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Steuer 1x1 Einnahmen-Überschussrechnung Steuern sparen: Acht Tipps für die EÜR

Ermittelt ein Handwerksbetrieb seinen Gewinnen nach der einfachen Einnahmen-Überschussrechnung gemäß § 4 Abs. 3 EStG, gibt es verschiedene Möglichkeiten, um seinen Gewinn gezielt für das Finanzamt klein zu rechnen. Hier die besten Tipps und Tricks zur Einnahmen-Überschussrechnung.

Steuertipp 1: Kreditkartenabrechnung Januar durchforsten

Ja, Sie haben richtig gelesen. Obwohl Sie den Gewinn für das vergangene Jahr ermitteln, macht es Sinn, die Kreditkartenabrechnung im Januar des Folgejahrs für Dezember des abgelaufenen Jahres nach betrieblichen Ausgaben zu durchforsten. Denn bei Zahlung betrieblicher Ausgaben mit Kreditkarte gilt als Abflusszeitpunkt die Unterschrift über die Kreditkartenzahlung bzw. die Eingabe der PIN-Nummer.

Beispiel: Handwerkerin Huber hat am 27. Dezember 2017 mit Kreditkarten Büromaterial (Papier, Briefumschläge, Folien, etc.) im Wert von 1.190 Euro gekauft. Die Zahlung leistete Sie per Kreditkarte. Die Kreditkartenfirma hat diese 1.190 Euro am 17. Januar 2018 vom Girokonto der Handwerkerin abgebucht.

Folge: Obwohl die Abbuchung vom Girokonto erst im Jahr 2018 erfolgte, sind diese betrieblichen Ausgaben bereits im Jahr 2017 als Gewinn mindernde Betriebsausgaben zu erfassen. Denn der Kreditkartenbeleg wurde noch 2017 unterschrieben.

Steuertipp 2: Umsatzsteuerzahlung am 10. Januar noch als Betriebsausgabe im alten Jahr abziehbar

Hat ein Handwerker die letzte Umsatzsteuervoranmeldung pünktlich am 10. Januar  in elektronischer Form übermittelt und das Finanzamt buchte die Zahlung erst am 16. Januar  ab, liegen dennoch Betriebsausgaben  für das abgelaufene Jahr vor.

Hintergrund: Die Umsatzsteuerzahlungen aus der letzten Umsatzsteuervoranmeldung sind widerkehrende Leistungen, die zum Jahreswechsel fällig werden. Bei Zahlung solcher wiederkehrenden Leistungen genügt es für den Betriebsausgabenabzug des abgelaufenen Jahres, wenn die Zahlung spätestens bis 10. Januar des Folgejahrs erfolgt.

Voraussetzungen für den Betriebsausgabenabzug

  • Die Umsatzsteuervoranmeldung Dezember bzw. 4. Quartal muss pünktlich bis zum 10. Januar des Folgejahrs ans Finanzamt übermittelt worden sein.
  • Das Konto, von dem das Finanzamt die Umsatzsteuerzahlung abgebucht hat, muss am 10. Januar eine ausreichende Deckung für die Abbuchung gehabt haben.

Dass das Finanzamt im Lastschriftverfahren die Umsatzsteuerzahlung so spät abgebucht hat, ist ohne Bedeutung.

Steuertipp 3: Wechsel der Abschreibungsmethode

Werfen Sie doch mal einen Blick in das betriebliche Anlagevermögen und suchen Sie nach Anlagegegenständen mit Kaufdatum bis 31. Dezember 2010. Werden diese Wirtschaftsgüter noch degressiv abgeschrieben, kann der Wechsel zur linearen Abschreibung den Betriebsausgabenabzug erheblich pushen.

Beispiel: Sie haben im Januar 2010 eine Baumaschine für 200.000 Euro erworben (Nutzungsdauer 9 Jahre). Die Maschine wird seither mit 25 Prozent pro Jahr degressiv abgeschrieben. Da Sie für 2017 dringend noch Betriebsausgaben benötigen, sollte ein Wechsel zur linearen Abschreibungsmethode erfolgen.

Jahr Ermittlung Abschreibung degressiv Abschreibung Ermittlung Abschreibung linear Abschreibung
2010 bis 2016 25% 169.950    
2017 25% von Restwert 30.050 Euro 7.512 Euro Restwert 30.050 Euro : Restnutzungsdauer 2 Jahre 15.025 Euro

Durch den Wechsel von der degressiven Abschreibung zur linearen Abschreibung würde der Betriebsausgabenabzug für Abschreibung nur für dieses eine Wirtschaftsgut um 7.513 Euro höher ausfallen.

