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Schreinermeisterin auf Reisen Abenteuer Walz: Die Weltreise der Johanna Röh

Die Walz ist ein Abenteuer. Und was für eines. Schreinermeisterin Johanna Röh war vier Jahre lang in der ganzen Welt unterwegs. Ihre Reise führte sie durch elf Länder, darunter Japan, Kanada, Australien und Neuseeland. Im Rahmen der "Langen Kunstnacht" im Schwäbischen Handwerkermuseum in Augsburg berichtete sie von ihrer ganz speziellien Erfahrung.

Auf der “Langen Kunstnacht“ in Augsburg stellte sich Johanna Röh aus Alfhausen bei Osnabrück den Fragen von Susanne Sylvester, stellvertretende Geschäftsbereichsleiterin bei der HWK Schwaben. Die Schreinermeisterin berichtete von einer besonderen Erfahrung. Denn sie war über vier Jahre auf Wanderschaft und hatte in dieser Zeit in elf Ländern Station gemacht.

Die Zuschauer konnten der 31-Jährigen zusehen, wie sie mit Werkzeugen, die sie aus Japan mitgebracht hatte, ihren Lieblingswerkstoff Holz bearbeitete, persönliche Fragen stellen und so ein wenig in das Abenteuer Walz eintauchen. Die “Lange Kunstnacht“ in Augsburg stand in diesem Jahr unter dem Motto: Lange Nacht der Abenteuer.

Charlottenburger geschnürt und los

Nachdem sie Abitur und Gesellenbrief in der Tasche hatte, packte Johanna Röh ihre Habseligkeiten zusammen, schlüpfte in die schwarze Kluft und los ging’s – zu Fuß und ohne Geld. Ohne Vorbuchung. “Ich wollte berufliche Erfahrungen sammeln und reisen. Das war mein Plan. Da kam mir die Walz sehr gelegen, denn in der Wanderschaft konnte ich beides gut miteinander verbinden“, erzählt die sympathische Handwerkerin den Zuhörern. Verunsicherung oder gar Angst habe sie nicht verspürt, sie sei sehr optimistisch an alle Vorhaben herangegangen und die Menschen weltweit seien ihr auch offen begegnet.

Ihre persönliche Intention, ihr Handwerk besser kennenzulernen und im Ausland Erfahrungen zu sammeln, sei voll aufgegangen: “Der Werkstoff Holz ist zeitlos und wird in allen Kulturen verarbeitet. Seit Jahrhunderten schaffen wir Dinge, Formen, Gegenstände aus Holz und bleiben nie stehen. Neue Techniken verändern das Gewerk und es ist unglaublich spannend, dies hautnah zu erleben“, sagt Röh, die heute als Schreinermeisterin und Restauratorin selbständig ist.

Besonders beeindruckt haben Johanna Röh ihre Erlebnisse in Japan. Das sei ein Eintauchen in eine andere Welt gewesen. “Aufgrund meiner westlichen Prägung fiel es mir anfangs schwer, das System aus Lehrer und Lernendem – Sensei und Deshi – zu verstehen. Diesen Austausch zuzulassen, der von Demut, gegenseitigem Respekt und viel Energie geprägt ist, hat mir viel gegeben“, beschreibt sie ihre Erfahrungen im Land der aufgehenden Sonne.

“Sprechen Sie japanisch? Wie haben Sie sich denn verständigt?“, will Moderatorin Susanne Sylvester wissen. “Anfangs mit einem Sprachcomputer, mit Gesten und eben genau hinhören – da kommt man schon rein“, meint sie. Ein knappes Jahr war sie in Japan und konnte so tiefe Einblicke in die handwerkliche Arbeit gewinnen. Am Ende ihres Aufenthalts lud sie ihren Meister zur Heimkehrfeier nach Deutschland ein. Der Sensei, der noch nie Japan verlassen hatte, weder Englisch noch Deutsch spricht, stand dann am Morgen der Feier unangemeldet vor ihrer Tür.

Die Gäste, die zur “Langen Nacht der Abenteuer“ in den Hof des Schwäbischen Handwerkermuseums gekommen waren, zeigten sich hoch interessiert. “Ich habe noch nie jemanden gesprochen, der auf der Walz war – und noch dazu eine Frau, die sich das traut – einfach toll. Hab’ nicht gewusst, was im Handwerk alles möglich ist“, sagte eine BWL-Studentin. Ein Schreinermeister, der aus den Medien von der Veranstaltung erfahren hatte, meinte anerkennend: “Alle Achtung, was diese junge Frau geleistet hat und wie sie mit den Werkzeugen umgeht. Ich hab genau hingesehen, perfekt!“

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