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Demografie und Gesundheitshandwerke Ältere Kunden: Chance und Herausforderung

Auch wenn eine älter werdende Gesellschaft mehr Bedürftige mit sich bringt, ist der Gesundheitsmarkt kein Selbstläufer für die Gesundheitshandwerke. Wie die Gesundheitshandwerke von der Demografie profitieren können.

Auch wenn eine älter werdende Gesellschaft mehr Bedürftige mit sich bringt, ist der Gesundheitsmarkt kein Selbstläufer für die Gesundheitshandwerke. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Technik der Betriebsführung in Karlsruhe (itb), die Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf die Branchen Orthopädietechnik, Hörakustik, Augenoptik, Orthopädieschuhtechnik und Zahntechnik untersucht hat.

Die Wissenschaftler vom itb haben Experten (Unternehmer und Vertreter von Verbänden) aus allen Gesundheitshandwerken befragt und kamen zumindest zu dem Ergebnis, dass die Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklung schon jetzt zu spüren sind. Für die Befragten ergeben sich daraus Chancen und Risiken.

Nicht nur der Bedarf, auch der Anspruch steigt

Klar ist: Es wird mehr verkauft. Der Bedarf an Medizinprodukten steigt. Die geburtenstarken Jahrgänge der um 1964 Geborenen sind inzwischen älter als 50 Jahre. Die Zahl der Krankheitsfälle nimmt somit zu. „In der individuellen technischen Orthopädie steigt der Bedarf durch den demografischen Wandel, da die Anzahl an Arthrosen, diabetischen Erkrankungen etc. im Alter ebenfalls nachgewiesen deutlich zunimmt“, bestätigt Klaus-Jürgen Lotz, Präsident des Bundesinnungsverbandes Orthopädie-Technik, für sein Gewerk.

Doch nicht nur aus der Tatsache, dass die Menschen Krankheiten bekommen, erwächst Nachfrage. Auch das Bewusstsein im Umgang mit der eigenen Gesundheit generiert Bedarf. Fitness und Gesundbleiben spielen eine immer größere Rolle.

Ein Risiko, das die Studie besonders hervorhebt, liegt in der Fachkräftesicherung. Denn als Folge der Demografie leiden auch die Gesundheitshandwerke unter sinkenden Bewerberzahlen und der Schwierigkeit, geeignete Mitarbeiter zu finden. Nach Aussage der Experten wird es zunehmend schwieriger, Stellen zu besetzen. Das Problem wird umso drängender, weil die Marktpotenziale besser ausgeschöpft werden können, wenn Mitarbeiter eine gute Ausbildung und Erfahrung im Umgang mit Kunden mitbringen.

Beratung und Dienstleistungen seien langfristig wichtiger als die Herstellung von Produkten, die mithilfe der Digitalisierung zukünftig immer einfacher zu produzieren sind. Schließlich steigt nicht nur der Bedarf, sondern auch die Ansprüche an die Versorgung. „Wenn wir in Zukunft keinen Fachkräftemangel haben wollen, müssen wir mehr ausbilden“, sagt Lotz. Unternehmen und Verbände müssten Hand in Hand arbeiten, um offene Stellen schnellstmöglich besetzen zu können, fordert er.

Bedürfnisse der Mitarbeiter immer wichtiger

Lotz sieht die Verbände in der Pflicht, die Betriebe verstärkt zu unterstützen. Denn eines macht die Studie ebenfalls deutlich: Im Alltag mit seinem wachsenden Verwaltungsaufwand tun sich Betriebsinhaber schwer, Strategien für den eigenen Betrieb zu entwerfen. Da sieht die Studie auch Verbesserungsbedarf für die Meisterausbildung.

Die Studie kann unter hier heruntergeladen werden.

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