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Erschreckend viele Analphabeten in Deutschland 7,5 Millionen Erwachsene können nur eingeschränkt lesen oder schreiben

Rund 7,5 Millionen Erwachsene in Deutschland können nur eingeschränkt oder überhaupt nicht lesen und schreiben. Mit einer zweitägigen Veranstaltung in Berlin regeln Bund und Länder nun, gemeinsam mit vielen Partnern, wie die Grundbildung in Deutschland in den kommenden zehn Jahren verbessert werden könnte.

Die Zahl ist erschreckend hoch und beunruhigend zugleich: Etwa 7,5 Millionen Erwachsenen in Deutschland können nur eingeschränkt oder überhaupt nicht lesen und schreiben – ein trauriger Befund für das deutsche Bildungssystem. Dabei ist Analphabetismus nach Einschätzung der Bremer Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) ein vielschichtiges Problem. Sie plädiert dafür, die Ursachenforschung auszubauen, um präventiv zu arbeiten und Betroffenen frühzeitig zu helfen. Denn die sogenannten funktionalen Analphabeten haben es im Alltag nicht leicht, ihre Berufschancen sind teilweise deutlich reduziert.

Bund und Länder organisieren Veranstaltung "Dekade für Alphabetisierung"

Mit der Veranstaltung "Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung" in Berlin soll nun ein Zeichen gesetzt werden, die Lese- und Schreibkompetenzen von Erwachsenen nachhaltig zu verbessern. In Fachvorträgen und sechs Fachforen sollen zahlreiche Experten das Thema Alphabetisierung und Grundbildung betrachten und bearbeiten. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) und die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Claudia Bogeda (SPD), präsentieren ihr Konzept ebenfalls am Montagmittag zur Auftaktveranstaltung. Allein der Bund will in den nächsten zehn Jahren mit bis zu 180 Millionen Euro Alphabetisierungsprojekte fördern sowie Kurskonzepte und Selbstlernmöglichkeiten schaffen. Damit soll auch die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert werden.

Die Bedeutung schriftsprachlicher Kompetenzen steigt

Die Veranstaltung ist nach Bogedan eine notwendige Konsequenz, denn die Bedeutung schriftsprachlicher Kompetenzen wird in allen Lebensbereichen noch zunehmen, "gerade auch mit Blick auf die Auswirkungen der weiter voranschreitenden Digitalisierung", sagte sie. Auch für Asylsuchende seien entsprechende Angebote wichtig: "Es gibt in der Gruppe der Geflüchteten und auch der Zuwanderer einige Menschen ohne schulische Erfahrungen." dpa

Formen des Analphabetismus

  • Funktionale Analphabeten: In der heutigen Wissensgesellschaft gelten Menschen als funktionale Analphabeten, wenn die individuellen Kenntnisse niedriger sind als die erforderlichen und als selbstverständlich vorausgesetzten Kenntnisse. Das ist in der Regel dann der Fall, wenn sie zwar Buchstaben, Wörter und einfache Sätze lesen und schreiben können, jedoch Mühe haben, zusammenhängende Texte zu lesen und zu verstehen.
  • Primäre Analphabeten: Diese Form des Analphabetismus liegt vor, wenn eine Person über keinerlei Lese- und Schreibkenntnisse verfügt. Eine andere Bezeichnung ist natürlicher Analphabetismus. Davon betroffen sind vor allem Menschen in Staaten mit einem wenig ausgebauten Schulsystem, die keine Gelegenheit zum (regelmäßigen) Schulbesuch hatten.
  • Sekundäre Analphabeten: Von dieser Form spricht man, wenn nach mehr oder minder erfolgreichem Schulbesuch ein Prozess des Vergessens einsetzt, bei dem einmal erworbene Schriftkenntnisse wieder verloren gehen. Die Kinder haben zwar während der Schulzeit lesen und schreiben gelernt, als Jugendliche oder Erwachsene haben sie dies jedoch wieder verlernt. (Quelle: Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung)

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