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Besuch bei SHK-Betrieb 7 Generationen und 150 Jahre Firmengeschichte

Ob Sanitär, Heizung, Rohrreinigung oder Spenglerei: die Firma Michael Bissert aus Iphofen bei Würzburg deckt ein breites Spektrum an Leistungen ab. Da sie auch bei Notfällen erreichbar sein muss, gehört Spontanität zu ihren wichtigsten Eigenschaften – und das nun schon seit sieben Generationen.

Es tutet ein erstes Mal, es tutet ein zweites Mal, es tutet kein drittes Mal. Schon nach wenigen Augenblicken hebt eine freundlich klingende Stimme ab. "Michael Bissert hier, hallo! Schön, von Ihnen zu hören!". In der Hoffnung, in den nächsten zwei Wochen einen Termin vereinbaren zu können, frage ich, wann er Zeit habe. "Wollen wir es nicht gleich morgen machen?" Gleich morgen? Ich überlege kurz. Na gut, dann ab nach Iphofen.

Wer sich an die Firma Michael Bissert wendet, muss scheinbar nicht lange warten. Und das ist auch gut so. Das Unternehmen für Sanitär, Heizung, Klima (SHK) und Spenglerei aus dem unterfränkischen Iphofen ist dafür bekannt, flexibel und schnell handeln zu können. Denn verstopfte Rohre oder defekte Leitungen sind nicht planbar. Neben Rohrreinigung kümmert sich der SHK-Innungsfachbetrieb um moderne Sanitäranlagen und Heizungssysteme sowie um Spengleraufträge – um Blecharbeiten.

Angekommen in Iphofen mache ich mich auf die Suche nach einem Firmengebäude. Vorbei an malerischen alten Häusern entdecke ich das große Knauf-Museum – und direkt gegenüber ein kleines, unscheinbares Haus, auf dem steht: "Blech zu schneiden biedere Kunst, Blech zu reden Narrengunst, hier treibt mit Fleiß man und Geschick die allerschönste Blechmusik." Das scheint es zu sein. Nach einer herzlichen Begrüßung von Inhaber Michael Bissert führt er mich in die Werkstatt, die früher mal eine Scheune war. Überall stehen Geräte und Maschinen, der Duft von frisch gekochtem Kaffee liegt in der Luft, das Radio läuft und auf einer kleinen Werkbank im Eck stehen selbstgebackene Lebkuchen.

SHK-Innungsfachbetrieb aus Tradition

Das kleine Familienunternehmen, das aktuell vier Mitarbeiter beschäftigt, besteht bereits seit über 150 Jahren und ist damit eine der ältesten Firmen Unterfrankens. Stolz zeigt Inhaber Michael Bissert einen Lehrbrief von Lothar Bissert aus dem Jahr 1831. In der Familienhistorie war er der erste, der urkundlich als "Spengler" bezeichnet wurde. Erst mit der Entwicklung der Leitungen, wie wir sie heute kennen, entwickelten sich dann Berufsbezeichnungen wie "Installateur" oder "Heizungsbauer". Nachdem sein Vater Josef in den Ruhestand ging, übernahm Michael das Geschäft. Wie aufs Stichwort kommt sein Sohn Stefan von einem Außentermin zurück. Die beiden besprechen kurz den Auftrag und planen das weitere Vorgehen. Mit Stefan besteht das Unternehmen bereits in der siebten Generation. "Und auch der Enkel ist mit seinen neun Jahren schon fleißig am Klopfen", erzählt der Inhaber mit fränkischem Zungenschlag und einem zufriedenen Lächeln. "Das macht unsere Firma aus."

Kein Tag wie der andere

Während früher die Spenglerei das Hauptgeschäft darstellte, haben sich mit der Zeit die Tätigkeiten verschoben. Heute stehen die Bereiche Sanitär, Heizung und Rohrreinigung im Mittelpunkt. Dabei hat sich das Unternehmen auf Modernisierungen und Umbau spezialisiert. "Durch die unheimlich vielen Tätigkeiten wird uns nie langweilig. Jeder Tag ist anders." Den typischen Arbeitsalltag gibt es folglich nicht. So gehören zum Beispiel Badsanierungen, Umbauten zu barrierefreien Sanitäranlagen, der Einbau moderner Klima- oder Lüftungsanlagen und die Reinigung von Rohren aller Art zu den täglichen Aufgaben. Werkzeuge wie Industriesauger, Kernbohrgeräte, Motorspiralen oder Einfriergeräte kommen kontinuierlich zum Einsatz.

