Kloster St. Ottilien So wird ein Dorf Selbstversorger bei Energie

Das Klosterdorf St. Ottilien leistet die Energieversorgung schon zu drei Viertel mit Rohstoffen aus eigener Produktion.

Christina Geimer

Katholisch und energietechnisch fortschrittlich: Die Benediktinerklöster sind traditionell Selbstversorger. Nun befeuern sie auch die Heizung mit eigenem Material. - © Kloster St. Ottilien

In schwarzer Kutte und mit roten Wangen sitzt Bruder Josef Thomas Götz im Kloster St. Ottilien in seinem Büro. Der Verwaltungsleiter blickt aus seinem Fenster im Konvent auf weite grüne Wiesen – und auf seinem Schreibtisch auf eine hohe Energierechnung aus alten Zeiten.

Im Jahr 2005 lag der Verbrauch noch bei 700.000 Liter Heizöl pro Jahr. Das ist vergleichbar mit einem 800-Seelen-Dorf. 66.000 m² beheizte Fläche umfasst das Klosterdorf mit Internat, Gästehaus, und Druckerei westlich von München (Übersicht rechts). „Das muss auch anders gehen“, dachte sich Götz. Die Ölkessel im Keller waren überdimensioniert und ließen sich immer weniger mit dem Ideal der Bewahrung der Schöpfung vereinen.

Das Klosterdorf St. Ottilien bei Geltendorf: 1 Hühnerhof, 2 Hofladen, 3 Holzhack-schnitzelheizung, 4 Biogasanlage, 5 Landwirtschaft, 6 Werkstätten, 7 Verlag und Druckerei, 8 Emminger Hof, 9 Ottilienheim, 10 Gästehaus, 11 Konventbau, 12 Gärtnerei. - © Kloster St. Ottilien
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In St. Ottilien fällt gleichzeitig viel Gülle, Gras, Holz und Mais an. Götz fragte sich, wie er diese Ressourcen als Alternative zum Öl nutzen kann. Diese Frage beantworteten dem Lehrer zwei Väter von Schülern: Wolfgang Mauch, Leiter der Forschungsstelle für Energiewirtschaft München, erstellte eine Studie zur Umstellung. Eugen Schäfer aus Kaufering half bei der Planung.

Heute liefert eine große Biogasanlage die Energie: Die Gülle stammt von den 170 Kühen, das Gras kommt aus der eigenen Landwirtschaft. Bei Mais muss nur ein Drittel zugekauft werden.

Gülle heizt die Schulräume

„Obwohl wir hier Gülle einsetzen, stinkt die Anlage nicht“, sagt Götz. Die grünen runden Gebäude der Biogasanlage sind mit dem Kuhstall verbunden. Daneben hat das Kloster noch eine Hackschnitzelanlage gebaut: 1.200 Kubikmeter Holz machen die Mitarbeiter selbst, noch einmal so viel wird jährlich aus der Umgebung zugekauft. In zehn Jahren soll sich die Hackschnitzel- und in fünf die Biogasanlage amortisiert haben.

Bruder Josef Thomas Götz leitet die Verwaltung der Erabteil St. Ottilien. Der Studiendirektor unterrichtet auch Mathematik, Physik und katholische Religion. - © Geimer
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„Eine Biogasanlage oder eine Hackschnitzelanlage zu kaufen, ist nichts Besonderes. Wir erfassen den ganzen Ort bis zur letzten Hütte. Das kann jedes Dorf nachmachen“, meint Götz. Sein Blick richtet sich auf die Messungen an 40 Punkten im Zwei-Minuten-Takt: „Probleme sehe ich sofort.“ Dann ruft er sein Team aus Elektrikern, Schreinern und Schlossern zur Beratung zusammen. Sie haben die Anlagen zum Großteil selbst gebaut und warten sie auch.

Wende in geheimer Wahl

Zwar haben die Investitionen die laufenden Kosten schon um eine halbe Million Euro gesenkt. Doch das Projekt zur klösterlichen Energiewende war auch unter den Brüdern nicht unumstritten. „Benediktinerbrüder haben dieselben Fragen wie alle anderen Bürger“, berichtet Götz von den internen Diskussionen: Ist der Energieumbau rentabel? Wird die Biogasanlage explodieren? Überzeugungsarbeit leistete nicht der Glaube, sondern schufen die Berechnungen aus der wissenschaftlichen Untersuchung.

Über die verschiedenen Planungsstufen entschieden die Benediktiner in geheimer Wahl. Das ist bei Investitionen ab 20.000 Euro in der Gemeinschaft Pflicht und könnte auch zum Vorbild für andere landwirtschaftliche Dörfer werden, die Selbstversorger werden wollen.

350 kW und 700 leisten die Holzhackschnitzelzentralheizungen in St. Ottilien. Zwei Anlagen rentieren sich, da sie flexibler geregelt werden können, als eine große. - © Geimer
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Beim Einsatz der erneuerbaren Energien entschieden die Klosterbrüder bisher nicht dogmatisch, sondern sehr pragmatisch: 90 Prozent sind Bioenergie, aber ab minus fünf Grad wird der Ölbrenner zugeschaltet. Die restlichen zehn Prozent sollen nach und nach durch bessere Isolierung eingespart werden. Bisher wurden schon das Schwimmbad und die Gärtnerei modernisiert. Fenster und Dämmung in anderen Gebäuden will St. Ottilien in den nächsten zehn Jahren erneuern.

Götz denkt schon weiter: Vielleicht kommt bald eine Solaranlage auf das Dach der Druckerei, um so zumindest zwei Prozent des Energiebedarfs zu decken. „Zwei, drei schöne Windräder in den nächsten Jahren kann ich mir gut vorstellen“, sagt er und schaut auf die Wiesen des Klosterdorfs.

Weitere Informationen zum Energiekonzept des Klosters gibt es hier .