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Neues Urteil Aktienverluste beim Finanzamt steuerlich geltend machen

Wer bislang Aktien mit Verlusten verkaufte, konnte die Verluste nur dann steuerlich geltend machen, wenn die Transaktionskosten den Veräußerungspreis nicht überstiegen. Ein Urteil des Bundesfinanzhofs springt Aktionären nun jedoch zur Seite.

Grundsätze zu Kursgewinnen und Kursverlusten

Erzielen Sie aus dem Verkauf von Aktien, die Sie ab 2009 ins Depot geholt haben, einen Veräußerungsgewinn, behält die Bank auf diesen Gewinn Abgeltungsteuer ein. Verkaufen Sie die Aktien mit Verlust, berücksichtigt das Finanzamt diesen Verlust nur dann, wenn der Veräußerungspreis die von der Bank berechneten Transaktionskosten übersteigt (BMF, Schreiben vom 18. Januar 2016, Az. IV C 1 – S 2252/08/10004). Solche Veräußerungsverluste können nur mit anderen Kapitalerträgen verrechnet werden.

Beispiel zu Verkauf mit Verlust: Sie haben im Jahr 2009 und 2010 Aktien zum Preis von 5.760 Euro erworben und verkaufen diese 2018 für 14 Euro. Da die Bank Ihnen den Tipp zu diesem Aktienverkauf gegeben hat, werden nicht die üblichen Transaktionskosten von 220 Euro verlangt, sondern nur 14 Euro.

Folge: Das Finanzamt wird die Verluste steuerlich nicht berücksichtigen, weil der von Ihnen erzielte Veräußerungspreis nicht über den von der Bank erhobenen Transaktionskosten lag.

Bundesfinanzhof erkennt Auffassung der Finanzverwaltung nicht an

Der Bundesfinanzhof sieht für die Auffassung der Finanzverwaltung zur Beschränkung der steuerlichen Anerkennung von Verlusten keinen Spielraum. Nirgends im Einkommensteuergesetz steht, dass die Höhe der Transaktionskosten im Verhältnis zum erzielten Veräußerungspreis zu steuerlichen Einschränkungen steht. Deshalb dürfen Sie im obigen Beispielsfall darauf pochen, dass das Finanzamt die erlittenen Kursverluste aus Aktienverkäufen steuerlich anerkennt (BFH, Urteil vom 12. Juni 2018, Az. VIII R 32/16; veröffentlicht am 19. September 2018).

So kommen Aktionäre steuerlich zu ihrem Recht

Trotz dieses Urteils werden die Finanzämter die Verluste steuerlich nicht anerkennen, schon weil ihnen das neue BFH-Urteil nicht bekannt ist. Deshalb empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

  • Lassen Sie sich die Bescheinigung der Bank vorlegen.
  • Werden die Verluste steuerlich nicht berücksichtigt, weil der Veräußerungspreis der Aktien nicht über den Transaktionskosten lag?
  • Wenn ja, beantragen Sie in der Einkommensteuererklärung die Verlustberücksichtigung.
  • Lehnt auch das Finanzamt ab, legen Sie Einspruch ein und verweisen dezent auf das neue BFH-Urteil.
  • Verweist der Sachbearbeiter im Finanzamt auf das anderslautende BMF-Schreiben, weisen Sie darauf, hin, dass dieses BMF-Schreiben aufgrund des neuen BFH-Urteils angepasst werden muss.
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