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Abwarten und prüfen Lebensversicherungen: Konzerne denken an Verkauf

Prominente Versicherer denken über den Verkauf ihrer Lebensversicherungen nach. Was Kunden beachten müssen.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Versicherung: Was Sie wirklich brauchen

Die Renditen sind gering und die Verwaltungskosten hoch. Lebensversicherungen und dabei vor allem die alten Verträge sind für Anbieter auf dem deutschen Markt wegen des Garantiezinses inzwischen zu einem Verlustgeschäft geworden. Namhafte Unternehmen stellen laut verschiedener Medienberichte Überlegungen an, eine große Anzahl ihrer Verträge – von zehn Millionen ist die Rede – zu verkaufen. Was müssen Kunden bei so genannten Run-offs beachten?

Was ist ein Run-off?

Versicherungsgesellschaften im Run-off beenden laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ihr Neugeschäft. Ein vorhandener Bestand an Versicherungsverträgen werde jedoch wie vertraglich vereinbart weitergeführt. Run-off-Unternehmen und Bestände an Lebensversicherungen können aber auch von den Gesellschaften verkauft werden. Ein Verkauf an einen Investoren zum Beispiel ist laut GDV möglich, wenn eine Gesellschaft als Ganzes veräußert wird.

Bei diesem externen Run-off, also einem Unternehmensverkauf, ist nach Auskunft der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein Inhaberkontrollverfahren einzuleiten. Die BaFin prüfe dabei die finanzielle Solidität und Zuverlässigkeit des Käufers. Geht es um eine Bestandsübertragung, müssten die Belange der Versicherten gewahrt bleiben und die Verpflichtungen aus den Versicherungen als dauernd erfüllbar gelten, so die BaFin.

Aktuell liegen der BaFin weder Anträge auf Bestandsübertragungen vor noch sind welche angekündigt. Allerdings hat die BaFin vor kurzer Zeit unter anderem einer Übertragung eines Lebensversicherungsbestandes zugestimmt.

Abwarten und prüfen

Hat der Verkauf Auswirkungen auf Verträge und Kunden?

Nach Aussage des GDV ändert sich nichts für die Kunden. Die Verträge würden unverändert weitergeführt. Alle garantierten Leistungen blieben erhalten. Auch an anfallenden Überschüssen würden die Kunden unverändert beteiligt, so der Verband. Kunden könnten umgekehrt sogar vom Verkauf an Vertragsbeständen profitieren, so der GDV. Durch die Bündelung auf spezialisierten Plattformen würden die Verwaltungs­kosten erheblich sinken. An so ent­stehenden "Kosten-Überschüssen" müssten die Kunden zu mindestens 50 Prozent beteiligt werden.

Auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) sieht zumindest zum Zeitpunkt der Übertragung keine Gefahren. Lars Gatschke, zuständig für Versicherungen beim vzbv, verweist auf die Prüfung der BaFin. Eine Übertragung werde schließlich kontrolliert.

Wird die Einhaltung der vertraglich geregelten Inhalte geprüft?

Der Bund der Versicherten (BdV) ist skeptisch – zumindest was die Überschussbeteiligung angeht. Nach Aussage von Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV, könne die BaFin die Interessen der Einzelkunden nicht im Blick haben. Seine bisherigen Erfahrungen mit Run-off-Unternehmen hätten diese Befürchtungen bestätigt. Die Behörde prüfe zwar, ob die vertraglich garantierten Leistungen eingehalten würden, die Überschussbeteiligung jedoch bleibe unbeaufsichtigt. Die sei jedoch maßgeblich für den Erfolg oder Miss­erfolg einer Altersvorsorge.

Michael Hoi, Pressesprecher der BaFin, macht allerdings darauf aufmerksam, dass die Übertragung von Versicherungsverhältnissen mit Über­schussbeteiligung nur genehmigt werden darf, wenn der Wert einer Überschussbeteiligung zum Zeitpunkt des Verkaufs nach der Übertragung nicht niedriger ist als vorher.

Was sollten Versicherungskunden bei einem Verkauf ihrer Verträge tun?

Im Grunde gibt es überhaupt nur drei Möglichkeiten: weiterführen, beitragsfrei stellen oder kündigen. Wie so oft hängt die Reaktion von den vertraglichen Vereinbarungen ab. Kunden sollten sich individuell beraten lassen, zum Beispiel von BdV oder vzbv.

In jedem Fall sollte man nicht vorschnell kündigen. Lars Gatschke rät dazu, erst einmal abzuwarten. Eine Kündigung des Vertrags sollten sich Kunden ganz genau überlegen. Diese sei schließlich mit Verlusten verbunden. Ge­rade ältere Verträge bis zum Beginn der 2000er Jahre böten meist einen ­Garantiezins von 3,5 bis 4 Prozent. Ersatz mit ähnlich hohen Renditen sei nicht zu bekommen. Gatschke rät stattdessen zu Wachsamkeit und ­einer regelmäßigen Kontrolle. Verbraucher sollten sich ihre Standmitteilungen jedes Jahr anschauen. Sollte sich an den Bedingungen etwas verschlechtern, müsse man neu darüber nachdenken, was mit dem Lebensversicherungsvertrag zu tun sei.

Einen Vertrag beitragsfrei zu stellen, kommt nach Aussage von Axel Kleinlein dann infrage, wenn es sich – bedingt durch geringere Überschussbeteiligungen zum Beispiel – nicht mehr lohnt, weitere Beiträge einzuzahlen.

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