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Schweinefleisch beim Metzger Afrikanische Schweinepest lässt Fleisch- und Wurstpreise steigen

Die Afrikanische Schweinepest grassiert in China. So entstehen Versorgungsengpässe beim Schweinefleisch. Immer mehr davon wird von Europa nach Asien exportiert. Zwar rückt die Tierseuche auch näher an Deutschland ran. Doch derzeit bestimmen vor allem Preisanstiege bei Fleisch und Wurst den Markt. Wie sich dieser 2020 weiterentwickelt, ist ungewiss.

Bereits im Sommer dieses Jahres mussten die Fleischereien in Deutschland vielerorts die Preise erhöhen. Der Preiswettbewerb zieht mehr und mehr an. Um 40 Prozent ist Schweinefleisch bereits im Laufe des Jahres 2019 teurer geworden. Bestimmt vom Großhandel müssen dann auch die kleinen und regionalen Fleischlieferanten mitziehen und das spüren wiederum die Metzger beim Einkauf für die Fleisch- und Wurstprodukte, die sie in ihrem Ladengeschäften anbieten. Am Ende muss auch der Verbraucher tiefer in die Tasche greifen, wenn die Kosten für die Fleischereibetriebe zu stark steigen.

Schweinefleisch ist 40 Prozent teurer geworden

Zwar sind die Kunden des Lebensmittelhandwerks nach Angaben des Deutschen Fleischer-Verbands (DFV) durchaus bereit mehr für die handwerklich hergestellten, regionalen Waren zu bezahlen als im Supermarkt. So erlebte die Branche auch noch keine rückläufige Nachfrage. Dennoch sind die höheren Preise derzeit für alle spürbar. "Auch die bäuerlichen Fleischproduzenten aus der Region sind nicht vom internationalen Markt abgekoppelt und werden vom ihm in der Preisbildung beeinflusst", sagt Klaus Hühne vom DFV. Er bezieht sich dabei auf das, was die Preise für Schweinefleisch derzeit so stark nach oben treibt: die Afrikanische Schweinepest. 

Denn diese ist nicht nur in Osteuropa ein großes Thema, von wo aus sie Deutschland immer näher kommt. Auch in Asien, wo traditionell sehr viel Schweinefleisch gegessen wird, grassiert sie. Dort kommt es bereits dazu, dass sehr viel Schweinefleisch importiert wird, weil die heimischen Schweine nicht mehr verzehrt werden dürfen. Umso mehr Schweinefleisch allerdings von Deutschland bzw. ganz Europa nach Asien geht, umso knapper ist es und umso teurer wird es.

Das Fleischerhandwerk verspricht ganz klar, dass die Qualität der Produkte in den Betrieben durch die aktuelle Lage nicht beeinträchtigt wird. Aber bis zu welcher Höhe die Preise noch steigen, weiß bisher keiner. „Bricht die Schweinepest bei uns aus, kann die Entwicklung auch ganz schnell in die andere Richtung gehen“, sagt Klaus Hühne.

Schweinefleisch: Preise 2020 spekulativ

Derzeit findet die Frage nach einer langfristigen Preisentwicklung fürs kommende Jahr beim Schweinefleisch hierzulande auch die Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI), die die Verbraucherpreise in Deutschland erfasst und beobachtet, noch extrem spekulativ.

Wegen der hohen Hygienestandards und Sicherheitsauflagen in deutschen Schweineställen sei ein Übergreifen der für Menschen ungefährlichen Krankheit auf Hausschweine eher unwahrscheinlich, wenn auch nicht unmöglich. Diese Prognose gibt Tim Koch von der AMI. Damit sei die Ausgangslage in Deutschland anders als in China, weil mit einer Verknappung der Ware im großen Umfang und einem weiteren starken Preisanstieg rechnet erst einmal nicht.

Bricht die Schweinepest hierzulande aus, geht er davon aus, dass in Deutschland zumindest kurzfristig die Nachfrage nach Schweinefleisch einbrechen werde. "Das war bislang immer so, egal ob bei Vogelgrippe oder Dioxin-Eiern", sagt Koch. Die Erfahrung zeige aber, dass die Verbraucher danach schnell wieder zu den Produkten greifen.

Afrikanische Schweinepest: Hohe Gesundheitsauflagen in Deutschland

Auch wenn die Afrikanische Schweinepest in Deutschland nur bei Wildschweinen auftreten sollte, hätte es wirtschaftliche Folgen für die gesamte Fleischbranche. Schweinefleischexporte in Länder außerhalb der EU wie nach China oder in andere asiatische Länder würden gestoppt. Innerhalb der Europäischen Union könnte der Handel hingegen weitgehend aufrechterhalten werden. Nur für Regionen, in denen die Afrikanische Schweinepest auftritt, würde es Transport- und Handelsverbote geben, abgestuft nach Zonen. Außerhalb dieser regionalisierten Zonen wäre der Handel weiterhin möglich. Auch für das Geschäft mit Kanada, den USA und vielen anderen Ländern gebe es im ASP-Fall keine Beschränkungen.

Für den Handel mit vielen anderen Ländern außerhalb der EU gelten hingegen andere Regeln. Für den Export von tierischen Produkten werden mit den einzelnen Ländern Handelsabkommen geschlossen, die an Gesundheitsauflagen geknüpft sind. Die aktuell geltenden Zertifikate für den Handel von Schweinefleisch mit China und anderen asiatischen Ländern fordern, dass kein ASP-Fall in Deutschland aufgetreten ist. Deutschland verhandelt zwar mit China darüber, auch die in Europa geltenden Regionalisierungsmaßnahmen anzuerkennen, bislang aber ohne Erfolg, heißt es vom Bundeslandwirtschaftsministerium.

Wegen der Schweinepest in China, dem weltweit größten Verbraucher und Produzenten von Schweinefleisch, sind die Exporte auch aus Deutschland in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Das hatte Auswirkungen auf die Verbraucherpreise in Deutschland: Nach Angaben der AMI liegt der Preis für Schweinefleisch liegt im Schnitt in diesem Jahr acht Prozent über dem Vorjahresniveau. AMI-Experte Tim Koch rechnet damit, dass die Verbraucherpreise in Deutschland im nächsten Jahr erst einmal weiter steigen werden. Auch Gummibärchen sind teurer geworden, beobachtete die "Lebensmittelzeitung" - sie bestehen zum großen Teil aus Gelatine, die aus Schweinegewebe hergestellt wird.

mit Material von dpa

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