Hohe Benzinpreise Vielfahrer profitieren schnell – gasgetriebene Pkw gefragter denn je

Benzin und Diesel werden stetig teurer, der Gaspreis hingegen bleibt ziemlich konstant. Entsprechend lohnt sich der Betrieb eines Gas-Fahrzeugs immer eher. Umrüstungen lohnen sich jedoch nicht für alle.

Vielfahrer profitieren schnell – gasgetriebene Pkw gefragter denn je

"Derzeit sind Umrüstungen der Renner", sagt Maximilian Mauerer vom ADAC. Ähnlich sieht es Rej Husetovics von Chevrolet: "Das Thema Spritpreise treibt den Gaseinsatz voran." Dies gelte nicht nur für Umrüstungen, sondern ebenso bei Neuanschaffungen. "Bei Chevrolet entscheiden sich mittlerweile zehn Prozent der Neuwagenkäufer für ein Erdgasmodell", sagt Husetovics. "Eine enorme Nachfrage" registriert auch Isfried Hennen von Ford. Mithin ist klar: Wer derzeit richtig Geld sparen will, kommt an gasgetriebenen Autos nicht vorbei.

Flüssig- oder Erdgas

Der Autobesitzer muss sich zunächst überlegen, welcher Gas-Variante er den Vorzug gibt. Als Antriebsstoff für Kfz kommt meist Flüssiggas (LPG) – auch Autogas genannt – oder seltener Erdgas (CNG) zum Einsatz. Die Wahl hängt auch von der Versorgung ab. LPG-Stationen gibt es in Deutschland derzeit etwa 2.800, CNG-Zapfsäulen etwa 800. "Welcher Variante man den Vorzug gibt, ist nur individuell zu entscheiden", sagt Jochen Oesterle vom ADAC. Und manchmal wohl ist es auch "eine Glaubensfrage", meint Fiat-Sprecher Thomas Kern. Fiat, andere Hersteller oder Importeure, bieten deshalb sowohl Erd- als auch Autogasvarianten an.

Auf verschiedenen Internetportalen wie amortisationsrechner.de kann man sich über die Vor- und Nachteile unterrichten. Vor allem sollte man sich angesichts seiner Fahrgewohnheiten über das Tankstellennetz informieren. Dabei muss einkalkuliert werden, dass viele Gaszapfsäulen nicht rund um die Uhr in Betrieb sind.

Ermäßigter Steuersatz bis 2018

Die Gründe für das Sparen mit Gas sind steuerlicher Art. "Bis 2018 ist ein ermäßigter Steuersatz festgeschrieben. 9,7 Cent pro Liter muss ein Gasfahrer zahlen, sein Kollege von der Benzinfraktion wird hingegen mit 65,4 Cent staatlicherseits zur Kasse gebeten", schildert Oesterle die Sachlage.

Bevor der Gasnutzer an der Zapfsäule den Neid anderer genießen kann, muss er erst einmal selbst in die Tasche greifen. Eine Umrüstung auf Gasbetrieb kostet zwischen 1.800 und 3.900 Euro. Aber auch Neuwagen-Kunden müssen deutlich drauflegen. "Der Mehrpreis für ein Focus-Gasmodell liegt bei 3.275 Euro", rechnet Ford-Mann Hennen vor. Bei anderen Anbietern ist das nicht anders. Zwar subventionieren zahlreiche Gasanbieter und Stadtwerke die Investitionen ihrer künftigen Kunden, doch unter dem Strich bleibt ein deutlicher Mehrpreis, der erst einmal kompensiert werden will. "Grundsätzlich kann man sagen, dass sich Gas am ehesten für Vielfahrer rechnet", sagt Oesterle.

Aber nicht nur Sparfüchse greifen zum Gasschlauch. Auch wer der Umwelt Gutes tun will, kann dies mit einem gasbetriebenen Auto machen. Eine Untersuchung des österreichischen Autoclubs ÖAMTC, der TU Wien, von General Motors und OMV ergab, "dass der Erdgas-Motor zu zehn Prozent weniger CO2 abgibt, zu 85 Prozent weniger Partikel als der Diesel – ohne Partikelfilter – und zu einem kaum nachweisbaren Niveau Stickstoffoxide in die Luft bläst», teilt ÖAMTC-Experte Steffan Kerb mit. Diese Untersuchung galt einem monovalenten Erdgas-Motor, also einem rein mit Erdgas betriebenen Fahrzeug.

Die Befürworter von LPG führen ins Feld, dass ein Autogas-Fahrzeug bis zu 80 Prozent weniger Schadstoffe an die Umwelt abgibt als Benzin- oder Dieselfahrzeuge. Der Ausstoß gesundheitsschädlicher Abgasbestandteile wie Benzol, Aldehyde und polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (PAK) werde deutlich herabgesetzt.

Das Für und Wider von Autogas oder Erdgas muss man "in Ruhe für sich beurteilen", meint ADAC-Fachmann Oesterle. Doch egal wie man sich entscheide, Gas rechne sich nur, wenn man es konsequent und ausschließlich nutze. Im Mischbetrieb, also Gas und Benzin, sei der Preisvorteil dahin. Schlimmer noch, mahnt Oesterle: "Dann zahlt man drauf."

Norbert Michulsky/ddp