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Geldanlage in Aktien Aktien lohnen sich auf lange Sicht

Immer noch sind die meisten Deutschen skeptisch – dabei eignen Aktien sich durchaus für die Altersvorsorge. Und so geht’s.

Friedrich Merz ist Millionär. Und glaubt man den Gazetten, hat das vor allem eine Basis: Merz hat sein Vermögen mit Aktien erworben – auch ein Grund dafür, warum er für seinen Wohlstand gelobt wird – vor allem in der Finanzpresse. "Nahezu die gesamte Bevölkerung könnte von ihm lernen", schrieb etwa das Magazin "Capital" Anfang des Jahres. Der andere Grund für die breite Akzeptanz: Merz möchte dass es ihm tatsächlich alle nachmachen. Er hat sogar vorgeschlagen, dass der Staat den Erwerb von Aktien fördern sollte.

Obwohl Experten seinen Ansatz fast einhellig befürworten, gab es auch Kritik. Ein solcher Vorschlag, so die Argumentation, würde nur die noch reicher machen, die ohnehin viel Geld haben. Denn nur dann sei der Kauf von Aktien sinnvoll.

Ob das stimmt, wie eine Förderung aussehen könnte, und wie Aktien auch für die Altersvorsorge von Normalverdienern genutzt werden können, beantworten drei Experten: die Münchner Finanzberaterin Constanze Hintze (Svea Kuschel + Kolleginnen), der Freiburger Vermögensmanager Mathias Lebtig (Financial Planning GmbH) und Franz-Josef Leven, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Aktieninstituts.

Sind Aktien wirklich eine gute Altersvorsorge?

Grundsätzlich ja, darin sind sich alle drei Experten einig – auch wenn gerade das vergangene Jahr, in dem die Kurse zum Teil stark abgerutscht sind, etwas Anderes nahelegen könnte. Doch alle Studien zu diesem Thema kommen zum selben Schluss: Über einen langen Zeitraum betrachtet, bringen Aktien immer gute Rendite. Das Dax-Rendite-Dreieck des deutschen Aktieninstituts weist im Schnitt sieben Prozent aus. Mit anderen Anlagearten ist das kaum zu erreichen. Allerdings bestätigt die Entwicklung 2018 auch die wichtigste Regel: Aktienkauf macht nur Sinn, wenn man einen langen Anlagehorizont hat. Mindestens acht bis zehn Jahre, sagt Leven. Von "über zehn" spricht Lebtig.

Wie viele Menschen haben in Deutschland schon Aktien?

Laut einer Studie des Aktienistitutes besaßen 2018 rund 10,3 Millionen Deutsche Aktien oder Aktienfonds, das sind 16,2 Prozent der Bürger, die älter als 14 Jahre sind. Bislang hat sich also nur jeder Sechste für diese Anlageform entschieden. Zwar ist diese Zahl in den vergangenen Jahren konstant gestiegen, aber deutlich geringer als im europäischen Ausland und nach Ansicht der Experten deutlich zu langsam.

Würde der Vorschlag von Friedrich Merz helfen?

Grundsätzlich sehen alle drei Experten den Ansatz von Merz positiv. Alle drei haben aber auch Bedenken, was die Umsetzung betrifft. Unbedingt erforderlich, betont Franz-Josef Leven, seien sozialpolitisch sinnvolle Lenkungsmaßnahmen, "damit tatsächlich auch mittlere Einkommensschichten angesprochen werden". Lebtig und Hintze fürchten, dass die Sache zu kompliziert werden könnte, und nennen als abschreckendes Beispiel die Riesterförderung, die aus beider Sicht zwar gut gedacht, aber schlecht gemacht war.
Zu viel Bürokratie, so Lebtig, schrecke ab. Sinnvoll fände er eine Steuerbefreiung, wenn die Aktien mindestens zehn Jahre gehalten werden, also nachweislich zur Altersvorsorge dienen. Hintze könnte sich aber auch einen Freibetrag vorstellen.

Lebtig hält einen weiteren Aspekt für fast noch wichtiger: eine bessere Aufklärung der Bevölkerung, die schon in den Schulen beginnen müsse. In Deutschland, bedauert er, dächten immer noch die meisten beim Thema Aktien an Spekulation und Zockerei. Doch das treffe es überhaupt nicht. Lebtig: "Aktienerwerb ist eine Investition in die wirtschaftliche Entwicklung."

Eignen sich Aktien wirklich für alle?

Hier herrscht wieder völlige Einigkeit unter den Experten: nein. Vor allem zwei Aspekte sprechen dagegen: der finanzielle Background (siehe hierzu die übernächste Frage) und die eigene Persönlichkeit "Wer in Panik gerät, wenn der Kurs mal fällt", stellt Lebtig klar, "der sollte besser die Finger davon lassen."

Wann ist der richtige Einstiegszeitpunkt? Gibt es eine Altersgrenze?

