Der Werkzeugmacher Jörg Ullmann ist keiner, der lange überlegt. Als er vor einem halben Jahr im Fernsehen die Bilder der Zerstörung durch das Hochwasser sah, machte er sich sofort auf den Weg. Auch jetzt ist ihm das Schicksal der Menschen nicht egal.

Für den 58-jährigen gelernten Forstarbeiter, Hauer und Installateur aus Bernsbach, der derzeit in einem Betrieb in Grünhain als Werkzeugmacher arbeitet, stand außer Frage, dass er hier helfen muss. Er packte Werkzeug und die für den Alltag wichtigsten Dinge ins Auto und machte sich kurz nach dem verheerenden Unwetter auf in die betroffene Region. Auf dem Hinweg habe er sich noch selbst gefragt, was er hier eigentlich mache. Geblieben sei er zehn Tage, so Ullmann.
Einsatz auf eigene Kosten
"Ich bin Helfer aus gutem Willen. Die ersten Tage wurde ich noch von meinem Arbeitgeber freigestellt. Danach habe ich die Einsätze vor Ort auf eigene Kosten gestemmt", erzählt er. Zu Beginn war er in der Region um das nordrhein-westfälische Bad Münstereifel, anschließend im Ahrtal. Gerade hier sind die Folgen des Unwetters besonders dramatisch. Ullmann berichtet, dass die meisten Menschen entweder gar nicht gegen solche Schäden versichert seien oder die Versicherungen die Verwüstungen nicht ersetzten. "Aber Zahlungen für den Hauskredit oder die Miete laufen ja trotzdem weiter. Die meisten Betroffenen haben existenzielle Sorgen und wissen nicht, wie sie den Aufbau bewerkstelligen sollen."
Kein normales Alltagsleben
Dank der vielen freiwilligen Helfer, darunter auch Jörg Ullmann, sind die Aufräumarbeiten in den betroffenen Städten und Gemeinden in vollem Gange, wenngleich ein normales Alltagsleben für die meisten Betroffenen weiterhin nicht möglich ist. "Viele Menschen können immer noch nicht wieder zurück in die untersten Etagen ihrer Häuser und Wohnungen. Manche Häuser sind komplett unbewohnbar. Den Schlamm haben wir aber schon aus den Häusern geholt und die Trocknungsphase ist soweit abgeschlossen. Damit ist das Haus oder die Wohnung aber noch lange nicht wieder bewohnbar. Fast alles muss erneuert werden, was ohne das Handwerk nicht geht. Das regionale Handwerk kann die vielen notwendigen Arbeitsschritte bei der Sanierung und die Nachfrage danach jedoch gar nicht allein leisten", weiß Ullmann.
Umso wichtiger ist daher die koordinierte Hilfe durch Ehrenamtliche, die entweder eine Ausbildung im Handwerk bereits erfolgreich abgeschlossen haben oder sich gerade in der Ausbildung befinden. Laut Jörg Ullmann sind über die Behörden vor Ort Übernachtung, Verpflegung und auch die Versicherung für die weiterhin ehrenamtliche Arbeit organisiert.
Wer mehr darüber erfahren möchte oder für wen ein Einsatz im Flutgebiet in Frage kommt, der kann sich gern mit der Handwerkskammer Chemnitz in Verbindung setzen, die dann den Kontakt zu Jörg Ullmann herstellt. Weitere Informationen finden Interessierte auch unter www.helfer-stab.de.