Echter Marathon So weit sind die Städte bei der Wärmeplanung

Der Aus- und Umbau der Fernwärme kostet die Kommunen viel Zeit und Geld. Wie gut die Wärmewende in den Städten gelingt, zeigen die Beispiele Freiburg im Breisgau und Frankfurt am Main.

Blick vom Freiburger Münsterturm aufs Schwabentor.
Freiburg im Breisgau zählt zu den Vorreitern bei der Wärmewende. Der dortige Wärmeplan zeigt weitere Potenziale für den Ausbau des Fernwärmenetzes. - © christiane65 - stock.adobe.com

Freiburg im Breisgau gehört zu den Vorreitern in Sachen Wärmeplanung. "Wir haben schon früh gemerkt, dass wir das Thema strategisch angehen müssen", sagt Klaus von Zahn, Leiter des dortigen Umweltschutzamtes. Die Stadt arbeite seit 2018 daran. 2035 will sie klimaneutral sein.

Heute zeigt der dortige Wärmeplan, wo es Potenzial für den weiteren Ausbau des Fernwärmenetzes gibt und wo nicht. "In Gebieten, in denen vor allem Ein- und Zweifamilienhäuser stehen, rechnet sich die Fernwärme nicht", sagt von Zahn. Anders sehe es in dichter bebauten Gebieten aus. Dort soll sie ausgebaut werden.

Bisher werden 25 Prozent des Energiebedarfs für Wärme über Fernwärme zur Verfügung gestellt. Bis 2035 sollen es 50 Prozent sein. "Die Umstellung ist machbar, wenn auch mit einem hohen Finanz- und Kommunikationsaufwand", fügt er hinzu. Parallel dazu werde die Fernwärme, die bisher vor allem aus Erdgas erzeugt wird, auf Erneuerbare Energien umgestellt werden. Auch das sei ein Kraftakt.

Kommunen müssen Wärmepläne vorlegen

In spätestens zwei Jahren müssen auch andere Großstädte in Deutschland mit mehr als 100.000 Einwohnern eine kommunale Wärmeplanung vorlegen. Ab Mitte 2028 gilt dies nach dem zum Jahresanfang 2024 in Kraft getretenen Wärmeplanungsgesetz auch für kleinere Kommunen. Die Wärmepläne sollen dann darlegen, wie die Wärmeversorgung sukzessive bis 2045 auf die Nutzung von Erneuerbaren Energien oder unvermeidbare Abwärme umgestellt werden kann.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, hält die Wärmepläne für Großstädte in der geforderten Zeit für machbar. Viele Städte hätten sich schon auf den Weg gemacht, bevor das Wärmeplanungsgesetz des Bundes Anfang 2024 beschlossen wurde. So liegen beispielsweise in München oder Stuttgart schon entsprechende Wärmepläne vor und anderswo wie etwa in Leipzig wird daran gearbeitet.

Dabei geht es bei der Wärmeplanung in einem ersten Schritt um eine Bestandsanalyse, um eine Erfassung der Daten wo, wie und wie viel geheizt wird. Schon in diesem Stadium können Teilgebiete einer Kommune direkt von einem möglichen Fernwärmenetz oder Wasserstoffnetz ausgeschlossen werden, heißt es beim Städtetag. Als zweiter Schritt folgt die Potenzialanalyse. Sie soll zeigen, wo Potenziale für Fernwärme und wo für eine dezentrale Wärmeversorgung bestehen und wie der Energieverbrauch durch Effizienzmaßnahmen gesenkt werden kann. Anschließend werden die Umsetzungsschritte festgelegt und fortgeschrieben.

Frankfurt will 2040 klimaneutral sein

In Frankfurt am Main liegt bisher eine Konzeptstudie vor. Die endgültige Wärmeplanung soll Ende 2025 fertig sein, heißt es bei der Stadt. Dabei wird an der Wärmewende hier wie anderswo schon längst gearbeitet. "Das mehr als 300 Kilometer lange Fernwärmenetz der Mainova ist in den letzten 20 Jahren bereits um ein Drittel gewachsen", erklärt der regionale Energieversorger Mainova auf Anfrage. Die Mainova-Fernwärme decke aktuell 25 Prozent des Wärmebedarfs in Frankfurt. Dieser Anteil solle weiter steigen. Dafür baue man die Fernwärme weiter massiv aus. Und dies in verdichteten Stadtgebieten.

Eine weitere tragende Rolle der Wärmeversorgung sollen elektrische Wärmepumpen oder entsprechende Hybridsysteme – wie Strom-Wärmepumpen mit Gas-Brennwertkesseln zur Unterstützung an kalten Tagen – übernehmen. Das Gasnetz wird also weiter gebraucht und sei mit moderatem Modernisierungsaufwand zügig für die Einspeisung klimaneutraler Gase wie Wasserstoff umrüstbar. Von entscheidender Bedeutung ist auch das Stromnetz. Schon jetzt wird das Netz aufgrund des wachsenden Strombedarfs massiv ausgebaut. Außerdem müssen die bestehenden Erzeugungsanlagen für die Fernwärme sukzessive auf Erneuerbare Energien umgestellt werden. So soll etwa ein Kohlekraftwerk durch ein wasserstofffähiges Gaskraftwerk abgelöst werden und verstärkt Biomasse, Müll, Abwärme und Geothermie genutzt werden.

Wärmewende kostet viel Geld

Das alles kostet Geld. "Mit dem erklärten Ziel, bis 2040 klimaneutral zu sein, hat der regionale Energieversorger seine Investitionen in die Energiezukunft 2023 um mehr als ein Drittel auf eine halbe Milliarde Euro gesteigert", heißt es bei Mainova. Für die weitere Energie- und Wärmewende sind jedoch "weitaus größere Investitionen" zu stemmen, für die neben der Energiewirtschaft und der öffentlichen Hand auch privates Kapital erforderlich sei. Bundesweit werden derzeit rund 15 Prozent der Haushalte mit Fernwärme versorgt. Und es sollen deutlich mehr werden. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) fordert deshalb von der Bundesregierung ein Umdenken: "Wer die Fernwärme aus- und umbauen will, muss mehr Geld zur Verfügung stellen", sagte VKU-Haupgeschäftsführer Ingbert Liebing. Die Mittel sollten auf drei Milliarden Euro pro Jahr bis 2035 erhöht werden. Die bisherige "Bundesförderung für Effiziente Wärmenetze" ist bis Ende 2028 befristet und bis dahin mit drei Milliarden Euro ausgestattet. Das reiche bei Weitem nicht aus. "Wo Wärmepumpen die Lösung der Wahl darstellen, müssten die Stromverteilnetze ausgebaut werden", forderte er weiter.