deutschen Aktieninstituts DAI zeigen jedoch, dass sich mit der Anlagedauer die Rendite stabilisiert.

Wer zum Beispiel – egal zu welchem Zeitpunkt zwischen 1968 und 2017 – einen monatlichen Sparplan auf die Standardwerte des DAX startete, hat nach 20 Jahren im schlechtesten Fall eine jährliche Rendite von 4,7 Prozent eingefahren. Im Schnitt wären es neun Prozent und im besten denkbaren Fall sogar 16,1 Prozent pro Jahr gewesen. Die Profis raten trotzdem dazu, den Anteil an Aktien zu reduzieren, je näher der Ruhestand rückt. So lassen sich die langfristigen Chancen nutzen, die Risiken für einen ungünstigen Ausstiegszeitpunkt reduzieren und beste Voraussetzungen für einen entspannten Einstieg in den Ruhestandsaustieg schaffen.

Ruhestandsdepot eines jungen Unternehmers

Depot Altersvorsorge Selbstständige

Professionelle Vermögensverwalter teilen Anlagevermögen grundsätzlich strategisch auf verschiedene Anlageklassen auf, um Schwankungsrisiken zu reduzieren. In einem Depot für einen jungen Unternehmer könnte beispielsweise mit einem 50 Prozent Aktienanteil, der überwiegend auf handverlese Werte aus aller Welt und teilweise auf komplette Aktien-Indizes setzt, langfristige Chancen genutzt werden.

Mit dem Alter steigt dann die Gewichtung des Rentenanteils sukzessive. Insbesondere Staatsanleihen von Investmentgradeschuldnern wie Deutschland bringen dann zwar nur noch wenig Rendite, schwanken aber im Wert überschaubar und sind in der Regel leicht handelbar. Sie können auch als Liquiditätsreserve genutzt werden. Nicht nur in Ruhestandszeiten ein entscheidender Vorteil im Vergleich etwa zu staatlich geförderten Modellen, die vor dem Renteneintritt nicht mehr angetastet werden können. Ein Notgroschen in Gold dient zudem als letzte Reserve gegen unberechenbare Entwicklungen.

Interview: "Flexible Bausteine von Anfang an einplanen"

Vermögensverwalter Andreas Schyra, Vorstandsmitglied der PVV AG aus Essen, rät Selbstständigen die Altersvorsorge nicht auf die lange Bank zu schieben, stattdessen lieber mit kleinen Beträgen früh zu beginnen.

Wie wichtig ist die Balance zwischen flexiblen Bausteinen und insolvenzsicheren Pfeilern einer Altersvorsorge für Selbstständige?

Andreas Schyra : Generell sollte das Privatvermögen von Firmenvermögen möglichst getrennt sein, damit im Falle einer Insolvenz neben dem eigenen Arbeitsplatz nicht auch noch das Angesparte gefährdet ist. Zudem sollte darauf geachtet werden, nicht nur in relativ starre Altersvorsorge-Modelle, wie betriebliche Altersvorsorge oder Rürup einzuzahlen. Zum Beispiel bei einem Fondssparplan, ist es überhaupt kein Problem, die Höhe der Einzahlung an die Lebenssituation anzupassen oder auch mal bei Bedarf Anteile zu verkaufen.

Wie lassen sich flexible Bausteine im momentanen Umfeld noch rentabel anlegen?

Schyra: Generell sind Sparpläne auf aktiv gemanagte Fonds oder passive Indexfonds günstige Instrumente, breit diversifiziert Vermögen auch im Niedrigzinsumfeld langfristig attraktiv anzulegen. Eine unveränderte monatliche Einzahlung gleicht zudem ein Stück weit Marktschwankungen aus, da in Schwächephasen mehr und in Hochzeiten weniger gekauft wird. Es gibt solche Sparpläne auch im Rahmen von Versicherungen, aber hier muss genau geprüft werden, ob das im Einzelfall Risiken sinnvoll reduziert oder der Ertrag durch die Gebühren zu stark beschnitten wird.

Macht eine Altersvorsorge über Aktien und Fonds erst ab einem hohem Einkommen Sinn oder lässt sich das auch mit kleineren Beträgen umsetzen?

Schyra: Entscheidend sind nicht hohe Einzahlungen sondern die lange Laufzeit. Anfangen kann man Fondsparpläne zum Teil schon ab 25 Euro im Monat, das sollte selbst in der Gründerphase machbar sein und kann notfalls ja auch ganz ausgesetzt werden. Läuft es später besser, kann der Betrag jederzeit erhöht werden oder andere Produkte zusätzlich bespart werden. Entscheidend für den Erfolg ist es aber, auch in Krisenzeiten mutig weiter dabei zu bleiben.

Was sind die häufigsten Fehler, die Selbstständige bei der Planung der eigenen Altersvorsorge machen?

Schyra: Einerseits kalkulieren viele den Aufwand zu niedrig, um dann tatsächlich den Lebensstandard im Alter zu halten. Außerdem warten nicht wenige schlicht zu lange mit dem Zurücklegen, um den langfristigen Anlagehorizont nutzen zu können. Nicht unterschätzen sollten Selbstständige zudem die zum Teil sehr hohen Kosten einer privaten Krankenversicherung im Alter.

Innerhalb der Eurozone gibt es immer wieder Probleme, wie kann man sich unter dem Aspekt Altersvorsorge davor schützen?

Schyra: Es ist sicher eine gute Idee, einen Teil des Vermögens international breit gestreut anzulegen, also auch über die Eurozone hinaus mit Hilfe von mehreren Fondsprodukten zu investieren. Natürlich können einen globale Marktschwankungen trotzdem treffen, aber man ist nicht von der Entwicklung in einer Region oder einem Land völlig abhängig.

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