Technik -

Neun Hersteller - ein Batteriesystem Akku-Allianz strebt kabellose Baustelle an

Neun Hersteller von Elektrowerkzeugen wollen ein gemeinsames Akku-System unter der Marke CAS etablieren. Die Batterien stammen vom Technologieführer Metabo.

Immer mehr Handwerker greifen lieber zu einem akkubetriebenen Elektrowerkzeug, als sich auf der Baustelle noch mit Kabelsalat herumzuärgern. Jetzt könnte der Wechsel vom netzgebundenen zum kabel­losen Gerät weiter an Tempo gewinnen. Zum einen werden die Akkus immer leistungs­stärker. Zum anderen etablieren teils konkurrierende Hersteller ein einheitliches Akku-System, das unter der Marke CAS im Handwerk schnell an Bekanntheit gewinnen soll.

CAS steht für Cordless Alliance System und zeigt dem gewerblichen Anwender an, dass alle Werkzeuge, Batterien und Ladegeräte mit diesem Label untereinander kompatibel sind. Alle neun Hersteller der Kooperation hatten ihre Geschäftsführer aufgeboten, um bei der Premiere von CAS in Rottweil die Vorteile ihres Systems zu rühmen. Und die liegen auf der Hand: Die meisten Bauhandwerker arbeiten teils mit branchenspezifischen Spezialwerkzeugen, teils mit Maschinen, die in nahezu allen Gewerken verwendet und dementsprechend in viel größerer Stückzahl und von viel mehr Herstellern produziert werden. Dass alle Maschinen eines Betriebs vom gleichen Hersteller stammen, dürfte die Ausnahme sein. Würde aber jeder Hersteller seinen eigenen Akku verbauen, müssten die Handwerker ein ganzes Sammelsurium an Batterien und Ladegeräten mit sich schleppen.

Innovationssprung bei Stromspeichern

Hinzu kommt ein anderes Problem: Die Akku-Technologie erlebt gerade einen Boom. Dem enormen Entwicklungsdruck könnten kleinere Hersteller wie das aufs Holzhandwerk spezialisierte Familienunternehmen Mafell aus Oberndorf am Neckar oder die Gerd Eisenblätter GmbH aus Geretsried, deren Kompetenz im Verschönern von Metalloberflächen liegt, gar nicht standhalten. Deshalb haben sie sich wie sechs weitere Elektrowerkzeughersteller dazu entschlossen, bei den Akkus auf das Know-how von Metabo zu setzen.

Das Traditionsunternehmen aus Nürtingen verfolgt schon seit Jahren die Vision von der kabellosen Baustelle. 2015 gelang Metabo mit der Entwicklung einer neuen Generation von Stromspeichern ein Innovationssprung, der die Anwendungsbereiche kabelloser Geräte gewaltig vergrößerte. Die Lithium-Akkus mit der Bezeichnung LiHD bieten laut Metabo bis zu 67 Prozent mehr elektrische Leistung und eine deutlich höhere Laufzeit als die Vorgängermodelle.

Akku

„Metabo hat sich in den vergangenen Jahren die Technologieführerschaft erobert und bietet aktuell das leistungsfähigste Akku-System der Branche“, begründete Geschäftsführer Christian Heine die Teilnahme der Rothenberger Werkzeuge GmbH an der „Schnurlos-Allianz“ CAS. Das Unternehmen aus Kelkheim im Taunus beliefert das SHK-Handwerk mit Rohrwerkzeugen wie elektrohydraulische Akku-Pressmaschinen, die der Geselle im Schnitt nur 20 Minuten pro Arbeitstag benutzt.

In diesem Jahr hat Metabo die Leistungskraft seiner Akku-Packs noch einmal gesteigert. Die jüngste Generation liefert in der 18-Volt-Ausführung bis zu 1.600 Watt bei einer Kapazität von 8 Amperestunden (Ah). „Damit können wir heute jedes handgeführte Elektrowerkzeug als Akku-Maschine bauen – und zwar mit genügend Leistung und Ausdauer für professionelle Anwender“, betonte Metabo-Geschäftsführer Horst Garbrecht. CAS sei nicht für den Do-it-yourself-Bereich gedacht, sondern ausschließlich für den gewerblichen Einsatz, stellte Garbrecht klar.

Durch den Leistungszuwachs der Akkus gewinnt die Schnurlos-Philosophie immer mehr Anhänger wie den erzgebirgischen Elektrowerkzeuge-Hersteller Eibenstock. „Für unsere Putzbearbeitungsmaschinen war die Akku-Technologie bisher noch nicht leistungsfähig genug. Das ändert sich aber gerade“, sagte Geschäftsführer Hendrik Kreutel. Auch andere Mitglieder der Allianz wollen erste Geräte von der Steckdose lösen.

CAS-Akkus passen an 110 Elektrowerkzeugen

Alexander Essing, Geschäftsführer des Gaimersheimer Rührwerk-Spezialisten Collomix, reagiert damit auch auf das Kundeninteresse. „Eigentlich ist die Mobilität auf der Baustelle bei unseren Rührwerken nicht so wichtig. Aber speziell für Fliesenleger wollen wir eine schnurlose Variante anbieten“, kündigte Essing an. Spätestens im nächsten Jahr sollen auch die ersten Heißluftgeräte und Heißklebepistolen von Steinel ohne Netzkabel auf den Markt kommen.

Aktuell passen die CAS-Akkus schon an 110 verschiedene Elektrowerkzeuge. Doch die Zahl dürfte sich schnell erhöhen, denn alle Mitglieder der Allianz haben bereits weitere Akku-Geräte angekündigt. Auch ein Mehrfach-Ladegerät sei in Planung. Außerdem verhandelt die Allianz mit drei weiteren Herstellern, die sich anschließen möchten.

Das rasante Wachstum bei schnurlosen Elektrowerkzeugen könnte allerdings von steigenden Rohstoffpreisen gebremst werden. Metabo-Chef Garbrecht rechnet zumindest vorübergehend mit einer schwierigen Versorgungslage. „Aber es werden bereits neue Minen erschlossen und neue Zellfabriken gebaut, so dass sich die Lage wieder entspannen wird“, hofft Garbrecht. Ob es den kabellosen Installateur, wie von Rothenberger-Geschäftsführer Heine prophezeit, schon in fünf Jahren geben wird, bleibt aber eine offene ­Frage.

Die Allianz

  • Collomix: Rührer und Rührwerke für das Mischen von Baumaterial
  • Eisenblätter: handgeführte Schleifwerkzeuge und Maschinen für das Schleifen, Polieren und Trennen von Metalloberflächen
  • Elektrowerkzeuge Eibenstock: Elektrowerkzeuge für das Bau- und Ausbaugewerbe mit speziellen Lösungen in der Diamant-Trenntechnik und für Verputzer
  • Electrostar: Nass- und Trockensauger unter der Marke Starmix
  • Haaga: Handkehrmaschinen
  • Mafell: Elektromaschinen für das Holzhandwerk
  • Metabo: Elektrowerkzeuge für das Bau- und Ausbaugewerbe sowie für die Metallbranche. Hersteller der Akkus für das CAS-System
  • Rothenberger: Rohrwerkzeuge und Maschinen für Installateure, Heizungsbauer, Kälte-Klima-Techniker und Servicemonteure in Kälte-, Gas- und Umwelttechnik
  • Steinel: Heißluftgeräte und Heißklebepistolen

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