Steuertipp 4: Gestaltungstipp zu Sammelposten

Schreiben Unternehmen Wirtschaftsgüter des beweglichen Anlagevermögens über den Sammelposten über fünf Jahre ab, kennt das Finanzamt kein Pardon. Selbst wenn der Gegenstand innerhalb dieser fünf Jahre verkauft oder unbrauchbar wird, bleibt es ohne Wenn und Aber bei der fünfjährigen Abschreibungsdauer. Eine wenig bekannte Ausnahme gibt es aber doch:

Schied ein im Jahr 2017 angeschafftes Wirtschaftsgut nämlich bereits vor dem Bilanzstichtag wieder aus dem Betriebsvermögen aus, sind die Voraussetzungen für die Zuordnung dieses Wirtschaftsguts zum Sammelposten 2017 nicht erfüllt. Die Anschaffungskosten sind somit nicht über fünf Jahre verteilt abzuschreiben, sondern wirken sich bereits im Jahr 2017 erfolgswirksam aus (BMF, Schreiben v. 30.9.2013, Az. IV C 6 – S 2180/09/10001, Tz. 10, letzter Satz).

Beispiel: Unternehmerin Müller hat im Jahr 2017 fünf Schreibtische mit elektronischer Höhenverstellung für die Büros ihrer Mitarbeiter mit einem Stückpreis von jeweils 1.000 Euro erworben. Beim Kauf erfasste sie diese 5.000 Euro im Sammelposten 2017. Doch die Schreibtische erwiesen sich als Fehlkauf. Unternehmerin Müller verkaufte die Schreibtische vor dem Bilanzstichtag in 2017 für insgesamt 2.000 Euro.

Folge: Frau Müller kann die kompletten 5.000 Euro wieder aus dem Sammelposten 2017 nehmen und als Betriebsausgaben von dem erzielten Veräußerungserlös für die Schreibtische abziehen. Unter der dem Strich werden 2017 aus diesem Geschäftsvorfall also 3.000 Euro Verlust erfasst.

Tipp: Der Grund, warum Wirtschaftsgüter aus dem Betriebsvermögen vor dem Bilanzstichtag ausscheiden und somit nicht im Sammelposten des betreffenden Jahres erfasst werden müssen, spielt keine Rolle. Ein Ausscheiden aus dem Betriebsvermögen kann aus folgenden Gründen erfolgen:

  • Verkauf des Gegenstandes
  • Verschrottung/Entsorgung wegen Defekt
  • Entnahme des Gegenstandes ins Betriebsvermögen
  • Verschenkung des Gegenstandes

Steuertipp 5: Leistungsabschreibung statt linearer Abschreibung

Wurde  eine Baumaschine oder ein Lkw gekauft, der in den nächsten Jahren in sehr unterschiedlicher Beanspruchung im Betrieb eingesetzt wird, kann statt der konservativen linearen Abschreibung die meist unbekannte Abschreibung nach Leistungseinheiten gewählt werden. Dazu müssen Sie nur eine plausible Kalkulation über die gesamte Einsatzzeit und über die Einsatzzeit während der einzelnen Jahren vorlegen und jedes Jahr einzeln nachweisen.

Beispiel: Sie kauften im Januar für einen speziellen Auftrag eine Maschine zum Kiesabbau (Kosten 300.000 Euro; Nutzungsdauer 8 Jahre). Diese Maschine soll in den nächsten Jahren insgesamt 20.000 Stunden eingesetzt werden. Im Erstjahr werden es 5.000 Stunden sein, im Folgejahr nur 1.000 Stunden, im dritten Jahr dagegen wieder 4.000 Stunden.

  Lineare Abschreibung Abschreibung nach Leistungseinheiten
Abschreibungsbetrag 37.500 Euro (300.000 Euro : 8 Jahre) 75.000 Euro (300.000 Euro x 5.000 Stunden : 20.000 Stunden x 100)

Kommt die Leistungsabschreibung in Frage, fällt die Abschreibung für die Maschine im Erstjahr um 37.500 Euro höher aus als bei Abschreibung nach der linearen Methode.

Steuertipp 6: Vorsteuerpauschalierung zulässig?

Ermitteln Sie den Gewinn für Ihren Handwerksbetrieb nach der Einnahmen-Überschussrechnung, steht Ihnen möglicherweise ein umsatzsteuerliches Privileg zu. Die Rede ist von der Vorsteuerpauschalierung nach §§ 69, 70 der Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung. Hier können Sie beim Finanzamt die Erstattung pauschaler Vorsteuern beantragen. Das macht immer dann Sinn, wenn Sie kaum nennenswerte Investitionen und deshalb auch kaum nennenswerte Vorsteuern hatten. Die Vorsteuerpauschalierung ist an folgende Voraussetzungen geknüpft:

  • Der Umsatz im Vorjahrlag unter 61.356 Euro und
  • Sie sind nicht dazu verpflichtet, Bücher zu führen (Einnahmen-Überschussrechnung).

