Es ist ein Erfolg für Handwerk und Mittelstand: Mittelstandskredite sollen von den neuen verschärften Bankenregeln ("Basel III") verschont werden. Doch "Basel III" wird die nächste Finanzkrise nicht abwenden können.
Burkhard Riering
Burkhard RieringNach dem Ausbruch der globalen Finanzmarktkrise im Jahr 2008 war allen klar: So etwas darf nie wieder passieren. Die großen Banken können nicht einfach tun und lassen, was sie wollen – und wenn ihr Risiko-Spiel schiefgeht, dann zahlt der dumme Steuerzahler.
Die Politik wollte in der Krise selbstbewusst und konsequent auf diesen ungezügelten Casino-Kapitalismus reagieren und brachte eine Reihe von Vorschriften auf den Weg. Unter anderem sollten die Geldinstitute in Zukunft mehr Eigenkapital vorhalten. Aus dieser Idee heraus entstanden die Basler Regulierungen und auf dieser Basis wird auch das Reformpaket "Basel III", lange Zeit umstritten, vom Jahr 2014 an nach und nach in Kraft treten.
Basel III mittelstandsfreundlich
Um es vorweg zu sagen: Mittelstand und Handwerk müssen sich keine Sorgen machen, dass mit „Basel III“ nun der Kredithahn zugedreht wird, weil die Banken jetzt plötzlich mehr Geld auf die hohe Kante legen müssen.
Noch vor einigen Monaten sah es so aus, als ob durch "Basel III" die Kreditfinanzierung auch für kleine und mittelständische Betriebe schwerer würde. Aber dies ist nun vom Tisch.
Banken erhalten für den Mittelstand bis 50 Millionen Euro Jahresumsatz Ausnahmen bei der Kreditvergabe – und darunter fallen gewiss auch die meisten Handwerksbetriebe in Deutschland. Somit haben die langwierigen Verhandlungen über "Basel III" letztlich ein glückliches Ende genommen. Höhere Zinsen oder eine Kreditklemme, wie zunächst befürchtet, wird es nicht geben.
Gute Lobby-Arbeit
Dies ist ein Erfolg aller Beteiligten, die gemeinsam in Brüssel für den Mittelstand gekämpft haben: Sparkassen und Genossenschaftsbanken, Handwerkskammern und Industrie, Landes-Ministerien und Europa-Politiker. Das ist für jeden Betrieb, der investieren will, eine gute Nachricht. Denn was ist Unternehmertum ohne die Möglichkeit der kreditfinanzierten Investition? Wie Wachstum schaffen ohne Unterstützung der Banken? Kaum andere Größen gehören derart zusammen wie Kreditnachfrage und Wachstum.
Dass es auf der anderen Seite grundsätzlich richtig ist, die risikoreichen Banken mit "Basel III" an die Kandare zu nehmen, bleibt gleichwohl ein Fakt. Das widerspricht sich auch nicht. Es muss unterschieden werden zwischen denjenigen Bankenkonzernen, die für das globale Finanzdesaster verantwortlich waren wie die amerikanischen Investmentbanken, die aus faulen Krediten muntere "Finanzprodukte" schnürten. Und denjenigen Geldhäusern, die gemeinsam mit mittelständischen Unternehmen Wachstum auf solider Basis finanzieren.
Wann kommt die nächste Krise?
Also alles wieder gut? Ganz so einfach ist es nicht. Die neuen Vorschriften sind nicht derart hart, dass eine neue Finanzkrise ausgeschlossen wäre. Denn die letzte Finanzkrise hat auch die Haushalte der Schuldenstaaten arg angegriffen. Überhaupt wurde und wird deswegen fleißig mit Staatsanleihen gehandelt, von denen niemand weiß, was die einmal wert sein werden. Und "Basel III" verlangt auch weiterhin nicht, dass Banken Eigenkapital für Staatsanleihen hinterlegen müssen. So geht das Pingpong zwischen Staaten und Banken weiter.
Sollte der nächste Crash kommen, wäre wieder einmal bewiesen, dass stets zu schwache Konsequenzen aus Krisen gezogen werden.
