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Lebens- und Arbeitserfahrung im Betrieb Ältere Mitarbeiter: Wie Chefs von der Erfahrung profitieren

Ältere sind körperlich oft nicht mehr voll leistungsfähig. Im Handwerk sind sie trotzdem unverzichtbar. Wie Chefs diese Lebens- und Arbeitserfahrung nutzen können.

Johann Meier hatte Glück im Unglück. Schon mit Mitte 30 erlitt der Schreiner einen schweren Bandscheibenvorfall. Fast sechs Wochen lang war er krank, danach wusste er: Die Zeiten, in denen er große, schwere Teile tragen und montieren konnte, waren vorbei.

Heute, 20 Jahre später, arbeitet Johann Meier immer noch in der Schreinerei Mayr in Manching. Hier hat er seine Ausbildung gemacht, hier hat er schwer körperlich gearbeitet, und hier fand er auch, nach seinem Bandscheibenvorfall, neue Aufgaben als Werkstattleiter, Betreuer der Azubis und schließlich als Produktionsleiter.

40 Jahre Erfahrung werden geschätzt

Niemand im Betrieb hat so viel Erfahrung wie der 55-Jährige, und das wird geschätzt: "Die Kollegen fragen mich regelmäßig: `Wie würdest du das lösen?` Und was ich dann sage, gilt auch“, kommentiert Meier nüchtern.

Andreas Mayr

Auch Ältere profitieren von Arbeitsschutz

Andreas Mayr hat das verstanden. Er führt die Schreinerei Mayr in der dritten Generation. "Wir haben unsere Arbeitssicherheit bei der Berufsgenossenschaft (BG) zertifizieren lassen. Jetzt beteiligen wir uns am Projekt `Unternehmenswert Mensch`“, nennt der gelernte Schreiner zwei Beispiele, wie der Betrieb die Arbeitsbedingungen laufend verbessert. 35 Mitarbeiter hat das Unternehmen heute, alle Stellen sind besetzt.

Mayr, selbst 48 Jahre alt, setzt auf eine gute Altersmischung im Betrieb. Jede Gruppe habe ihre Stärken. An den Älteren schätzt Mayr deren absolute Zuverlässigkeit. "Denen muss man schon fast sagen, dass sie daheim bleiben sollen, wenn sie nicht gesund sind.“ Auch wenn die Zeit dränge und der Druck steige, seien die erfahrenen Kräfte widerstandsfähiger als die jungen Kollegen. Zudem beherrschten sie Techniken, die die Jungen kaum mehr kennenlernen: "Sie haben zum Beispiel ein besseres Händchen für Massivholz.“

Ältere weniger körperlich weniger belastbar

Auf der anderen Seite sind Mitarbeiter jenseits der 50 körperlich weniger belastbar als junge Gesellen – eine Schwierigkeit gerade für Kleinstbetriebe, in denen es nur begrenzt möglich ist, Aufgaben umzuverteilen. Doch Mayr ist überzeugt: Wer einen Mitarbeiter halten will, der findet auch Lösungen.

In der Schreinerei Mayr hat sich in den vergangenen Jahren vieles verändert, der Fokus der Arbeiten liegt heute im individuellen und hochwertigen Möbel- und Innenausbau für Privatleute und Gewerbekunden. Mayr hat 2012 in einen neuen Maschinenpark investiert: moderne, leistungsfähige, aber auch ergonomisch bessere Lösungen mit CAD-CAM-Anbindung, die das Heben schwerer Lasten und Zwangshaltungen auf ein Minimum reduzieren. "Die körperlichen Anforderungen sind viel geringer geworden“, bestätigt Johann Meier.

Aber genau diese Maschinen bereiteten auch neue Probleme. "Die Automatisierung ist vielen zu schnell gegangen, gerade Älteren. Sie fühlten sich überfordert. Aber keiner traute sich, es zuzugeben“, sagt Mayr. Erst durch die Befragungen im Rahmen von "Unternehmenswert Mensch“ kam dieses Problem zutage. Jetzt, wo das Team erkannt hat, dass alle ähnliche Probleme haben, sind auch die Hemmungen gesunken, einander um Hilfe zu bitten. Die Älteren lassen sich neuerdings auch einmal von den Jüngeren etwas zeigen.

So profitieren alle voneinander. Denn in kritischen Situationen oder wenn es hektisch wird, sind es Männer vom Kaliber Johann Meiers, die mit ihrer Lebens- und Arbeitserfahrung Ruhe ins Team bringen.

Unternehmenswert Mensch

Das Förderprogramm "Unternehmenswert Mensch“ unterstützt mittelständische Betriebe in ihrer Personalpolitik. Ziel ist, mit dem Betrieb Lösungen zu finden für Anforderungen wie den demografischen Wandel, krankheitsbedingte Engpässe oder Nachwuchsmangel.

Die Erstberatung ist für alle Betriebe kostenlos. Stellt sich der Betrieb hier als förderfähig heraus, bekommt er bis zu 80 Prozent Zuschuss zu den Kosten der dann folgenden Prozessberatung.

Mehr Informationen zum genauen Ablauf der Beratung und Förderbedingungen.

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