Beispiel: Die Umsätze des selbständigen Friseurs Müller, der seinen Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung ermittelt, betrugen 2016 60.000 Euro. Im Jahr 2017 betrug der Nettoumsatz 80.000 Euro. Vorsteuern fielen 2017 nur in Höhe von 2.500 Euro an.

Folge: Friseur Müller profitiert 2017 von der Vorsteuerpauschalierung. In der Anlage zu §§ 69, 70 UStDV ist für Friseure eine Vorsteuerpauschale von 4,5 Prozent vorgesehen. Müller kann also für 2017 eine Vorsteuererstattung von 3.600 Euro (80.000 Euro x 4,5%) beantragen.

Steuertipp 7: Begünstigte Besteuerung eines Übergangsgewinns

Überschreitet ein Handwerksbetrieb bestimmte Umsatz- oder Gewinngrenzen, fordert das Finanzamt meist den Wechsel von der Einnahmen-Überschussrechnung zur Bilanzierung. Dann muss der Handwerker einen Übergangsgewinn oder einen Übergangsverlust ermitteln. Dabei gibt es einiges zu beachten.

Zum Übergangsgewinn bzw. Übergangsverlust kommt es, weil die Gewinnermittlungsmethoden so unterschiedlich sind. Der Handwerker muss zusammen mit seinem Steuerberater alle erdenklichen Geschäftsvorfälle dahingehend überprüfen, dass diese sich steuerlich nicht doppelt steuererhöhend und nicht doppelt steuermindernd auswirken.

Übergangsgewinn lässt sich aufteilen

Beispiel: Ein Bauunternehmer hat seinen Gewinn bisher nach der Einnahmen-Überschussrechnung ermittelt. Von seinen Rechnungen wurden von Kunden 20.000 Euro für Sicherheitseinbehalte zurückbehalten. Bucht er nun in der Eröffnungsbilanz eine Forderung ein, ist die spätere Zahlung der Kunden erfolgsneutral (Buchungssatz: Bank an Forderung).

Folge: Um zu verhindern, dass sich die Forderung auf den Sicherheitseinbehalt bei keiner Gewinnermittlungsart auswirkt (Einnahmenüberschussrechnung bisher keine Einnahme, da kein Zufluss und Bilanzierung wie erklärt bei Zahlung erfolgsneutral), muss ein Übergangsgewinn von 20.000 Euro versteuert werden.

Dieser Übergangsgewinn kann nach R 4.6 Abs. 1 Satz 2 EStR) auf Antrag auf drei Jahre verteilt versteuert werden. Der Handwerker muss dann drei Jahre lang jedes Jahr nur 6.666,66 Euro versteuern.

Tipp: Kommt ein Übergangsverlust heraus (z.B. durch Bildung erstmaliger Rückstellungen) kann dieser Verlust leider nicht auf drei Jahre verteilt werden (BFH, Urteil v. 23.7.2013, Az. VIII R 17/10).

Steuertipp 8: Fehler aus Vorjahren ausbügeln

Ermitteln Sie Ihren Gewinn nach der einfachen Einnahmen-Überschussrechnung, gehören Umsatzsteuerzahlungen ans Finanzamt zu den abziehbaren Betriebsausgaben. Doch was passiert, wenn Sie bemerken, dass Sie für das Vorjahr den Betriebsausgabenabzug vergessen haben?

In diesem Fall gibt es tatsächlich eine Möglichkeit, den betreffenden Einkommensteuerbescheid noch zu ändern, selbst wenn die Einspruchsfrist längst abgelaufen ist. Die Änderungen ist aufgrund einer offenbaren Unrichtigkeit nach § 129 Abgabenordnung möglich. Eine offenbare Unrichtigkeit liegt immer dann vor, wenn das Finanzamt einen mechanischen Fehler begeht (Tippfehler, Zahlendreher, vergessene Daten).

Doch auch die Fehler eines Steuerzahlers können zu Fehlern des Finanzamts werden. Dann nämlich, wenn der Sachbearbeiter im Finanzamt den Fehler des Steuerzahlers bei gewissenhafter Überprüfung der eingereichten Steuererklärungen hätte erkennen müssen.

Beispiel: Handwerkerin Müller reicht eine Einnahmen-Überschussrechnung ein, in der der Betriebsausgabenabzug für die Umsatzsteuerzahlungen ans Finanzamt vergessen wurde.

Folge: Der Sachbearbeiter im Finanzamt hätte diesen Fehler bemerken müssen, weil in der Umsatzsteuerjahreserklärung des betreffenden Jahres erkennbar war, dass Umsatzsteuerzahlungen geleistet wurden. Der Steuerbescheid kann somit auch noch Jahre später zu Gunsten des Steuerzahlers geändert werden.

Dieser Beitrag wurde am 9. Oktober 2017 aktualisiert.

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