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Steuertipp Sechs Prozent Zinsen auf Steuernachzahlungen – nein danke!

Müssen Sie Steuern für weit zurückliegende Jahre bezahlen, kann das richtig teuer werden. Denn das Finanzamt fordert nicht nur die Steuernachzahlungen, sondern auch noch Nachzahlungszinsen ab dem 15. Monat nach Ablauf des Steuerjahrs von 0,5 Prozent Zinsen pro Monat. Sechs Prozent Zinsen pro Jahr sind angesichts der Zinsflaute beträchtlich. Doch Sie müssen das nicht hinnehmen.

Fand bei Ihnen für das Jahr 2012 eine Betriebsprüfung statt, die zu einer Steuernachzahlung von 30.000 Euro führte, setzt das Finanzamt im Steuerbescheid im Dezember 2016 satte Nachzahlungszinsen in Höhe von 4.800 Euro fest.

Höhe der Zinsen verfassungswidrig angesichts der Niedrigzinsen?

Werden Sie vom Finanzamt zur Zahlung von jährlich sechs prozentigen Nachzahlungszinsen aufgefordert, sollten Sie sich mit einem Einspruch gegen die Zinsfestsetzung (nicht gegen den Einkommensteuerbescheid) wenden. Weisen Sie in Ihrem Einspruch auf bereits anhängige Musterprozesse zu diesem Problem hin (FG Münster, Az. 10 K 3472/16 E; BFH, Az. I R 77/15; BVerfG, Az. 2 BvR 1711/16). Beantragen Sie ein Ruhen Ihres Einspruchsverfahrens bis erste Urteile zu diesem Ärgernis vorliegen.

Steuertipp:

Die hohen Zinsen haben natürlich auch etwas Gutes, wenn Sie Steuererstattung für lange zurückliegende Jahre erhalten. Dann muss das Finanzamt im Gegenzug auch 0,5 Prozent Erstattungszinsen ab dem 15. Monat nach Ablauf des Steuerjahrs auszahlen. Kleiner Wermutstropfen: Diese Erstattungszinsen werden vom Finanzamt mit der Abgeltungssteuer besteuert. Abgeltungsteuer fällt nur dann nicht an, wenn die Erstattungszinsen zu Steuererstattungen unter dem Sparerpauschbetrag von 801 Euro/1.602 Euro (Ledige/zusammenveranlagte Ehegatten) liegen. dhz

Weitere Steuertipps finden Sie im DHZ-Steuerarchiv.

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