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AU: Änderungen zum 1. Juli 2017 Abgasuntersuchung am Endrohr soll wieder Pflicht werden

Die manipulierten Abgaswerte durch die Fahrzeughersteller zeigen Wirkung. Das Bundesverkehrsministerium plant Änderungen bei der Abgasuntersuchung (AU) und will zurück zur Messung am Endrohr. Doch es gibt Kritik.

Was früher einmal Standard war, soll es wieder werden: Hatten sich die Kfz-Prüforganisationen in den vergangenen Jahren bei der Abgasuntersuchung (AU) nur noch auf das Auslesen des On-Board-Diagnosesystems (OBD) verlassen, so müssen sie ihre Praxis wohl bald ändern. Bislang besteht eine Pflicht für eine Messung am Endrohr nur noch für Autos, die vor 2006 zugelassen wurden.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) plant jedoch, das Verfahren  in Kombination mit der elektronischen OBD-Prüfung wieder für alle Fahrzeuge verpflichtend zu machen. So steht es nach Angaben des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) im Entwurf zur Änderung der AU-Richtlinie. Dieser ist kürzlich den zuständigen obersten Landesbehörden zur Anhörung weitergeleitet worden. Dobrindt plant, dass die neuen Vorgaben zum 1. Juli 2017 in Kraft treten.

Kfz-Handwerk: Zweifel an der elektronischen OBD-Messung

Das Kfz-Handwerk begrüßt die Neuregelung, da sie dem aktiven Umweltschutz diene und Autofahrern ein Stück mehr Sicherheit gebe, dass die Abgaswerte auch korrekt sind. Ins Rollen kam die Forderung nach verlässlicheren Untersuchungen im Zusammenhang mit den manipulierten Angaben der Autohersteller. Auch der ZDK zweifelt am Verfahren der ausschließlichen OBD-Messung. ZDK-Präsident Jürgen Karpinski teilte deshalb zu den Plänen mit: „Nur auf diese Weise lässt sich verlässlich ermitteln, welche Emissionen letztendlich hinten herauskommen.“

Der ADAC sieht dies anders. Schon als die Diskussion um ein genaueres AU-Verfahren im vergangenen Jahr begann, meldete der Automobilclub: „Eine Verschärfung der AU würde die Verantwortung für die Einhaltung der Abgasgrenzwerte von den Herstellern auf die Verbraucher übertragen.“ Er wies auf die entstehenden Mehrkosten hin, da alle Fahrzeuge bei einer Untersuchung über das Endrohr unter Last auf Rollenprüfständen untersucht werden müssen.

ADAC fordert regelmäßige und unabhängige Tests auf der Straße

Statt Änderungen bei der AU sieht der ADAC die Hersteller in der Pflicht, die modernsten Abgastechniken einsetzen, „um den Ausstoß von Schadstoffen nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auch im tatsächlichen Verkehr zu reduzieren.“ Doch auch die Politik sollte aktiv werden: So sei es nötig, die Emissions- und Verbrauchsangaben der Kraftfahrzeughersteller durch regelmäßige und unabhängige Tests – u.a. Messungen auf der Straße – zu kontrollieren.

Das Bundesverkehrsministerium setzt dennoch bei der AU an und plant nach den Änderungen in diesem Jahr schon die nächsten: So sieht der aktuelle Richtlinienentwurf auch eine Verschärfung der Abgas-Grenzwerte vor. Ab 2019 soll nach Angaben des ZDK zudem die Partikelanzahl von Dieselfahrzeugen am Endrohr gemessen werden. jtw

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