Unentbehrlich für die Rohrreinigung ist die Rohrkamera, die in der kleinen Werkstatt kaum zu übersehen ist: ein gelbes Kabel, aufgerollt auf eine fahrbare, silberne Rolle, ein großes Display und am Kabelende eine kleine Kamera in einem Plastikgehäuse. Vorsichtig fährt Michael Bissert die Rolle in die Mitte des Raums. "Mit der Kamera und dem Sender können wir sehen, wodurch ein Rohr verstopft wurde. Außerdem können wir die Stelle zentimetergenau lokalisieren." So wissen sie, wie tief die Verstopfung liegt und können einen Bagger oder andere Geräte entsprechend einsetzen. Die Aufnahmen, auf denen vermerkt ist, wie tief die Kamera im Rohr war, schickt Michael Bissert auch den Kunden – per Mail oder WhatsApp. Manchmal sehe man da wirklich faszinierende Sachen, erzählt Bissert und lacht: Gummiringe in Abflussrohren, Bäume, die sich ihren Weg in Regenwasserleitungen gesucht haben oder auch einen kleinen Dackel, der in einem Revisionsrohr feststeckte.

Wenn Ehrenamt und Beruf sich ergänzen

Doch das ist nicht seine einzige Rohrkamera. Um für jeden (Aus-)Fall gewappnet zu sein, besitzt die Firma Bissert die meisten Geräte in zweifacher Ausführung. Natürlich komme es auch mal vor, dass er nicht persönlich weiterhelfen könne. Durch jahrelange ehrenamtliche Tätigkeiten verfüge er jedoch über ein großes Netzwerk mit vielen befreundeten Handwerkern, so Michael Bissert. Seit mittlerweile drei Jahren ist er Vizepräsident der Handwerkskammer für Unterfranken.

Von seinen Ehrenämtern zeugt auch der gut gefüllte Wandkalender im kleinen Büro hinter der Werkstatt. Dort befinden sich auch in großen Rahmen die Meisterbriefe und andere Urkunden von Michael und Stefan Bissert. Daneben hängen Fotos mit Barbara Stamm und Georg Hackl sowie Bilder von einem Nachwuchswettbewerb der Handwerkskammer. Im eigenen Betrieb fördert er den Nachwuchs, indem er immer einen Auszubildenden einstellt, der dann eine intensive Ausbildung genießt. Obwohl der Anlagenmechaniker für SHK-Technik 2018 unter den Top Drei der Ausbildungsberufe des Handwerks lag – unter den männlichen Auszubildenden –, wird die Nachfrage weniger. "Das Handwerk bräuchte mehr Indianer und weniger Häuptlinge", bedauert der langjährige Kreishandwerksmeister von Kitzingen.

Aus Leidenschaft Spengler

Man merkt Bissert an, wie viel Spaß ihm all seine Aufgaben machen. Und trotzdem ist sein eigentliches Steckenpferd die Spenglerei, in der der Ursprung des Familienunternehmens liegt. Er selbst ist Spenglermeister und hat lange Zeit an der Spengler-Meister-Schule in Schweinfurt und später in Würzburg gelehrt. Die wesentliche Eigenschaft von Blech ist, dass es sich leicht formen lässt und so sehr flexibel einsetzbar ist. Fehlt ihm beispielsweise mal ein Stück Rohr, kann er es schnell und einfach mit der Rundmaschine anfertigen. Kurzerhand rückt er seine Brille zurecht, schnappt er sich ein dünnes Stück Blech und schiebt es zwischen zwei dicke Metallstäbe. Er dreht ein paar Mal an der seitlichen Kurbel und formt so ein kleines, silbernes Rohr.

Neben Rohren, Dach- und Fassadenverkleidungen oder Kamineinfassungen fertigt er ein bis zweimal im Jahr auch künstlerische Arbeiten an. Besonders stolz ist er auf die Ornamente am gegenüberliegenden Knauf-Museum. An der Dachrinne über dem Eingang befindet sich eine kupferfarbene Teufelsmaske, die er bereits vor einigen Jahren erstellt hat. Erst vor kurzem spengelte er außerdem einen silbernen Edelstahlstern, der aufgrund der Sonne und der dunklen Dachrinne kaum zu übersehen ist. Aus einem Stück angefertigt, hängt er dort seit einem Jahr. "Ja, Spengler halt", äußert er schmunzelnd, während er den Stern betrachtet. Leider, so Bissert, sei die Spenglerei rückläufig. "Vor 50 Jahren, als mein Vater noch aktiv war, bekamen wir nahezu jeden Tag einen Spenglerauftrag."

Während Michael Bissert mich zurück zum Bahnhof fährt, entdecke ich an den Gebäuden in der Innenstadt Iphofens immer wieder Blechornamente und kupferfarbene Mauerabdeckungen. Ich bedanke mich für den spontanen Termin und verabschiede mich. Der Ford Ranger mit der Buchstabenkombination "WC" im Kennzeichen fährt davon.

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Reportage-Projekts des Master-Studiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden. Kooperationspartner waren die Handwerkskammer für Unterfranken und die Deutsche Handwerks Zeitung.

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