Branchenspiegel: Kapazitätsauslastung stark gesunken
Von Andreas Bücherl und Lothar Semper
Zulieferer schwer angeschlagen
Baugewerbe: Die Bauwirtschaft verzeichnete zuletzt eine leichte Nachfragebelebung, die Auswirkungen der Rezession waren aber nicht zu übersehen. Die größte Last der Rezession hat der gewerbliche Bau zu tragen. Angesichts einer erheblichen Unterauslastung sehen die Betriebe keinen Grund, in neue Produktionsstätten zu investieren. Zudem dürften wegen der schwierigen Finanzierungsbedingungen viele Erweiterungsmaßnahmen derzeit zu riskant oder unrentabel sein. Der Wohnungsbausektor wurde, nicht zuletzt wegen der staatlichen Förderprogramme, von den verstärkten Ausbauaktivitäten gestützt. Da jedoch die Neubautätigkeit immer noch rückläufig war, hat die Bausparte erneut den Anschluss an das Vorjahresergebnis verfehlt. Im öffentlichen Bau nehmen Aufträge und Umsätze seit einigen Monaten deutlich zu. Die Maßnahmen aus den Konjunkturpaketen scheinen verstärkt auftrags- bzw. produktionswirksam zu werden. Alles in allem bewertet der weit überwiegende Teil des Baugewerbes die aktuelle Lage als gut oder zufriedenstellend.
Handwerk für gewerblichen Bedarf: Der Maschinen- und Werkzeugbau befindet sich nach dem dramatischen Konjunktureinbruch derzeit in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Sie ist geprägt von einer erheblichen Unterauslastung der Produktionsanlagen, schleppendem Auftragseingang, hoher Kurzarbeit und anhaltender Personalreduzierung. Allerdings gibt es Hinweise, dass nun die Talsohle erreicht ist und eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau einsetzen dürfte. Die Landmaschinenmechaniker verzeichneten erneut einen schwächeren Geschäftsverlauf als im Vorjahr, weil die Landwirte wegen der angespannten Liquidität weniger in Maschinen investieren. Das Gebäudereinigerhandwerk spürt als Folge der Wirtschaftskrise eine Abnahme der Reinigungshäufigkeit und des Reinigungsumfanges.
Kraftfahrzeuggewerbe: Das Neuwagengeschäft verlief im Berichtsquartal aufgrund der Abwrackprämie unverändert lebhaft. Die Pkw-Neuzulassungen sind von Juli bis September um 26 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. In den ersten neun Monaten wurden fast drei Millionen neue Autos in den Verkehr gebracht; das Plus zum Vorjahr beträgt 21 Prozent. Dabei waren kleine Fahrzeuge besonders gefragt. Der Absatz größerer Wagen ist hingegen mächtig geschrumpft. In den letzten Wochen vor dem Ende des staatlichen Förderprogramms haben die Rabattaktionen der Autohändler spürbar zugenommen, um so das Kundeninteresse hochzuhalten. Momentan liegt das Rabattniveau für Neuwagen bei durchschnittlich 21 Prozent. Der Gebrauchtwagenmarkt entwickelte sich in eher ruhigen Bahnen. So blieben die kumulierten Besitzumschreibungen um 1,6 Prozent hinter dem Vorjahresergebnis zurück. Auch das Werkstattgeschäft verlief ohne größeren Schwung. Insgesamt wird die wirtschaftliche Situation vom Kraftfahrzeuggewerbe recht kritisch gesehen.
Lebensmittelhandwerke: Die Verkaufsaktivitäten von Bäckern und Metzgern wiesen in der Berichtsperiode im Vergleich zum Vorquartal einen stabilen Trend auf. So hat sich die Geschäftslagebeurteilung durch die Betriebe seit dem Frühjahr nahezu nicht verändert: Rund 75 Prozent der Umfrageteilnehmer bezeichneten in diesem Zeitraum ihre wirtschaftliche Lage als gut oder zumindest als zufriedenstellend. Die Umsätze und die Beschäftigung in der Branche dürften erneut auf Vorjahreshöhe gelegen haben. Die sinkende Inflation hat zwar zum einen die Ausgabenspielräume der Konsumenten erhöht, zum anderen werden in ökonomisch unsicheren Zeiten verstärkt Sparmöglichkeiten gesucht. Dieses Verhalten nutzen die Discounter und möchten durch aggressive Preissenkungsaktionen eine regelrechte „Sogwirkung“ auslösen.
Gewerbe für privaten Bedarf: Nachdem die Augenoptiker in den ersten sechs Monaten einen Umsatzrückgang von 3,5 Prozent zu verkraften hatten, war auch zu Beginn der zweiten Jahreshälfte keine grundlegende Veränderung der gedämpften Geschäftsentwicklung festzustellen. Die Zahntechniker konnten im 1. Halbjahr immerhin ein leichtes Umsatzplus verbuchen. Gleichwohl ist in der Branche eine ausgeprägte Nachfragezurückhaltung bei einem wachsenden Teil der Patienten erkennbar. Im 3. Quartal hatten die Dentallabors wegen der Urlaubszeit zusätzliche Auftragsausfälle zu verkraften. Der Friseurmarkt musste in der aktuellen Wirtschaftskrise nur relativ geringfügige Einbußen hinnehmen. Eine Umkehr des langjährigen Abwärtstrends ist zurzeit aber nicht in Sicht.