Stuttgart -

Meisterfeier 723 Tickets fürs Unternehmertum gelöst

Unter dem Motto „Ich bin dann mal Chef“ feierten rund 2.500 Gäste die neuen Handwerksmeister der Region aus 32 Gewerken.

Im Internationalen Congesscenter in Stuttgart drehte sich der feierliche Abend um spannende Gründungsvorhaben, den Mut zum Unternehmertum und die herausragenden Meisterstücke der Handwerksprofis.

„Einer Existenzgründung oder einer Betriebsübernahme steht jetzt nichts mehr im Wege. Der Meisterbrief ist hierfür die maßgeschneiderte Eintrittskarte“, betonte Rainer Reichhold, Präsident der Handwerkskammer Region Stuttgart, in seiner Begrüßungsrede. Er selbst habe die Selbstständigkeit nie bereut, erklärte der Elektro-Meister. Es gäbe nichts Schöneres, als den eigenen Familienbetrieb zu führen. Natürlich, so Reichhold, würden Handwerksmeistern viele attraktive Posten geboten.

Doch gerade die inhabergeführten Betriebe, in denen der Chef eigenverantwortlich mitarbeitet, machten das Handwerk aus. Darum biete die Handwerkskammer mit Beratung und Coaching in allen Gründungsphasen ihre Unterstützung an.

„Was soll eure Geschichte sein?“

Auch die Gleichstellung des Meisters mit akademischen Karrieren steht ganz oben auf der Forderungsliste des Kammerpräsidenten. „Wir brauchen weitere konkrete Unterstützungsmaßnahmen für Betriebe, Berufsschulen, Lehrlinge und Weiterbildungsteilnehmer.“ Hierzu zähle auch die Meisterprämie. In Bayern werden bereits 1.500 Euro an erfolgreiche Absolventen der Meisterschule ausbezahlt, in Niedersachsen gar 4.000 Euro. Reichhold: „Das wäre eine faire Anerkennung für Meister und ein wichtiger Schritt zur Gleichbehandlung gegenüber Studierenden.“

Mit Gründergeist infizierte auch Sprecher und Autor Felix Plötz die Jungmeister der Generation „Y“. „Ihr fragt euch, ,why‘ also ,warum‘ arbeite ich und wollt es euch sinnvoll beantworten.“ Start-ups, die vom Küchentisch aus „einfach mal gemacht“ haben, hätten in den letzten Jahren die Welt verändert. Plötz animierte die Meister darum mit der Frage: „Was soll eure Geschichte sein?“

An einer solchen schreibt Konditormeisterin Lydia Steinbrich gerade. Die Bestmeisterin wurde für ihre Gründungspläne mit dem 3.000 Euro schweren Preis des Rotary-Clubs Stuttgart ausgezeichnet. Die Verbindung von Handwerkskunst und sozialem Engagement hätten in ihrem Konzept für ein internationales Baumkuchen-Café überzeugt, erklärte Rotary-Vizepräsidentin Ines Aufrecht bei der Laudatio.

Torwart Timo schickt Meister ins Stadion

Zwei weitere Bestmeister konnten sich über eine prominente Überraschung freuen: Ex-VfB-Torwart Timo Hildebrand verloste auf der Bühne je zwei Bundesliga-Karten an Friseurmeisterin Viviane Selina Werner und Schilder- und Lichtreklamehersteller Markus Frank. Mit seiner Firmenausstattung für die fiktive „Air Bavarian“ inklusive Lichtwerbeanlage sorgte der Vilgertshofener bei der Meisterstück-Ausstellung für Aufmerksamkeit.

Eine große Bildergalerie finden Sie auf der Facebook-Seite der Handwerkskammer Region Stuttgart und unter www.hwk-stuttgart.de/meisterfeier2017

Kaffee und Kuchen bringen Menschen zusammen

Für ihren Gründerplan rund um den Baumkuchen hat Konditor-Bestmeisterin Lydia Steinbrich den Förderpreis des Rotary-Clubs Stuttgart erhalten. „Für Baumkuchen braucht man Handarbeit und viel Gefühl“, erklärt sie. Mit einem internationalen Café möchte die 28-Jährige das Handwerk mit ihrem abgeschlossenen Studium der Sprach- und Kulturwissenschaft verbinden. „Bei Kaffee und Kuchen nehmen sich die Menschen Zeit – für Genuss und gute Gespräche über kulturelle Grenzen hinweg.“ Die 3.000 Euro Preisgeld fließen in ihre Baumkuchenmaschine und das Marketing. Bis dahin arbeitet die Jungmeisterin angestellt, kümmert sich um die Azubis und engagiert sich im Gesellenprüfungsausschuss. Auch hierfür wollte sie den Meistertitel. „Das Ausbildungssystem im Handwerk ist gesellschaftlich enorm wertvoll. Es gibt Jugendlichen Struktur und liefert Erfolgserlebnisse in einem kollegialen Umfeld.“

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