Halle (Saale) -

Handwerkskammer und IHK legen Zehn-Punkte-Katalog vor Alarmruf für eine bessere duale Berufsausbildung

Die Handwerkskammer Halle (Saale) und die IHK Halle-Dessau schlagen Alarm: Sie könnten ihrer Verantwortung, für gut ausgebildeten Fachkräftenachwuchs in der Wirtschaft zu sorgen, nicht mehr voll gerecht werden.

Der weiterhin kraftvolle Einsatz der Unternehmen werde durch das gegenwärtige politische und gesellschaftliche Umfeld mehr als gehemmt, erklärten IHK-Präsidentin Carola Schaar und Handwerkskammerpräsident Thomas Keindorf bei der Vorstellung eines Zehn-Punkte-Katalogs mit Handlungsempfehlungen gegen die Ausbildungskrise.

Die beiden Präsidenten beklagen übereinstimmend, dass bürokratischer Aufwand und Zusatzkosten die Wirtschaft zunehmend und über Gebühr belaste, die Schmerzgrenze sei erreicht. „Zudem werden sich falsche Anreize und verschlechterte Bedingungen im Bildungssystem bitter rächen, wenn wir nichts unternehmen“, prognostiziert IHK-Präsidentin Schaar. „Es dürfte dann nicht bei Magenknurren vor geschlossenen Restauranttüren oder länger anhaltenden Dachschäden nach einem Sturm bleiben.“

Handwerkskammerpräsident Keindorf ergänzt: „Die Chancen, welche die duale Berufsausbildung für die jungen Menschen, für die Wirtschaft und damit für den zukünftigen Wohlstand unserer Gesellschaft bietet, werden sonst leichtfertig versiebt.“

Die duale Berufsausbildung stärken. Gemeinsam. Jetzt!

Die beiden Präsidenten rufen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft dazu auf, die duale Berufsausbildung unmittelbar und in gemeinsamer Anstrengung zu stärken. „Wir brauchen den Staat, um Strukturen zu schaffen, zu erhalten und – wo nötig – zu verbessern“, fordert Keindorf. Und Schaar ergänzt, auch die Unternehmen würden ihre Anstrengungen im Rahmen der Berufsorientierung erhöhen, um ihre Ausbildungsplätze besetzen zu können. „Es gilt jetzt für alle, Anreize zu setzen, Bedingungen zu verbessern und Chancen aufzuzeigen“, sagt Schaar.

Die Handlungsempfehlungen der gewerblichen Kammern reichen von Forderungen, wie die Allgemeinbildung der Jugendlichen im Land zu heben ist, über Vorschläge für eine zielgerichtete Berufsorientierung bis hin zu konkreten Maßnahmen, wie sich der Berufsschulunterricht besser organisieren lässt. „Zum Beispiel über ein Azubiticket“, präzisiert Keindorf. „Akademische und duale Ausbildung sollten in dieser Frage gleich behandelt werden!“

Förderpreis: 5.000 Euro für kreative Berufsorientierung an Schulen

Gerade bei der Berufsorientierung für Handwerks- und IHK-Berufe in den sachsen-anhaltischen Schulen sehen die beiden gewerblichen Kammern durchaus Nachholbedarf. Präsident Keindorf: „Aus Sicht der Wirtschaft muss eine gesamtgesellschaftliche Diskussion in Gang kommen, dass die Wege zum Wunschberuf auch mit einer Berufsausbildung möglich sind.“

Um einen Anreiz für mehr und intensivere duale Berufsorientierung an den regionalen Schulen zu setzen, loben die beiden Kammern im Süden Sachsen-Anhalts einen Förderpreis in Höhe von 4.000 Euro aus: Innovative und jugendgerechte Ideen von Lehrern und Schülern sollen unterstützt werden. Der Wettbewerb startet mit Beginn des kommenden Schuljahres. Eine gemeinsame Jury aus den Kammern, Vertretern des Landes und des Netzwerks „Berufswahl-Siegel“ wird die besten Projekte dann im Spätherbst prämieren. „Wir wissen aus unseren Kontakten zu vielen bereits engagierten Schulen: Oft mangelt es nicht an Ideen, sondern an den Umsetzungsmöglichkeiten“, erklärt Schaar. „Da helfen wir gerne – nicht nur mit Geld, sondern auch mit Kontakten zu Unternehmen!“

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