Mittelfranken -

Leistungswettbewerb Abgepackter Kunststoffkuchen

Die Kammer-, Landes- und Bundessieger des Leistungswettbewerbs des Deutschen Handwerks werden in Nürnberg entsprechend geehrt.

Es gibt ihn: den eingeschweißten Trockenkuchen mit einem Dreivierteljahr Haltbarkeit. „Aber wer will den schon?“ fragte Christian Sendelbeck, Vizepräsident der Handwerkskammer für Mittelfranken, die rund 220 Gäste bei der Ehrung der Kammer-, Landes- und Bundessieger des Leistungswettbewerbs des Deutschen Handwerks (PLW) in Nürnberg.

Denn, das konnte er uneingeschränkt zusichern: „Dieser abgepackte Kunststoffkuchen ist jedenfalls nicht mit der handgemachten Geschmacksalternative aus der Backstube eines guten Konditors vergleichbar.“ Doch während alle gerne Kuchen essen – wie auch Ehrengast Regierungspräsident Thomas Bauer zugab, der sein Hobby zum Beruf des Konditors umwandeln würde, wenn er eine Handwerkskarriere einschlüge –, möchte keiner im Lebensmittelhandwerk lernen, konstatierte Sendelbeck. Angesichts des Fachkräftemangels richtete er daher gleich eine große Bitte an die Geehrten: „Sie sind die Besten und mit viel Leidenschaft bei der Sache. Gehen Sie hinaus und machen Sie kräftig Werbung für Ihr Handwerk.“

Manfred Göhring, Bezirkspräsident des Genossenschaftsverbandes Bayern, definierte gleich vier „Ls“, die er für die hervorragende Leistung der Sieger verantwortlich machte: die vielbeschworene Leidenschaft, Liebe, Lust und Leistung. Und da Nürnbergs Bürgermeister Clemens Gsell diese bei allen Anwesenden einwandfrei feststellen konnte, nutzte er den Abend gleich für einen Werbeblock in eigener Sache – und machte noch einmal auf die freien Stellen für Fachlehrer an den Schulen der Stadt aufmerksam.

So lernt man seinen Beruf lieben

Da konnte Sendelbeck nur appellieren: „Bleiben Sie dem Handwerk treu. Als Gesellen, Meister, Facharbeiter oder Betriebsgründer bzw. händeringend gesuchte -nachfolger.“ Wohin einen diese Liebe zu seinem Beruf bringen kann, zeigte Europa- und Stuckateurmeister Alexander Schmidt. Er war extra angereist, um über seine Erfahrungen bei den EuroSkills in Budapest/Ungarn zu erzählen, wo er die Goldmedaille für Deutschland holte. Vielleicht säße ja ein Sieger im Plenum, der jetzt auch international antreten wolle?

Wissbegierde und Fleiß

Zumindest für Ludwig Grochow stand aber schon fest: Der 19-jährige Brauer und Mälzer, der Kammer- und 2. Landessieger wurde, möchte bei seinem Ausbildungsbetrieb Felsenbräu erst einmal Berufserfahrung sammeln. Anschließend folgt die Meisterschule. Seine strahlenden Eltern Roman und Ruth stießen mit dem Sohn auf dessen Erfolg mit einem – wenn schon nicht selbstgebrauten, so doch zünftigen – Bier an. Stolz sind sie auf den Sprössling, der doch in der Familie ein wenig aus der Art geschlagen ist.

Seine Geschwister studieren. Aber der Sohn wollte ins Handwerk. Und dort schlägt er sich ausgezeichnet. Woran das liegt? Da muss Ludwig Grochow nicht lange überlegen: An seiner Wissbegierde und an seinem Ausbilder Walter Glossner. Denn der hatte sich die Zeit genommen, immer, wenn der Lehrling aus der Schule kam und voller Fragen und Ideen steckte, diese in der Praxis mit ihm durchzugehen.

Abgepackter Kunststoffkuchen

Auch Alexandra Reim, Orthopädietechnik-Mechanikerin macht ihre gute Ausbildung für ihren Erfolg verantwortlich. Und: „Ich arbeite sehr akkurat und perfektionistisch, durchdenke alles fünfmal“, sagt sie. Was man sonst noch braucht? „Fleiß“, ist sie überzeugt. Ihr Ausbilder Christian Schäfer weiß, dass man ein gutes Team sein muss.

„Natürlich braucht es fachlich kompetente Ausbilder, die ihr Wissen weitergeben möchten, aber auch motivierte Auszubildende, die es gerne annehmen.“ Alexandra weiß aber auch: „Meine Ausbildung war breit gefächert und ich wurde nicht klein gehalten.“ Dass das alles nicht selbstverständlich ist, wissen auch die Verantwortlichen im Handwerk. Und so nutzten sie die Gelegenheit, bei der PLW-Abschlussfeier nicht nur die Sieger, sondern auch besonders verdiente Ausbilder zu ehren.

Eine Auswahl der Gesellenstücke können Interessierte bei einer Ausstellung, die von 7. bis 28. Februar während der Öffnungszeiten ins Foyer der Handwerkskammer für Mittelfranken einlädt, erhalten

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