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Perspektiven für Geflüchtete Der Kampf ums Bleiberecht: Ali Foladi gibt nicht auf

Tagsüber steht Ali Foladi in der Backstube des Fuchshofes und rührt Teig an, formt Brötchen, verziert Torten. Nachts kommen die Gedanken: Wird er das auch in einem Monat, in einem Jahr noch tun können? Wenn es nach dem Staat geht: Eher nicht. Gerade wurde der Asylantrag des 30-Jährigen nach jahrelangem Verfahren abgelehnt, er ist ausreisepflichtig und muss, wenn auch der Widerspruch scheitert, mit der Abschiebung rechnen.

Wenn es nach Heinrich Fuchs geht, gilt es, genau das zu verhindern: "Wir werden alle Hebel in Bewegung setzen, damit Ali bleiben kann", sagt der Landwirtschaftsmeister, der mit seiner Familie auf dem Fuchshof bei Dingelsdorf (Landkreis Konstanz) ein florierendes Unternehmen aufgebaut hat. Außer Obstbau gehören ein Hofladen, eine Besenwirtschaft und eine Backstube dazu. Gut 20 Mitarbeiter arbeiten hier, seit drei Jahren ist Ali Foladi bereits dabei.

Begonnen hatte es mit einem Praktikum, das ehrenamtliche Helfer vermittelt haben. Dann ließ sich der gebürtige Afghane, der schon in Pakistan – der ersten Station seiner Fluchtgeschichte – als Bäcker gearbeitet hatte, vom Hefezopf bis zur Hochzeitstorte in die Geheimnisse der deutschen Backkunst einführen . Mittlerweile hat er sich unentbehrlich gemacht. "Es würde eine riesige Lücke reißen, wenn Ali wegmüsste. Er ist einer von drei Vollzeitkräften und beherrscht alle Bereiche in der Backstube", sagt Juniorchefin Julia Trompeteler, die als Konditormeisterin eng mit ihm zusammenarbeitet.

So gute Mitarbeiter zu finden? Nicht nur im Lebensmittelhandwerk ein echter Glücksfall. Sie dann wieder zu verlieren, weil die Abschiebung droht? Ein menschliches wie wirtschaftliches Debakel, das durch die neue Duldungsregelung für Beschäftigte eigentlich verhindert werden sollte, in der Praxis aber nicht verhindert wird: "Die Voraussetzungen sind viel zu hoch", sagt Ines Rimmele, Juristin und Migrationsbeauftragte bei der Handwerkskammer Konstanz, die auch Ali Foladi und den Fuchshof in Sachen Bleiberecht berät.

"Auf den guten Willen der Behörden angewiesen"

In keinem ihrer rund 40 Fälle von Beschäftigten mit unklarem Aufenthaltsstatus würden sämtliche Hürden genommen. Haupthindernis: Die zwölfmonatige "Vorduldung", also die Zeit, die zwischen der Ablehnung des Asylantrags und der Beantragung der Beschäftigungsduldung liegen muss und in der Abschiebung jederzeit möglich ist. "In dieser Zeit sind die Betroffenen auf den guten Willen der Behörden angewiesen. Hier gibt es keine Rechtssicherheit", sagt Rimmele. Gleichzeitig sei die Gefahr einer Abschiebung gerade bei denjenigen höher, die aufgrund ihrer Arbeit ein geregeltes Leben führten. "Das macht den Zugriff leichter", so die Juristin. Vor diesem Hintergrund hat auch die Vollversammlung der Handwerkskammer Stellung bezogen und setzt sich für Planungs- und Rechtssicherheit, klare Richtlinien und realistische Anforderungen bei der Beschäftigungsduldung ein.

Schnellstmöglich mit der Ausbildung beginnen

Unternehmer wie Heinrich Fuchs empört die zögerliche Haltung der Politik in dieser Frage: "Zuerst gab es einen hohen gesellschaftlichen und politischen Druck, damit sich Betriebe an der Integration beteiligen. Das war ja auch in Ordnung und wir haben viel Zeit und Mühe investiert. Umgekehrt fragt jetzt aber keiner: 'Brauchen Sie Ihre Leute?"‘ Eine Frage, die Fuchs mit einem klaren Ja beantworten würde. Deshalb hat er nach einem Weg gesucht und ihn voraussichtlich auch gefunden: Ali Foladi soll am Fuchshof eine Ausbildung zum Konditor absolvieren, und das so schnell wie möglich.

Die Voraussetzungen dafür seien gut, glaubt Konditormeisterin Julia Trompeteler: "Praktisch kann er schon alles, das gleicht bestimmt die Theorie aus." Um ganz sicher zu gehen, will der künftige Azubi aber noch mehr Deutsch lernen und nach dem A2 auch das B2-Niveau erreichen. Das kann auch Ines Rimmele nur empfehlen: "Ausbildung mag auf dem Papier wie der Königsweg zum Bleiberecht klingen, aber man muss durchkommen. Sonst sind die Mühen umsonst."

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