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Unternehmensgründung Alleinerziehend und selbstständig: Eine Frage des Managements

Ende letzten Jahres eröffnete Augenoptikermeisterin Conny Beyer-Pfitzer ihren eigenen Laden in der Innenstadt von Naumburg. Die alleinerziehende Mutter eines Sohnes wirkt jedoch ziemlich tiefenentspannt. Das hat mehrere Gründe.

Bei die "Brillenmacherin" ist alles etwas anders, als man es beim Optiker gewohnt ist. Brillengestelle hängen an Bindfäden und liegen in Vintagemöbeln aus. Am Eingang ist eine Kinderecke eingerichtet, in der die Jüngsten spielen können, während sich Mama oder Papa beraten lassen.

"Wir nehmen uns Zeit. Eine Tasse Kaffee oder ein kurzer Plausch gehören mit zum Service. Bei uns geht es sehr familiär zu", sagt Inhaberin Conny Beyer-Pfitzer tiefenentspannt. Dabei hat die Augenoptikermeisterin allen Grund gestresst zu sein. Die 40-Jährige ist alleinerziehend und hat am 1. Dezember ihr Geschäft eröffnet. Dafür hat sie bei null angefangen. "Ich möchte zeigen, dass man sich selbstständig machen kann, auch wenn man alleinerziehend ist", sagt Conny Beyer-Pfitzer. Alles sei eine Frage des Managements und einer guten Organisation. Sie habe ein funktionierendes Netzwerk aus Familie und Freunden, das sie unterstützt. Und falls alle Stränge reißen, nimmt sie ihren sechsjährigen Sohn Bobby mit ins Geschäft.

Familie und Freunde ein wichtiger Pfeiler

Sie möchte für ihren Sohn da sein. Dazu gehört es für sie auch, gestärkt in den Tag zu gehen. Ihr Geschäft öffnet sie deshalb erst um 10 Uhr. "Ich habe jahrelang gepowert und nicht an mich gedacht", sagt sie. "Irgendwann rächt es sich." Als Unterstützung steht ihr Mitarbeiterin Cornelia Prüfer zu Seite, die bereits jahrelang im Augenoptikerbereich tätig ist und wertvolle Erfahrungen mitbringt. Gemeinsam bauen sie ihren Kundenstamm und das Geschäft Schritt für Schritt auf.

Die jüngste Anschaffung ist ein Keratograph, mit dem unter anderem der Tränenfilm analysiert werden kann. "Am Bildschirm kann ich dem Kunden das Ergebnis zeigen und ihm erklären, wo das Auge trocken ist. Wer sieht, was nicht funktioniert, ist auch bereit, mehr Geld in seine Augen zu investieren", sagt sie. Ein nächster Bereich, den sich Conny Beyer-Pfitzer aufbauen möchte, ist die Kinderoptometrie. "Meine Erfahrung hat ge­zeigt, dass Eltern nicht gut aufgeklärt werden, wenn es um die Augengesundheit ihres Kindes geht", sagt sie.

Bei der Umsetzung ihrer Ideen steht ihr Michael Hirsch, Betriebsberater der Handwerkskammer Halle, zur Seite. Mit ihm hat sie unter anderem erfolgreich die Meistergründungsprämie beantragt. "Er ist mit mir alles durchgegangen. Seine Hilfe ist eine unglaubliche Bereicherung", sagt sie mit Blick aus dem Fenster. Gerade schaut eine Passantin neugierig ins Geschäft. Conny Beyer-Pfitzer winkt ihr freundlich zu. Es sind die kleinen Dinge, die sich früher oder später auszahlen.

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