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Absicherung für das Alter Altersvorsorge für Selbstständige: Das muss man beachten

Auch Betriebsinhaber sollten ihre Altersvorsorge auf mehrere Säulen stützen. Die DHZ zeigt, welche Möglichkeiten es gibt. Eine Sache ist klar: Beratung ist essenziell.

Nicht erst seit den Regierungsplänen zur Einführung einer Vorsorgepflicht für Selbstständige, stellt sich auch für viele Betriebsinhaber im Handwerk die Frage, wie sicher ihre Altersvorsorge ist. Das Rentenniveau der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) sinkt. Die Rendite für Anlageprodukte und Lebensversicherungen ebenso. Mögen die Berechnungen des WDR zur Altersarmut vieler alter Menschen auch übertrieben sein, die Frage, auf welches Pferd man bei der Vorsorge setzen soll, stellt sich umso drängender.

Auch Handwerker nutzen ­mehrere Säulen

Doch wie sind selbstständige Handwerksunternehmer bisher überhaupt versichert? Eine Frage, die sich auch nicht ohne weiteres beantworten lässt. Ähnlich wie bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten basiert das ideale Modell eines Betriebsinhabers auf mehreren Säulen: der Pflichtversicherung in der GRV und der privaten Absicherung über Versicherungen oder Anlageprodukte.

Viele Betriebsinhaber rechnen ­außerdem insgeheim noch mit den Erlösen aus der Veräußerung ihres Unternehmens zum Ende des Erwerbslebens. Michael Hadersdorfer, Vorsorgeberater bei der Handwerkskammer für München und Oberbayern, rät davon allerdings ab. "Viel zu viele Unwägbarkeiten", sagt er, "vom Streit innerhalb der Familie bis zu unrealistischen Erwartungen über den Preis des Unternehmens." Aber auch alle anderen Pfeiler sind nicht ohne Tücken.

Einschätzung Altersvorsorge

Handwerkerpflichtversicherung: Jeder Handwerker, der ein Einzelunternehmen gründet, das laut Handwerksordnung der Anlage A zuzurechnen ist, ist für 18 Jahre in der GRV pflichtversichert. Ausbildungs-, Gesellen- und Erziehungszeiten werden auf diese Zeit angerechnet. Danach können sie sich befreien lassen. Der Nachteil einer Befreiung ist, dass eventuelle gesetzliche Ansprüche wie eine Erwerbsminderungsrente verlorengehen können. Hadersdorfer rät, genau abzuwägen und sich vor einer Befreiung eingehend beraten zu ­lassen.

Immer weniger selbstständige Handwerker sind in der Gesetzlichen Rentenversicherung

Handwerker aus Gewerken der Anlagen B1 und B2 sind nicht pflichtversichert. Und auch Inhaber von Kapitalgesellschaften wie GmbHs zahlen keine Pflichtversicherungsbeiträge, wenn sie mindestens 50 Prozent des Stammkapitals halten. Das heißt, ein großer Teil der Handwerksunternehmer erwirbt aus der GRV überhaupt keine Ansprüche. Generell nimmt die Zahl der Pflichtversicherten bis auf Ausnahmen seit dem Jahr 2000 kontinuierlich ab. Nach einer Statistik der Deutschen Rentenversicherung waren 1992 noch 78.399 Handwerker Mitglieder der GRV. Ende 2014 waren es noch 49.245.

Hadersdorfer beklagt das Problem der Planungsunsicherheit. Viele Eingriffe durch den Gesetzgeber in der Vergangenheit beeinträchtigten das Vertrauen der Versicherten und machen es schwer, einzuschätzen, was an Rente aus der GRV zu erwarten ist.

Private Vorsorge: Auch zur individuellen privaten Vorsorge gibt es keine zentral erfassten Zahlen. Abgesehen von den üblichen Produkten wie Lebens- und Rentenversicherungen gibt es im Handwerk das vielfach genutzte Modell der Versorgungswerke. Laut ZDH gibt es mehrere 100 Versorgungswerke, eigenständig eingetragene Vereine.

Immobilien können bei der Absicherung helfen

Die Versorgungswerke schließen als Selbsthilfeeinrichtungen mit berufsständischen Versicherungsgesellschaften Kollektiv- und Rahmenverträge ab. Wie alle anderen Produkte der privaten Vorsorge sind diese auf eine Rendite angewiesen.

Zusätzlich können sich Handwerker über die betriebliche Altersvorsorge absichern, wenn sie als Gesellschafter-Geschäftsführer in einer GmbH beschäftigt sind.

Ein weiterer Teil der privaten Vorsorge ist die Investition in Immobilien. Mietfreies Wohnen im Alter oder die Vermietung von Häusern oder Wohnungen können einen Teil des Lebensunterhalts sichern.

So oder so: Die Entscheidung für eine Vorsorge ist mehr denn je komplex. Die Handwerkskammern bieten deshalb auch zur Altersvorsorge umfassende Beratung.

Handwerker in der gesetzlichen Rentenversicherung

Handwerker gehören zum Kreis der Pflichtversicherten in der gesetztlichen Rentenversicherung (GRV). So sind die Regeln:

Selbstständige Handwerker sind dann versicherungspflichtig, wenn sie

  • in die Handwerksrolle eingetragen sind und
  • tatsächlich selbstständig arbeiten
Zulassungspflichtige Gewerbe (Anlage A der Handwerksordnung): Sind Handwerker in einem zulassungspflichtigen Handwerk selbstständig tätig, sind sie in der Rentenversicherung pflichtversichert.

Zulassungsfreie Gewerbe (Anlage B1 und B2 der Handwerksordnung): Üben Handwerker ein zulassungsfreies Handwerk oder ein handwerksähnliches Gewerbe aus, sind sie nicht versicherungspflichtig. Die Versicherungspflicht kann jedoch aufgrund anderer Voraussetzungen eintreten, zum Beispiel bei Selbstständigen mit nur einem Auftraggeber. Waren Handwerker bereits vor Änderung der Handwerksordnung (2004) und damit in einem ehemals zulassungspflichtigen Handwerk tätig, sind sie auch weiterhin versicherungspflichtig.

Gesellschafter: Gesellschafter einer in der Handwerksrolle eingetragenen Personengesellschaft sind rentenversicherungspflichtig, wenn sie persönlich die Voraussetzungen für die Eintragung in die Handwerksrolle erfüllen. Das heißt, sie müssen über die erforderliche Qualifikation (in der Regel Meisterbrief) verfügen. Ob die Gesellschafter persönlich haften oder als Komanditist an der Gesellschaft beteiligt sind, spielt keine Rolle. Zu den Personengesellschaften zählen unter anderem die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), die Kommanditgesellschaften (KG) und die offenen Handelsgesellschaften (OHG).

Quelle: Deutsche Rentenversicherung Bund

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