Der Erwerb von Aktien, so Constanze Hintze, ist eine Grundsatzentscheidung. "Da die Anlageform immer langfristig betrachtet werden muss, ist es kein Kriterium, wie der Aktienmarkt gerade steht." Auch eine Altersgrenze sehen die Experten nicht. Gerade im Rentenalter könne sich der Erwerb noch lohnen, wenn das Geld nicht kurzfristig gebraucht werde. Kurz: Es gibt keinen idealen Zeitpunkt. Einstieg ist jederzeit möglich.

Wie viel Prozent meines Geldes darf ich in Aktien investieren?

Franz-Josef Leven rät bei der Geld­anlage grundsätzlich zu einem dreistufigen Vorgehen. Zuallererst muss es darum gehen, den sogenannten Notgroschen zurückzulegen. Je nach persönlichem Sicherheitsbedürfnis sind dies drei bis sechs Monats­einkommen. Im zweiten Schritt gilt es, einen Finanzplan zu erstellen. Wann brauche ich in den nächsten fünf Jahren Geld? Steht eine größere Anschaffung an, etwa ein Autokauf, oder müssen größere Kredite abbezahlt werden?

Außerdem muss vor dem Aktienkauf die eigene Absicherung sichergestellt werden. Dabei unverzichtbar: die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Geld, was dann noch frei verfügbar ist, gehört in den Aktienmarkt.

Anlageprodukte

Müssen Selbstständige/Betriebs­inhaber etwas besonders beachten?

Grundsätzlich, erläutert Leven, gelte für Selbstständige derselbe Stufenplan. Wobei angestellte Handwerker ja nur die Differenz zwischen Rente und Lebensbedarf absichern müssen, Selbstständige eventuell die gesamte Altersvorsorge und den Betrieb, was ein differenzierteres Vorgehen erfordert. Zudem spielt die BU eine noch größere Rolle.
Lohnt es sich, Aktien auf Kredit zu kaufen?

Nein, stellen alle Berater klar. Leven erklärt warum: Kauft man auf Kredit, ist das Aktienpaket die Sicherheit für die Bank. Fallen dann die Kurse, kann es passieren, dass die Bank auf einem Verkauf besteht. Der Anleger kann also genau das nicht tun, was der Aktienmarkt normalerweise gebietet: abwarten. Die Bank erhält dann ihr Geld, der Anleger bleibt auf dem Verlust sitzen.

Einzelaktien oder Fonds?

Auch das ist vor allem Typsache. Wer in Einzelaktien investiert, muss sich ein Grundwissen aneignen, zum Beispiel nie in nur ein Unternehmen zu investieren. Das Beispiel der Telekom-Aktie, mit der Neueinsteiger viel Geld vernichtet haben, kennt fast jeder. Vermeiden lässt sich dies durch Streuung. Acht bis zehn Titel, so die Grundregel, sind das Minimum.

Einfacher sind Aktienfonds, die in der Regel deutlich breiter agieren. Sowohl Hintze als auch Lebtig plädieren gerade bei Einsteigern zum monatlichen Fondssparen. Man investiert immer dieselbe Summe, und je nachdem wie die einzelnen Kurse stehen, bekommt man mehr oder weniger Titel dafür.

Index- oder gemanagter Fonds?

Indexfonds bilden die bekanntesten Aktienindizes einfach ab, setzen also auf die Marktentwicklung als Ganzes. Zudem sind die Kosten überschaubar. Wer sich nicht auskennt, findet Lebtig, ist mit Indexfonds immer gut bedient. Dabei empfiehlt er, auf solche zu setzen, die weltweit anlegen.

Constanze Hintze spricht sich durchaus für gemanagte Fonds aus, weil der Manager durch wohlüberlegte Investments versuche, den Index zu schlagen. Höhere Kosten können sich so trotzdem rechnen.

Wie hoch sollte die Mindestsumme eines Invests sein?

Hier kommt es auf die Form an. Wer monatlich anspart, kann durchaus mit 100 Euro im Monat anfangen, erläutert Lebtig. Bei einmaligen Investitionen ist entscheidend, ob ein Berater eingeschaltet werden soll. Dann lohnt sich das Geschäft für beide (Berater und Anleger) erst ab einer Summe von rund 10.000 Euro. Will man dagegen selbst zum Beispiel über eine Direktbank kaufen, kann die Summe auch deutlich geringer sein.

Müssen Anleger immer schnell ­reagieren?

Grundsätzlich raten alle Experten zur Ruhe. Um von Aktien profitieren zu können, ist es wichtig zu verstehen, wie Kursbewegungen zustande kommen. Neben echten Unternehmensdaten steuert die Psychologie den Aktienmarkt. Herrscht euphorische Stimmung, springen viele auf den Zug auf – oft zu überteuerten Kursen. Oder anlog werden bei mieser Stimmung Aktien verkauft, ohne dass es dafür wirtschaftliche Gründe gibt.

Wo kann man sich informieren?

Wer sich über Unternehmen und deren Geschäftsmodelle informieren will, sollte alle Quellen nutzen: angefangen bei der Unternehmenswebseite über Geschäftsberichte bis hin zu professionellen Beratern.

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