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Eintrag ins Branchenverzeichnis Adressbuchschwindel: Abzocke am Telefon

Der Betrug mit überteuerten Branchenbucheinträgen geht in eine neue Runde. Obwohl sich erst vor kurzem der Bundesgerichtshof eingeschaltet hat, um die Abzocke von kleinen Betrieben zu verhindern, haben die Adressbuchschwindler eine neue Masche gefunden. Sie versuchen es jetzt am Telefon und rufen aus dem europäischen Ausland an. Ein Musterschreiben zeigt, wie Sie auf Rechnungen und Mahnungen reagieren können.

Adressbuchbetrug am Telefon
Die Betreiber dubioser Branchenverzeichnisse haben offensichtlich eine neue Abzockmasche. Sie verusuchen nun Betriebe am Telefon zu einem Vertrag zu überreden. -

Bereits ein Jahr ist es her, dass bei Manuela Haug in Pfalzgrafenweiler bei Reutlingen das Telefon klingelte. Am Apparat war ein gewisser Herr Becker, der ihr anbot, ihre kleine Firma kostenlos in das Onlineverzeichnis des Medienbranchenbuchs eintragen zu lassen. Alles klang unkompliziert und auf die Nachfrage, ob damit wirklich keine Kosten verbunden seien, verneinte der Anrufer. Manuela Haug willigte ein und dachte nicht weiter über den Anruf nach.

"Ich werde nicht bezahlen"

Doch vor ein paar Wochen wurde sie plötzlich wieder an das Angebot am Telefon erinnert. Denn der Anrufer meldete sich erneut und forderte sie auf ihre Rechnung von 213 Euro zu begleichen. "Angeblich hätte ich meinen Vertrag schon Ende Juli kündigen müssen. Aber ich wusste gar nicht, dass ich überhaupt einen Vertrag eingegangen bin", sagt Manuela Haug. Kurz nach dem zweiten Anruf kam dann auch eine schriftliche Rechnung und mittlerweile liegt ihr auch eine Mahnung vor. "Aber ich werde nicht zahlen, denn das ist Betrug", wehrt sich die Kleinunternehmerin.

Wie ihr die dubiose Firma mitteilte, habe sie schon nach dem ersten Anruf den Vertrag zugeschickt. Doch bei Manuela Haug ist nie etwas angekommen. "Und ich habe auch nie etwas unterschrieben."

Da das Thema der Abzocke mit Einträgen in Branchenbuchverzeichnisse schon lange bekannt ist, hat die Geschädigte in der Rechtsabteilung der Handwerkskammer Reutlingen schnell Hilfe bekommen. Rechtsberater Richard Schweizer hat für diese Fälle ein Musterschreiben verfasst, mit dem jeder Betroffene auf die Forderungen der Adressbuchschwindler reagieren kann. "Ich werde es noch heute abschicken", sagt Manuela Haug.

Noch nicht lange ist es her, als sich der Bundesgerichtshof (BGH) mit den Verkaufpraktiken der Adressbuchschwindlern befasst hat. Damals ging es um das Kleingedruckte in den Verträgen und die darin versteckten Kosten. Doch das Urteil bezieht sich auf schriftliche Angebote, die die Unternehmer per Post oder E-Mail erhalten haben. Wenn nicht ausdrücklich auf die Kosten hingewiesen werde und die Kostenpflichtigkeit des Angebots nicht schnell ersichtlich ist, müssten die Betroffenen nicht bezahlen, urteilten die Richter. Doch nun haben die Adressbuchschwindler eine neue Masche.

Im Alltagsstress getäuscht

Statt sich per Brief oder E-Mail zu melden, nehmen sie erst einmal Kontakt per Telefon auf und versuchen wie bei Manuela Haug auf diese Weise einen Vertrag abzuschließen. Um einerseits rechtlich schwer greifbar zu sein und andererseits nicht gegen das deutsche Gesetzt der unerlaubten Telefonwerbung zu verstoßen melden sie sich zusätzlich aus dem europäischen Ausland – vor allem Anrufe aus Spanien sind einigen Beratern der Handwerkskammern aufgefallen.

So auch Jürgen Gergely von der Handwerkskammer aus Mannheim. Er weist darauf hin, dass die Betrüger den angeblichen Vertragsschluss damit beweisen wollen, dass sie das Telefonat und die Einverständnis zur Veröffentlichung der Firmenadresse in dem angebotenen Branchenbuch aufzeichnen. "Das wäre dann ein mündlich zustande gekommener Vertrag, der grundsätzlich rechtlich gültig sein kann", sagt Gergely. "Ich habe noch nie eine derartige Aufnahme gesehen geschweige denn davon gehört, dass die Betrüger im Klagefall wirklich derartiges Beweismaterial vorbringen können."

Er rät den Betroffenen, die per Telefon kontaktiert werden, genauso zu handeln wie die Opfer des Adressbuchschwindels, die per Post oder E-Mail angeschrieben wurden: Widerspruch gegen die Forderungen einlegen und abwarten. Meist erledige sich das dann von alleine, wenn die Betrüger merken, dass sich jemand wehrt und nicht einfach zahlt.

"Meistens rufen die Anbieter solcher Verzeichnisse die Handwerker während der Geschäftszeiten an und stören mitten beim Arbeiten", sagt der Rechtsberater. Im Alltagsstress würden es dann viele gar nicht mitbekommen, dass sie gerade geschäftlich tätig waren und einen mündlichen Vertrag abgeschlossen haben. "Aber auch genau das kann als Begründung dienen, wenn es doch dazu kommt, dass man den Vertrag anfechten muss", rät Gergely.

Unterstützung gegen den Adressbuchschwindel

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